Agilität entsteht durch die Kombination von Technik und Methode. Vor diesem Hintergrund adressieren Ansätze wie serviceorientierte Architekturen (SOA) oder Business Process Management (BPM) einzelne Aspekte einer agilen ganzheitlichen Infrastruktur. Entscheidend ist jedoch, einen Lösungsansatz zu entwickeln, der Agilitäts- und Effizienzpotentiale sowie -kriterien generell unterstützt, wie Frank Joecks, Leiter des BPM/SOA-Competence-Teams von Accelsis, erläutert: „Ein wichtiger Baustein ist in jedem Fall die Umsetzung der BPM- und SOA-Konzepte in Form einer entsprechenden IT-Infrastruktur bzw. einer Prozessplattform als Kernbaustein.“
Agilität, Nachhaltigkeit, Stabilität, Erweiterbarkeit sowie Effizienz in puncto Zeit und Kosten sind wesentliche Bausteine einer wirksamen, ganzheitlichen Prozessplattform. Darüber hinaus sind zu jeder Zeit unternehmensspezifische Ziele zu beachten. Auf der Grundlage universeller Basiskonzepte wie SOA und BPM führen spezifische Zielsetzungen immer zu individuellen Konzepten und Spezifikationen.
Vonnöten sind leichtgewichtige Plattformen, die die Flexibilität und Agilität unterstützen, indem sie schnell anpassbar sind und stufenweise auf- bzw. ausgebaut werden können. Wichtig ist es, die Prozesse „end to end“ zu betrachten und Mediationsprozesse sowie die Integration der „Backend“-Services und -Prozesse mit einzubeziehen. Genau das sind Aspekte, die eine Prozessplattform abdecken soll, was bedeutet, dass eine einfache Betrachtung via EPK-basierter (ereignisgesteuerte Prozesskette) Modellierung der Geschäftsprozesse nicht ausreicht, sondern generell die Integrationsebene und damit die Ebene der Services und Serviceschnittstellen integriert sein müssen.
Deutlich gefördert wird agiles Prozessmanagement durch eine flexible Plattform wie Oparo, die schnell einsetzbar ist und eine durchgängige Modellierung, Implementierung und Optimierung relevanter Geschäftsprozesse erlaubt. Bei Oparo handelt es sich um eine lizenzkostenfreie Prozess- und Integrationsplattform für Unternehmensanwendungen, die Open-Source-Produkte wie Apache Karaf, Apache Camel, Apache ActiveMQ und Activiti zu einer integrierten Plattform verbindet. Composite Services (Verbunddienste) stellen den Anwendern und Entwicklern die Funktionalität der Plattform zentral zur Verfügung. Das gesamte Produkt unterliegt der liberalen Apache-2-Lizenz. Die Open-Source-Plattform kann als Framework für agiles Business-IT-Alignment eingesetzt werden und somit die Einbindung aller an der Prozessumsetzung beteiligten Personen unterstützen. Mit BPMN 2.0 (Business Process Model and Notation) steht ein Modellierungsstandard zur Verfügung, mit dem sich eine gemeinsame Sprache zwischen Fachseite und IT etablieren lässt.
Eine solide Servicelandschaft ist eine Voraussetzung für den Betrieb flexibler Prozesse. Klare Schnittstellen und ein angemessener Abstraktionsgrad ermöglichen die Wiederverwendung von Services in verschiedenen Prozesskontexten. Daneben sind modulare Laufzeitumgebungen erforderlich, die den gleichzeitigen Betrieb mehrerer Prozessversionen und Services gewährleisten.
Die Produkte Apache Karaf, ActiveMQ und Camel stellen in Kombination die Fähigkeiten zur Verfügung, die ein Enterprise Service Bus benötigt. Camel übernimmt die Funktionen des Routings und der Datenkonvertierung. ActiveMQ fungiert als Message Broker für die Datenkommunikation zwischen den Services. Das Open-Source-Framework Activiti steht für die Automatisierung von Geschäftsprozessen und Workflows. Es basiert auf dem Standard BPMN 2.0 und bietet so ein hohes Maß an Interoperabilität und Investitionssicherheit. Technische Prozessdefinitionen sind prinzipiell statisch. Um eine Änderung des Prozessverhaltens im laufenden Betrieb zu ermöglichen, können Prozessparameter über eine Registry zur Laufzeit abgefragt und geändert werden.
Die genannten Basistechnologien und Kriterien wie Flexibilität, Leichtgewichtigkeit und Kosteneffizienz werden generell durch Open-Source-Software unterstützt. Solchen Lösungen fehlt aufgrund der meist mäßigen Integration einzelner Bausteine und Tools jedoch die Effizienz in den Bereichen Entwicklung und Betrieb. Zudem hat sich der Open-Source-Markt in den letzten Jahren gewandelt, gerade im Kontext von BPM- und SOA-Produkten. Viele Anbieter sind kommerziell orientiert und bieten Einführungs- oder Standardplattformen als lizenzkostenfreie Lösungen an; weiterführende Tools, die für den langfristigen Einsatz als unternehmensweite Prozessplattformen jedoch notwendig sind, werden als Enterprise-Editionen lizenzkostenpflichtig. An diesen Stellen verschwimmt der Unterschied zu traditionell kommerziellen Anbietern.
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