Fachkräftemangel

Verbände sehen Problem, Mittelständler nicht

Es gibt zu wenige Fachkräfte, lautet der Ruf der Wirtschaftsverbände. Aber der Deutsche Gewerkschaftsbund und die KfW-Bankengruppe kommen zu anderen Ergebnissen.

Fachkräftemangel? Mittelstand sieht kein Problem

Es ist nicht einfach, den viel zitierten Fachkräftemangel anhand von Zahlen dingfest zu machen und genau zu klären, wie groß er eigentlich wirklich ist. Er ist ein bewegliches Ziel: Mal fehlen IT-Sicherheitsexperten, mal Ingenieure, mal Digitalmedien-Experten. Praktisch wöchentlich erscheinen Pressemitteilungen, die auf einen besonders eklatanten Personalmangel in einem Bereich aufmerksam machen.

Allerdings kann man die verschiedenen Statistiken nach dem klassischen Prinzip des "Cui bono" einordnen. Bei den Berufsverbänden wie Bitkom oder VDI wird selbstverständlich jede offene Stelle in einem Boombereich als Mangel interpretiert. Und ebenso selbstverständlich kann sie im Grunde nur durch den sofortigen Zuzug etwa von Computerspaniern geschlossen werden.

Klar: Unternehmen sind in ihrer Personalpolitik flexibler, wenn sie nicht erst darauf warten müssen, dass die Informatiker von der Uni fertig ausgebildet sind. Es gibt ja auch fast keinen arbeitslosen Informatiker oder Ingenieur in Deutschland mehr. Halt! sagt da der Deutsche Gewerkschaftsbund. Das stimmt nicht.

"Akademische Ausbildung schützt nicht generell vor Arbeitslosigkeit," meint Dr. Wilhelm Adamy, Leiter des Bereichs Arbeitsmarktpolitik beim DGB in einer aktuellen Studie. Trotz stetig steigendem Fachkräftebedarf und den bekannten Klagen über Fachkräftemangel: Die Zahl der jährlich arbeitslos werdenden Akademiker ist bisher nicht gesunken. Nach aktuellen Zahlen wurden im ersten Halbjahr 2011 etwa 100.000 Hochschulabsolventen arbeitslos.

Bei einem breiten Fachkräftemangel wäre diese Zahl vermutlich geringer. Trotzdem haben einzelne Unternehmen in einigen Branchen Probleme, für bestimmte Funktionen Experten zu bekommen. Vor allem spezielle, oft nachgefragte Qualifikationen im Technologiesektor sind Mangelware.

Eine genaue Analyse der KfW-Bankengruppe zeigt, dass die Ursachen von Personalmangel sehr heterogen sind. Vor allem bei größeren Unternehmen aus technologieorientierten Branchen melden sich häufig nicht genug Bewerber. Bei Unternehmen, die bereits viele gut ausgebildete und hochqualifizierte Mitarbeitern beschäftigen, fehlen eher spezifische Zusatzqualifikationen als zusätzliches Personal.

Die Ergebnisse entstammen aktuellen Längsschnittbefragung der KfW bei einer großen Zahl an mittelständischen Unternehmen. Dabei führt sie dieselbe empirische Studie zu mehreren Zeitpunkten durch, so dass die Ergebnisse einzelnen Untersuchungen verglichen werden können. Unter anderem werden auch Fragen zur Personalbeschaffung und zu zentralen Herausforderungen gestellt.

Dabei zeigt sich, dass ein Viertel der KMU Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Doch erstaunlicherweise sehen weniger als ein Prozent der Unternehmen darin eine zentrale Herausforderung. Sogar Unternehmen mit aktuellen Problemen bei der Mitarbeitersuche nehmen die Sache locker: Nur drei Prozent von Ihnen halten das Problem für zentral. Es scheint also keinen echten Problemdruck im Mittelstand zu geben.

 

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