13.03.2017 Im Gespräch mit Oliver Gürtler, Microsoft

Vertrauensbasis für die Cloud und die Zukunft von KI

Von: Ina Schlücker

Interview mit Oliver Gürtler, Senior Director der Cloud & Enterprise Business Group bei der Microsoft Deutschland GmbH, über das hinter der „Microsoft Cloud Deutschland“ stehende Datentreuhändermodell und notwendige gesellschaftliche Diskussionen im Hinblick auf die Zukunft von Künstlicher Intelligenz (KI)

  • Oliver Gürtler, Microsoft

    „Der Zugang zu den Kundendaten liegt für die Microsoft Cloud Deutschland beim Datentreuhänder T-Systems International“, so Oliver Gürtler von Microsoft.

  • Oliver Gürtler, Microsoft

    Oliver Gürtler, Microsoft: „Unsere Azure IoT Suite und Analytics-Lösungen erlauben es, Geräte- und Sensordaten zu sammeln, intelligent auszuwerten und Handlungsempfehlungen abzuleiten, die den Geschäftserfolg steigern.“

  • Oliver Gürtler, Microsoft

    Oliver Gürtler von Microsoft betont: „Unser Ziel ist es, Künstliche Intelligenz zu demokratisieren, das heißt für alle Menschen verfügbar und nutzbar zu machen.“

  • Oliver Gürtler, Microsoft

    Laut Oliver Gürtler von Microsoft soll Künstliche Intelligenz den Menschen nicht ersetzen, sondern dabei unterstützen, „die größten Herausforderungen unserer Zeit zu meistern“.

  • Oliver Gürtler, Microsoft

    „Die Verantwortlichen sollten sich über erfolgreiche IoT- und Cloud-Projekte in ihrer Branche informieren und den Blick dabei auch unbedingt auf das Ausland richten“, meint Oliver Gürtler von Microsoft.

IT-DIRECTOR: Herr Gürtler, was gibt es Neues hinsichtlich Ihrer im September 2016 gelaunchten Microsoft Cloud Deutschland?
O. Gürtler:
Wir haben im Januar 2017 Office 365 Deutschland verfügbar gemacht und erfüllen jetzt mit Microsoft Azure Deutschland die internationale Zertifizierungsnorm für Informationssicherheits-Mmanagement-Systeme (ISO 27001) und den Schutz von personenbezogenen Daten in Public Clouds (ISO 27018). Zudem kann Azure Deutschland jetzt auch über ein Pay-as-you-Go-Abo mit kostenlosem Startguthaben online gebucht werden. In der ersten Kalenderjahreshälfte 2017 launchen wir auch Dynamics 365 Deutschland.

IT-DIRECTOR: Was ist das Besondere an der hiesigen Cloud?
O. Gürtler:
Die Daten werden ausschließlich in deutschen Rechenzentren verarbeitet und gespeichert. Der Zugang zu den Kundendaten liegt beim Datentreuhänder T-Systems International: Ohne Zustimmung des Datentreuhänders oder des Kunden erhält Microsoft keinen Zugang. Erhalten wir diese Zustimmung durch den Datentreuhänder, können Microsoft-Mitarbeiter nur unter dessen Aufsicht und zeitlich begrenzt auf die Kundendaten zugreifen.

IT-DIRECTOR: Welche Herausforderungen sind damit verbunden?
O. Gürtler:
Microsoft verantwortet bei der Microsoft Cloud Deutschland ebenso das Einspielen von Updates oder Kundensupport wie bei all unseren Cloud-Diensten. Bei unserem deutschen Datentreuhandmodell ist entscheidend, dass wir nur dann Zugang zu den Rechenzentren selbst oder zu Kundendaten erhalten, wenn dies durch den Datentreuhänder freigegeben und beaufsichtigt wird. Wir haben bewusst den Schlüssel abgegeben und gemeinsam mit T-Systems International sehr durchdachte Prozesse etabliert, damit das Modell funktioniert und wir unseren Kunden diesen zusätzlichen Mehrwert bieten können.

IT-DIRECTOR: Wo befinden sich die Data Center?
O. Gürtler:
Eines davon in Magdeburg, das andere in Frankfurt am Main. Um den Geschäftsbetrieb und die Wiederherstellung von Daten auch in Katastrophenfällen zu gewährleisten, findet ein kontinuierlicher Datenabgleich zwischen den beiden Rechenzentren statt.

