„Die Hybrid Cloud ermöglicht die Nutzung unterschiedlicher Server-, Storage- und Netzwerkressourcen“, betont Frederik Bijlsma, EMEA Business Unit Manager Cloud bei Red Hat.
IT-DIRECTOR: Herr Bijlsma, wie wird sich das Interesse der Großunternehmen im Vergleich zum Vorjahr an der Wolke gestalten?
F. Bijlsma: In vielen Unternehmen finden sich heute Geschäftsbereiche, Produkte und Services, die ohne einen intensiven Beitrag der IT nicht mehr funktionieren würden. Die Fachabteilungen forcieren die Cloud-Adaption, hier gibt es einen großen Bedarf für neue Services. Entscheidend ist, dass sich die Cloud-Initiativen an den Zielvorgaben Agilität und Zukunftssicherheit orientieren. Die Business-Sicht bestimmt die Erfolgsfaktoren, und daran müssen sich die neuen Cloud-Initiativen messen lassen. Aber auch aus IT-Sicht bleibt Cloud Computing relevant. Hier geht es in erster Linie um die Effizienzsteigerung der vorhandenen Prozesse. Die IT-Abteilung muss dabei eine klare Strategie zur Veränderung der Rollen der eigenen Mitarbeiter entwickeln, denn die Steuerung und Koordination der intern vorhandenen und der extern bezogenen Services wird immer wichtiger. Auch die Auswahl der passenden Virtualisierungs- und Cloud-Komponenten, die ohne Lock-in auskommen, rückt immer stärker in den Mittelpunkt. Openstack, ein linux-basiertes Open-Source-Cloud-Projekt, das von der Openstack Foundation initiiert wurde und eine Infrastructure-as-a-Service-Plattform (IaaS) bereitstellt, wird in diesem Umfeld weiterhin eine herausragende Rolle spielen.
IT-DIRECTOR: Wann ist für Großunternehmen die Private, wann die Public Cloud interessant?
F. Bijlsma: Private Clouds erlauben den agilen und effizienten Betrieb in einer für das eigene Unternehmen isolierten Umgebung. Durch eine konsolidierte Infrastruktur und eine Einbindung in das Servicemanagement können Unternehmen damit sehr agile Infrastrukturen erstellen. In vielen Umgebungen lässt sich eine Cloud-Lösung so optimieren, dass sie sehr kostengünstig betrieben werden kann. Ergänzend dazu ermöglichen Public Clouds den Unternehmen, gänzlich neue Anwendungsszenarien für einzelne Fachabteilungen aufzubauen. Bei Big Data etwa werden für Pharma-Unternehmen manche Einsatz- und Auswertungsszenarien erst durch die Verwendung einer „kostengünstigen“ und skalierbaren Recheninfrastruktur in der Cloud möglich. Daher wird auch die Zahl der Community-Cloud-Angebote für spezielle Use-Cases deutlich zunehmen. Public Clouds im Generellen bieten naturgemäß einen sehr schnellen Zugang zu einer Vielfalt von standardisierten Diensten wie IaaS, PaaS und SaaS, die Unternehmen kontinuierlich mit dem eigenen IT-Portfolio abgleichen und verknüpfen sollten.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielt die Hybrid Cloud? Welche Möglichkeiten bietet sie den Großunternehmen?
F. Bijlsma: Viele Unternehmen sehen eine Hybrid Cloud als Einstieg, um die Potentiale privater und öffentlicher Clouds optimal nutzen zu können. In einer Hybrid Cloud betreibt ein Unternehmen die Cloud-Infrastruktur teils im eigenen Rechenzentrum und teils in einer öffentlichen Cloud. Hybrid Clouds, die heterogene interne und externe Ressourcen umfassen, erfordern einen offenen Ansatz wie ihn etwa Red Hat mit seinen Lösungen für eine Open Hybrid Cloud ermöglicht.
