S+C setzt auf Virtualisierungskonzept

Virtualisierung mit Strategie von A bis Z

Das international tätige Familienunternehmen Schmidt + Clemens (S+C) setzt bei ­seiner IT-Modernisierung auf ein ausgeklügeltes Virtualisierungskonzept.

Stammsitz S+C, Bildquelle: S+C

Stammsitz der Unternehmensgruppe S+C in Lindlar-­Kaiserau, etwa 40 km östlich von Köln

Aus dem bergischen Lindlar vor den Toren Kölns beliefert die S+C-Gruppe weltweit Kunden mit hochwertigen Edelstahlprodukten. Das Unternehmen verfügt über Produktionsstandorte in Spanien, Brasilien, Malaysia, der Tschechischen Republik und Großbritannien, hat mehrere erfolgreiche Töchter und gliedert sich in unterschiedliche Produktbereiche, wobei sich jeder Bereich auf bestimmte Industriezweige und deren Bedürfnisse spezialisiert hat.

Vom Standort Lindlar aus betreibt und administriert das Unternehmen rund 350 Arbeitsplatzrechner, 80 Laptops und 60 Server. Von den 350 Bürorechnern gelten 200 Stück als Office-PCs. Das heißt, die Anwender nutzen sie überwiegend mit Standardsoftware wie etwa Microsoft Office 2003 und der SAP-Eingabemaske und stellen keine hohen Anforderungen an die Hardware. „In unserem Unternehmen ist es eine strategische Zielsetzung, Hostingpartner für zentral geführte Applikationen zu sein. Basierend auf dieser Ausrichtung ist die Desktopvirtualisierung die konsequente Fortführung dieser Strategie, auch wenn sie nun ,Cloud‘ genannt wird“, erklärt S+C-IT-Chef Thomas Taterra.

Dabei werden die 200 Office-Rechner (Fat Clients) mittels VMware View sukzessive virtualisiert und später in ein Thin-Client-Konzept überführt. „Hier spielte uns in die Karten, dass wir bereits zwei Novascale-Bullion-Server von Bull für Virtualisierungszwecke besaßen und diese nahtlos in unser Rechenzentrum inte­griert waren“, so Taterra weiter. Bei der Auswahl der Virtualisierungslösung fiel die Entscheidung zugunsten View aus, da bei S+C bereits Know-how in der Administration von VMware vSphere vorhanden war und View sich leichter in die vorhandene Umgebung inte­grieren ließ.

Mit dieser Idee sind IT-Profi Taterra und sein Team nicht allein: Immer mehr Unternehmen beschäftigen sich mit der Virtualisierung ihrer Desktops und entwickeln eine entsprechende Strategie. Die wenigsten jedoch verwirklichen diese. Die Marktforscher von IDC haben beispielsweise in einer Umfrage unter deutschen Unternehmen festgestellt, dass sich Client-Virtualisierung in den kommenden Jahren am Markt etablieren wird: 17 Prozent der deutschen Unternehmen rechnen damit, dass sie sich grundlegend auf die Art und Weise auswirkt, wie IT künftig bereitgestellt wird. Und das gilt auch für S+C.

„Datentourismus“ nicht mehr dulden

Bis dato administriert das Unternehmen die Rechner traditionell, sprich, Installationen und Updates werden zentral per Remotezugriff realisiert. Diese Maßnahmen binden indes Ressourcen; zudem ist eine schnelle Bereitstellung von Rechnerkapazitäten so nicht möglich. Auch besteht innerhalb von S+C beispielsweise die Anweisung, alle Daten zentral auf einem Fileserver in den jeweiligen persönlichen Ordnern abzulegen. Dennoch kommt es in der Hektik des Alltagsgeschäfts immer mal wieder vor, dass Daten lokal auf der Festplatte abgespeichert werden. Eine Kontrolle dieser Daten ist so nicht möglich. Fällt nun die Festplatte aus, ist der Aufwand groß, diese Daten binnen kurzer Zeit wiederherzustellen. Durch die Virtualisierung mit View muss nur noch ein einziges Systemimage auf den Novascale-Bullion-Servern bereitgestellt werden, das dann via Streaming allen 200 Office-Rechnern – egal ob Fat oder Thin Client – zur Verfügung gestellt werden kann. So kann das Unternehmen durch das Projekt seine Prozesse derart straffen, dass ein Mitarbeiter komplett aus der Systemadministration abgezogen und mit anderen Aufgaben betraut werden kann.