IT-DIRECTOR: Warum betreiben Sie einen solchen Aufwand für eine rein „deutsche“ Public Cloud?
O. Gürtler:
Wir haben damit klar auf die Nachfrage unserer Partner und Kunden nach deutschen Cloud-Diensten reagiert. Im Rahmen des „Cloud-Monitor 2016“ von KPMG und BITKOM gaben bspw. 76 Prozent der Befragten an, dass ihnen für die Auswahl des Cloud-Providers wichtig ist, dass die Rechenzentren ausschließlich in Deutschland sind. Mit unserem souveränen Datentreuhändermodell stellen wir sicher, dass die Daten nur in Deutschland gespeichert werden und dass der Zugang zu den Kundendaten mit T-Systems International durch ein deutsches Unternehmen kontrolliert wird, dessen Hauptsitz in Deutschland ist und das damit der deutschen Rechtsordnung unterliegt.

IT-DIRECTOR: Für welche Kunden lohnt sich der Einstieg in dieses Modell?
O. Gürtler:
Viele Kunden dürfen entweder aufgrund interner oder gesetzlicher Vorgaben keine Daten außerhalb Deutschlands vorhalten. So dürfen etwa die Daten der öffentlichen Verwaltung laut Gesetzgeber die deutschen Grenzen nicht verlassen. Es gibt auch Kunden, die in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen garantieren, dass alle Kundendaten in Deutschland bleiben.

Über solche Compliance-Vorgaben hinaus kommt der nicht zu unterschätzende emotionale Faktor ins Spiel. Denn in der Vergangenheit betrieben viele Großunternehmen und Mittelständler eigene Rechenzentren. Für die Verantwortlichen ist es ein gewaltiger Schritt, ihre IT – und damit verbunden auch Firmendaten – einem Cloud-Provider anzuvertrauen.

IT-DIRECTOR: Warum migrieren die Kunden ihre IT überhaupt in die Cloud?
O. Gürtler:
Insbesondere bei vielen Dax-Unternehmen ist Cloud Computing mittlerweile gesetzt, da die Verantwortlichen um die Kostenvorteile, Flexibilität und Skalierbarkeit des Betriebsmodells wissen. Darüber hinaus ermöglichen Cloud-Technologien ihnen überhaupt erst, zukunftsfähige digitale und datengetriebene Geschäftsmodelle aufzubauen. Sie diskutieren nicht mehr darüber ob, sondern wie sie in die Cloud migrieren.

IT-DIRECTOR: Hybride Cloud-Umgebungen sind demnach keine Seltenheit?
O. Gürtler:
Viele Kunden starten mit der Evaluierung bestimmter Cloud-Services und stellen im Zuge dessen fest, was damit in weiteren Bereichen möglich wird. Was folgt ist die generelle Öffnung gegenüber Cloud-Konzepten, sodass in der Realität oftmals hybride Szenarien mit unterschiedlichen Cloud-Bereitstellungsmodellen entstehen.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns erste Referenzen nennen?
O. Gürtler:
Office 365 Deutschland ermöglicht der Deutschen Vermögensberatung AG, auch für ihre hochsensiblen Daten die besonderen Bedürfnisse ihrer Kunden hinsichtlich Datenschutz und Compliance zu erfüllen.

Die Haufe Gruppe, einer der deutschlandweit führenden Anbieter für digitale Arbeitsplatzlösungen und Dienstleistungen, unterliegt strengen regulatorischen Anforderungen hinsichtlich der Speicherung von Kundendaten und setzt deshalb auf Microsoft Azure Deutschland. TeamDrive bietet ihren Sync & Share-Service (Dokumenten-Management) über die Microsoft Cloud Deutschland an, G Data ihre Sicherheitssoftware Managed Endpoint Security.

Desweiteren bieten wir mit unseren Partnern entsprechende Cloud-Evaluierungs-Workshops an, da viele Kunden noch nicht genau wissen, wie sie die Cloud am besten nutzen können.

IT-DIRECTOR: Wie läuft so ein Workshop ab?
O. Gürtler:
Zunächst erstellen wir ein „Proof of Concept“, prüfen in welcher Form sich der Cloud-Umstieg lohnt. Im nächsten Schritt beantworten wir u.a. folgende Fragen: Welche Vorteile kann man sich vom Cloud-Umstieg versprechen? Mit welchem Aufwand wäre die Migration verbunden?

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise können Sie Datenschutz und -sicherheit gewährleisten? Inwieweit nutzen Sie Verschlüsselungsverfahren in der Microsoft Cloud Deutschland?
O. Gürtler:
Die deutschen Rechenzentren nutzen die gleichen Technologien und bieten die gleichen Service-Level und Sicherheitsstandards wie die globalen Microsoft-Cloud-Angebote. Dazu gehören Multi-Faktor-Authentifizierungen, biometrische Scans, Smartcards, Datenverschlüsselungen nach SSL/TLS-Protokollen, physische Sicherheitsmaßnahmen, Sicherungen gegen Naturkatastrophen und Stromausfälle. Für die Verschlüsselung und Absicherung des Datenverkehrs zwischen Kundenanwendungen und Cloud-Servern nutzen wir D-Trust, die bundesweit anerkannte Zertifizierungsstelle der Bundesdruckerei. Darüber hinaus entwickeln unsere Partner, wie z.B. Eperi und G Data, zahlreiche Sicherheitslösungen für ihre Kunden, die sie über die Microsoft Cloud Deutschland bereitstellen.

IT-DIRECTOR: Welchen Stellenwert besitzt Sicherheit generell für Ihr Unternehmen?
O. Gürtler:
Seit seinem Amtsantritt hebt Microsoft CEO Satya Nadella die Bedeutung von Sicherheit besonders hervor. Dabei bedeutet IT-Sicherheit stets ein Wettrennen zwischen der IT-Sicherheitsbranche und professionell organisierten Cyber-Kriminellen – darunter immer mehr Staaten.

Beim Thema Sicherheit wird ein Aspekt zu oft unterschätzt: der Faktor Mensch. In einer SailPoint-Umfrage in den USA in 2016 wäre jeder fünfte der Befragten bereit, sein Passwort zu verkaufen, 44% für weniger als 1000 USD. Ein Schnäppchen quasi, denn gelangen Cyber-Kriminelle erst einmal ins Firmennetz, können sie von dort aus ihre Angriffe viel einfacher in die Wege leiten.

Um unsere Kunden vor solchen Szenarien zu schützen, entwickeln wir Produkte, die den softwareseitigen Zugang zu Geräten oder IoT-Sensoren regeln.  Zudem haben wir alle Microsoft-Suiten mit einer sogenannten „Advanced Threat Protection“ versehen. Denn Unternehmen stehen heutzutage vor der Herausforderung, dass sie in der Regel erst 200 Tage später bemerken, dass sie Opfer eines Cyber-Angriffs geworden sind. Dadurch erhalten die Angreifer jede Menge Zeit, im Firmennetz nach Belieben zu schalten und zu walten. Unsere Lösungen „Windows Defender Advanced Threat Protection“ und „Office 365 Advanced Threat Protection“ sowie „Azure Security Center“ helfen den Verantwortlichen dabei, Angriffe frühzeitig zu erkennen, zu beheben und ihnen vorzubeugen. Parallel dazu bieten wir entsprechende Beratung und Sensibilisierung der Mitarbeiter an.

IT-DIRECTOR: Neben Cloud Computing treiben Themen wie Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) derzeit die Branche um. Was halten Sie davon?
O. Gürtler:
IoT-Technologien sind für uns und unsere Kunden und Partner ein zentraler Schlüssel, um die digitale Transformation erfolgreich mitzugestalten. Unsere Azure IoT Suite und Analytics-Lösungen erlauben es, Geräte- und Sensordaten zu sammeln, intelligent auszuwerten und Prognosen zu erstellen sowie Handlungsempfehlungen abzuleiten, die den Geschäftserfolg steigern. Darüber hinaus können Unternehmen Mio. von Geräten zentral über die Cloud überwachen und steuern. Zudem spielen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning, also selbstlernende Algorithmen, und kognitive Dienste wie z.B. Sprach-, Gesichts-, Bild- und Emotionserkennung eine immer wichtigere Rolle.

IT-DIRECTOR: Was bedeutet dies speziell für den deutschen Markt?
O. Gürtler:
Deutschland ist weltweit bekannt für seine starken Industrien, z. B. den Automobilsektor. IoT-Lösungen sind ein zentraler Erfolgsfaktor für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland. IoT ist für Unternehmen aller Größen und Branchen relevant.

IT-DIRECTOR: Für welche IoT-Projekte gibt es in den Anwenderunternehmen grünes Licht?
O. Gürtler:
IoT-Vorhaben gelten als Paradebeispiele für die Cloud-Nutzung. Sie starten oftmals im kleineren Rahmen und werden anschließend peu à peu ausgebaut. Ein Beispiel: Im Einzelhandel möchten die Verantwortlichen in den Filialen über Sensoren und den damit verknüpften KI-Lösungen herausfinden, wie sich das Kundenverhalten in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren verändert: Warum werden nur bestimmte Produktgruppen verkauft? Welche Regale werden von den Kunden bevorzugt angesteuert? Warum verlassen Kunden frühzeitig das Geschäft? Im Laufe solcher Projekte lernen die Verantwortlichen, was sie mittels der aus den gesammelten Daten gewonnenen Erkenntnisse verbessern können. Sie können ihre Prozesse effizienter gestalten und gleichzeitig die Kundenzufriedenheit erhöhen.

IT-DIRECTOR: Gibt es weitere Beispiele?
O. Gürtler:
Microsoft und BMW arbeiten gemeinsam an BMW Connected, dem persönlichen, digitalen Mobilitätsassistenten von BMW: Wir entwickeln eine skalierbare Plattform, die BMW Open Mobility Cloud, basierend auf Microsoft Azure, um die Office-365-Produktivitätstools und persönliche Assistenzlösungen ins Auto zu bringen. Konkret: Microsofts digitale Assistentin Cortana wäre in der Zukunft auch im BMW-Fahrzeug abrufbar. BMW Connected erinnert während der Fahrt zum Beispiel an einen anstehenden Termin, zu dem noch kein Ort festgelegt wurde, und via Cortana kann eine passende Restaurantempfehlung vorgeschlagen und ein Tisch reserviert werden.

Nicht zuletzt steht vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) im Fokus vieler Unternehmen, wenn es um IoT-Projekte geht. Bei Thyssenkrupp Elevator sorgen Hololens und Skype für bis zu viermal kürzere Wartungszeiten bei Aufzügen und ermöglichen eine sichere, komfortable Fortbewegung.

IT-DIRECTOR: Gehen solche IoT-Projekte einfach von der Hand?
O. Gürtler:
Predictive Maintenance gilt mittlerweile als Standardprojekt. So gibt es softwareseitig entsprechende Standardprodukte, während die Maschinenbauer und Fertigungsspezialisten die entsprechenden Geräte und Maschinen entwickeln, die die Daten sammeln und übertragen können. Dabei sollten sich die Entscheidungsträger im ersten Schritt immer darüber informieren, was in der eigenen Branche in anderen Ländern hinsichtlich des Internets der Dinge bereits umgesetzt wurde.

IT-DIRECTOR: Sie sprachen Künstliche Intelligenz an. Welche Schwerpunkte setzen Sie hier?
O. Gürtler:
Künstliche Intelligenz wird zukünftig sämtliche Industrien beeinflussen und maßgeblich verändern. KI spielt in unseren Augen eine entscheidende Rolle, um zentralen Herausforderungen in der Welt begegnen zu können, z.B. im Gesundheitssektor oder bei Ernährung und Bildung. Unser Ziel ist es, KI zu demokratisieren, d.h. für alle Menschen verfügbar und nutzbar zu machen. Neben unseren Machine-Learning-Technologien setzen wir hier v.a. auch auf unsere Cognitive Services, d.h. Sprach-, Gesichts-, Bild- und Emotionserkennung. In der Medizin können so zum Beispiel durch KI-Technologien Forschungsdaten oder Röntgenaufnahmen in einer Präzision und Schnelligkeit ausgewertet und Schlussfolgerungen abgeleitet werden, zu der wir Menschen allein nicht imstande wären. KI soll den Menschen nicht ersetzen, sondern dabei unterstützen, die größten Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.

IT-DIRECTOR: Sind Maschinen demnach künftig die besseren Ärzte?
O. Gürtler:
Die kognitiven Services werden die Diagnosen und Behandlungspläne von Ärzten unterstützen und nicht ersetzen. Bei der rasanten Entwicklung von Bilderkennung, selbstlernenden Algorithmen und Künstlicher Intelligenz gilt es, stets die ethischen Aspekte zu berücksichtigen.

IT-DIRECTOR: Wie meinen Sie das?
O. Gürtler:
KI kann uns Menschen helfen, einige der größten Probleme unserer Zeit zu lösen, gleichzeitig gilt es darauf zu achten, dass einzelne Industrien, Gruppen oder Individuen nicht von den z.T. explosionsartigen technologischen Weiterentwicklungen überrollt werden. Wir als Technologieunternehmen setzen uns daher für einen intensiven Diskurs mit anderen Unternehmen, der Politik und Gesellschaft ein, um gemeinsam von den Möglichkeiten neuer Technologien zu profitieren, ohne einzelne zurückzulassen. Dafür benötigen wir einen konsequenten Austausch, Transparenz und Regeln.