Die Applikationen und Services in einer Hybrid-Cloud-Infrastruktur lassen sich mit einer Cloud-Management-Plattform, abgekürzt CMP, von einer Private in die Public Cloud und umgekehrt verlagern. Mit einer CMP können Administratoren die internen und externen Virtualisierungs- und Cloud-Ressourcen steuern und den Workloads zuweisen. Die CMP muss in der Lage sein, die zentralen Basistechnologien von den Amazon Web Services über lokale Cloud-Angebote, die KVM-basierte Virtualisierung bis zu Openstack und VMware zu integrieren und zu verwalten. Durch Verbindung einer solchen Cloud-Management-Plattform mit einem intern bereits genutzten ITIL-Tool, beispielsweise einer Ticketing-Software, lassen sich Geschäftsanforderungen schnell auf jeglicher virtuellen Infrastruktur umsetzen, egal ob isoliert in der Private Cloud oder einer Hybrid Cloud.
IT-DIRECTOR: Wann ist der Einsatz einer Hybrid Cloud sinnvoll? Was gibt es für konkrete Anwendungsszenarien?
F. Bijlsma: Die Hybrid Cloud ermöglicht die Nutzung unterschiedlicher Server-, Storage- und Netzwerkressourcen. Mithilfe einer Cloud-Management-Plattform sorgt das Hybrid-Cloud-Modell für eine bessere Übersicht über vorhandene interne Virtualisierungsumgebungen und ermöglicht einem Unternehmen darüber hinaus, IT-Ressourcen und IT-Services in verschiedensten Rechenzentren global mit kurzfristigen Abrechnungsmodellen einzukaufen. Damit wird die eigene IT um eine flexible externe Bereitstellung ergänzt. In einem Hybrid-Cloud-Betriebsmodell agiert die IT-Abteilung als Broker von IT-Ressourcen, der für eine angeforderte Ressource das richtige Profil aus einem Pool interner und externer Provider auswählen kann.
IT-DIRECTOR: Mit welchem Aufwand ist bei der Migration zu rechnen?
F. Bijlsma: Mit dem Aufbau einer Cloud-Management-Plattform als erstem Schritt sollten in den Unternehmen vorhandene Virtualisierungsumgebungen und Private Clouds gemeinsam verwaltet und die Aufgaben, wo immer möglich, automatisiert werden. Nach der Implementierung einer weitreichenden Cloud-Management-Plattform ist der Schritt zu einer Hybrid Cloud dann vergleichsweise einfach möglich. Entscheidend dabei ist, die Cloud- und Virtualisierungsinfrastrukturen einheitlich verwalten zu können, anstatt zusätzliche, isolierte Clouds und Virtualisierungssilos aufzubauen, die später nicht mit der traditionellen IT integrierbar sind.
IT-DIRECTOR: Wie lässt sich der Datentransport in einer Hybrid Cloud bewältigen – also etwa von der Private- in die Public-Cloud-Umgebung oder umgekehrt?
F. Bijlsma: Softwarebasierte Infrastrukturservices für Storage- und Netzwerkumgebungen bieten dafür die besten Voraussetzungen. Sie lassen sich grenzüberschreitend zwischen Private und Public Clouds verschieben und können dabei unabhängig von der tatsächlichen physischen Anordnung überall mit denselben Daten arbeiten.
IT-DIRECTOR: Wie behalten Unternehmen den Überblick, wer welche Daten in die Private- und wer welche Informationen in der Public-Umgebung einer Hybrid Cloud ablegt?
F. Bijlsma: Eine Cloud-Management-Plattform bietet das Abstraktionslevel eines „Managers of Managers“ für virtuelle und Cloud-Plattformen. Unternehmen erzielen damit eine größere Transparenz und Kontrolle über vorhandene heterogene Infrastrukturen und können Services neu kombinieren und bereitstellen. Darüber hinaus sind sie in der Lage, anspruchsvolle Datenqualitäts- und -sicherheitsstufen in diese übergeordnete Instanz einzupflegen, und sie gewährleisten damit auch eine Sicherstellung von Compliance-Anforderungen.