Gleichzeitig will S+C durch die Virtualisierung seine IT-Sicherheit weiter forcieren. Thomas Taterra: „Dank der virtuellen Desktops und der Thin Clients werden wir keinen ,Datentourismus‘ etwa mittels USB-Stick mehr dulden müssen.“ Aus technologischer Sicht wichtig: Die lokale Datenhaltung wird nicht mehr möglich sein, da die Daten durch die Virtualisierung der Desktops nur noch zen­tral auf Servern oder Netzwerk-Storages abgelegt werden. Letztere sind zusätzlich als RAID-5 realisiert, wodurch ein erhöhter Ausfallschutz gewährleistet wird. Im Falle eines Hardwaredefekts ist für den neuen Client kein manueller Installations- und Konfigurationsprozess mehr erforderlich – es wird lediglich der defekte Thin Client ausgetauscht. Dieser bezieht – ohne Installation – das komplette virtuelle System­image vollautomatisch über das Netzwerk. Die Wartung wird übersichtlicher und weniger fehleranfällig. Hinzu kommt, dass in dem von Bull und S+C ausgetüftelten Konzept auch alle anderen Wartungsarbeiten per Remotezugriff von den Administratoren gesteuert und geregelt werden. Künftige Neuanschaffungen sind deutlich preisgünstiger als herkömmliche Fat Clients, und schließlich kommt auch der Aspekt „Green IT“ in diesem Konzept zum Tragen: Die abgespeckten Rechner benötigen im laufenden Betrieb mit 20 Watt nur circa ein Fünftel der Energie wie herkömmliche PCs.

Als „Maschinen im Hintergrund“ der umfangreichen IT-Maßnahme werkeln die bereits installierten Nova-scale Bullion – aus gutem Grund: Sie lassen sich auf bis zu 160 Prozessorkerne skalieren, sodass S+C bei künftigen Erweiterungen seiner virtuellen Server- und Desktoplandschaft weniger physikalische Server benötigt. Zudem ermöglichen die Server ein vereinfachtes Management. Weiterer Vorteil: Durch diese Architektur ist S+C in der Lage, zügig ein virtuelles Backup-RZ aufzubauen. Dies ist im ersten Schritt bereits für eine redundant ausgelegte Firewall sowie für Spam- und Content-Proxy-Funktionalitäten verwirklicht: „Wir planen, das Backup auf die Applikationsebene auszubauen und somit auch ein Sicherheitsplus für unser SAP-System oder die Exchange-Server zu erreichen“, so Taterra.

In dem bei S+C realisierten Virtualisierungskonzept kommt auch die Rechenpower der Server zum Tragen. Thomas Taterra: „Gerade bei den PCs, die schon ein wenig älter sind, läuft der Aufruf einer Excel-Tabelle in der virtuellen Desktopumgebung deutlich schneller.“ Darüber hinaus geht S+C innovative Wege, um den Mitarbeitern den Wechsel auf das neue Konzept schmackhaft zu machen. Der IT-Chef von S+C erläutert sein Prinzip des „sanften“ Rollouts: „Wir machen keinen Rollout mit der Brechstange, sondern tauschen dort, wo ein PC defekt ist, diesen gegen einen Thin Client aus. Ebenso werden keine neuen Fat Clients mehr angeschafft.“

In seiner  Virtualisierungsstrategie rechnet S+C mit einer Amortisierung des Projekts nach wenigen Monaten – und nicht nur das: Erstens kann das Unternehmen auch bei einer künftigen Softwaremodernisierung mehr sparen, beispielsweise im Office-Sektor. Auf diese Weise lässt das Konzept eine nutzungsabhängige Bezahlung zu. Das heißt, es kommt nicht mehr zu Office-Lizenzen à la „Shelfware“, die zwar bezahlt sind, aber nicht genutzt werden. Und zweitens ist somit ein schneller Ausbau weiterer Virtualisierung einfacher möglich.

 

Schmidt + Clemens (S+C)
Das 1879 gegründete Familienunternehmen bietet Lösungen aus Edelstahl und hat sich als internationaler Spezialist für Schleuder- und Formguss sowie Schmiedekomponenten etabliert. Insgesamt besitzt das Unternehmen sieben Produktionsstandorte und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter.
Im Internet: www.schmidt-clemens.de

 

Bildquelle: S+C

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok