16.03.2017 Chief Digital Officer

Unternehmen rekrutieren Digitalexperten in die Vorstände

Von: Ingo Steinhaus

Viele Unternehmen haben neuerdings digital affine Vorständler, die es als Antreiber und Berater durch den digitalen Wandel führen sollen.

Der Chief Digital Officer (CDO) ist in vielen Unternehmen ein Modejob geworden. Nach einer Untersuchung von Bitkom Research haben ein gutes Viertel der größeren Unternehmen ab 500 Mitarbeitern eine solche Position geschaffen. Das bedeutet allerdings nicht, dass dem Rest die Digitalisierung egal ist: Die Vorstände in der deutschen Wirtschaft verändern sich, sie werden digitaler.

Von den kürzlich neu berufenen rund 120 Vorständen in den 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TechDax und SDax hat gut die Hälfte in der digitalen Wirtschaft gearbeitet. Ermittelt hat die Zahlen eine Analyse der Personal- und Managementberatung Kienbaum. Diese Entwicklung zeigt, dass die Unternehmen verstanden haben, dass zu den Führungsgremien Digitalexperten ebenso gehören wie Marketing-Leute, Vertriebsprofis und Personaler.

„Gefragt sind Manager mit Digital-Know-how und Change-Management-Kompetenzen, die die digitale Transformation vorantreiben“, sagt Fabian Kienbaum, geschäftsführender Gesellschafter der gleichnamigen Beratung. Dabei haben Informatiker und Wirtschaftsinformatiker eine große Chance, Chief Digital Officer (CDO) zu werden.

Obwohl Vorstandsposten meist über spezielle Recruiting-Mechanismen und nur selten via Stellenanzeigen besetzt werden, gab es in den letzten zwei Jahren 28 öffentliche CDO-Ausschreibungen, wie die Meta-Jobsuchmaschine Joblift herausfand. Angaben zum gewünschten Ausbildungsstand gab es zwar nur bei jeder zweiten Anzeige, aber mehrheitlich wurde ein Hochschulabschluss in Informatik oder Wirtschaftsinformatik gefordert – Digitalisierung gilt als IT-Aufgabe.

Hauptaufgabe des CDO: Entwicklung und Planung der Digitalstrategie

Die Auswertung des Stellenanzeigenarchivs in Sachen Digitalisierung ergab eine Reihe interessanter Einsichten. So scheint die deutsche Wirtschaft gerne Hilfen von außen in Anspruch zu nehmen: Insgesamt wurden fast 2500 Positionen mit Schwerpunkt auf Digitalisierungsprozessen ausgeschrieben, davon sollten mehr als 850 projektgebunden mit externen Managementberatern besetzt werden.

Die in den einzelnen CDO-Stellenanzeigen genannten Aufgaben für die Digitalvorstände lässt interessante Rückschlüsse auf den Stand der Digitalisierung zu. So scheint es zumindest den ausschreibenden Unternehmen an einer Digitalisierungsstrategie zu mangeln, da mehr als die Hälfte der Stellenanzeigen ihre Planung und Entwicklung in den Vordergrund rückt. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Entwicklung der Ausbau von digitalen Geschäftsmodellen.

Der ideale Kandidat für diese Rolle hat ein weitreichendes Verständnis digitaler Strukturen und Produkte, langjährige Führungserfahrung sowie Kompetenzen im Projektmanagement und in der IT. Außerdem sollte er mit Restrukturierungsprozessen vertraut seid, was aber nur etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen erfordern.

Die in den Stellenanzeigen gefragten Persönlichkeitsfaktoren passen dazu: Kommunikationsstärke, Überzeugungskraft und strategisches Denken. Aus all dem lässt sich ableiten, dass die vorrangige Mission der Digitalchefs die Schaffung digitaler Strukturen ist - im Zweifelsfall auch gegen den Widerstand der Belegschaft. Denn Teamfähigkeit oder Empathie werden nur sehr selten als gewünschte Eigenschaften genannt. Der CDO ist also in erster Linie ein Antreiber des digitalen Wandels.

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