Vor diesem Hintergrund haben Microsoft CEO Satya Nadella und Microsoft Präsident Brad Smith kürzlich die Denkschrift „A Cloud for Global Good“ veröffentlicht. Darüber hinaus haben wir bei Microsoft konkrete Design-Prinzipien, die uns bei der Weiterentwicklung unserer KI-Technologien leiten. KI-Anwendungen müssen z.B. einen intelligenten und umfassenden Datenschutz und -sicherheit gewährleisten. Algorithmen müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein und dürfen keine Vorurteile oder Verzerrungen abbilden.

IT-DIRECTOR: Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter der von Ihrem Unternehmen geforderten „Demokratisierung von Künstlichen Intelligenz“?
O. Gürtler:
Wir möchten das Potenzial von KI für alle Menschen zugänglich und nutzbar machen. So können Entwickler, Drittanbieter und auch Anwenderunternehmen unsere KI-Dienste in ihre Lösungen integrieren. Kürzlich entwickelten wir beispielsweise einen Skype Bot, der es Versicherern ermöglicht, gängige Kundenfragen automatisiert zu beantworten.

IT-DIRECTOR: Im vergangenen Jahr entwickelten Sie einen Chat-Bot, der sich aufgrund der Nutzerkommentare in kurzer Zeit als rassistisch und sexistisch erwies, sodass er schnell wieder aus dem Netz verschwand ...
O. Gürtler:
Wir lernen aus dieser Erfahrung sehr viel für unsere KI-Forschung und setzen gemeinsam mit unseren Kunden, Partnern, Politik und Gesellschaft alles daran, dass KI-Technologien uns dabei helfen, die größten Herausforderungen von heute und morgen zu bewältigen und das Leben der Menschen bereichern. Dabei ist für uns entscheidend, dass KI menschliche Fähigkeiten unterstützen, nicht ersetzen soll und dass die Würde des Menschen unantastbar ist.

IT-DIRECTOR: Ist Künstliche Intelligenz demnach manipulierbar?
O. Gürtler:
Künstliche Intelligenz ist ein technologisches Konzept. Und Softwareanwendungen auf Basis von KI können aus verschiedenen Motivationen und mit verschiedenen Zielen entwickelt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 03/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wir bei Microsoft sehen unglaublich viele Chancen und Vorteile, die Technologien, wie Public Cloud und KI, Geschäfts- und Privatkunden bieten. Wir sind uns gleichzeitig bewusst, dass die Vorteile – und die schnellen Veränderungen, die damit einhergehen – Fragen zu Ethik, Datenschutz und Sicherheit aufwerfen. Als Technologieunternehmen tragen auch wir eine Verantwortung, diese Fragen und kritischen Aspekte aufzugreifen und zu adressieren. Es braucht eine gemeinschaftliche Diskussion zwischen Unternehmen, Politik und Gesellschaft, um sicherzustellen, dass wir alle von den Vorteilen dieser Technologien bestmöglich profitieren, ohne einzelne Industrien, Gruppen oder Individuen zurücklassen. KI darf die Menschenwürde nicht verletzen und soll uns Menschen unterstützen, nicht ersetzen.

IT-DIRECTOR: Eine beruhigende Aussicht. Was würden Sie vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen den Verantwortlichen in Unternehmen mit auf den Weg geben?
O. Gürtler:
In der Vergangenheit hat jede industrielle Revolution zu großen Veränderungen in der Arbeitswelt, Gesellschaft und Politik geführt. Auch mit der Industrie 4.0 und KI kommen Veränderungen auf uns zu. Da sich die Technologien extrem schnell weiterentwickeln, ist es umso wichtiger, dass sich Entscheidungsträger frühzeitig und umfassend über Chancen und Risiken informieren. KI und IoT betrifft alle Lebensbereiche, alle Branchen. Meine Empfehlung lautet daher, dass sie sich über bereits erfolgreich umgesetzte IoT- und Cloud-Projekte in ihrer Branche informieren. Dabei sollte der Blick auch auf das Ausland gerichtet werden. Der Zug der digitalen Transformation rast, daher empfehlen wir Unternehmen aller Industrien und Größen frühzeitig zu prüfen, wie sie ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln können und mit aufzuspringen.


Oliver Gürtler

Alter: 48 Jahre
Familienstand: verheiratet
Werdegang: Seine Karriere startete bei mittelständischen Software-Häusern in Deutschland und der Schweiz. Bei Microsoft begann Gürtler als Director Partner Stratege & Programms, bevor er von 2011 bis 2016 den Geschäftsbereich Windows und Surface leitete.
Derzeitige Position: Seit 2016 Director Cloud & Enterprise Business Group bei der Microsoft Deutschland GmbH
Hobbys: Joggen, Reisen, Familie


Bildquelle: Alex Schelbert

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