Karl-Heinz Schoo, Leiter der Business Unit UCC bei der Also Deutschland GmbH
IT-DIRECTOR: Herr Schoo, welchen Stellenwert besitzt die telefonische Kommunikation in deutschen Großunternehmen aktuell im Vergleich zu anderen Kanälen wie E-Mail, Instant Messaging oder sozialen Netzwerken?
K. Schoo: Einer der wesentlichen Vorteile von UC ist die einheitliche Verfügbarkeit von allen genannten Kommunikationswegen. Der Anwender entscheidet im Moment des Bedarfs, über welchen Weg er die andere Person kontaktieren möchte, anhängig von deren Präsenzstatus. Meine Kinder erreiche ich beispielsweise viel schneller über SMS (Whatsapp) als über einen Anruf per Telefon. Das Smartphones auch telefonieren können ist für die Generation der „Digital natives“ nicht wichtig.
Diese Geräte werden für einen mobilen Internetzugang, Facebook, Whatsapp, Youtube, Google und andere Dienste gebraucht. Allerdings sind die Mehrzahl der Anwender in deutschen Unternehmen keine „Digital Aborigines“ und greifen viele Male am Tag gern zum Telefonhörer. Kurz gesagt: gleichberechtigt.
IT-DIRECTOR: Blickt man auf aktuelle UC-Projekte - auf welche Art und Weise telefonieren die Mitarbeiter bevorzugt: mit Software-UC-Client (Softclient) und Headset, mit klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
K. Schoo: In den meisten Projekten sind „normale“ Telefone angefragt, als Cross-Selling-Möglichkeit werden bevorzugt Headsets mitangeboten, entweder im preisgünstigen Bereich oder als „Ready for the future“-Variante inklusive der Verbindungsmöglichkeit zu PC, Festnetz und Mobile. UC-Softclient werden selten nachgefragt, Headset sehr oft, da diese bequem sind und unabhängig von Telefon, Notebook oder Smartphone funktionieren. Die Nachfrage nach dem klassischen Telefon liegt jedoch bei mehr als 80 Prozent.
IT-DIRECTOR: Welche Vor- und Nachteile sprechen für die Nutzung von Headsets beziehungsweise von IP-Telefonen?
K. Schoo: Vorteile des Headset: Hände frei beim Telefonieren, Effektivität, Entspanntheit, Ergonomie.
IP-Telefone können ans IP-Netz (LAN) angeschlossen werden. Wenn man also keine Telefonleitungen im Unternehmen verlegen will, spart das Investitionen. Aber ob ein Telefon klassisch (2- oder 4-Draht-Telefonleitung bis zum Schreibtisch bzw. Arbeitsplatz) angeschlossen wird, ist für die Verwendung bzw. für den Anwender völlig egal. Es gibt keine Vor- oder Nachteile. Es gibt auch mittlerweile kaum Unterschiede in den Leistungsmerkmalen oder Preisen.
IT-DIRECTOR: Wie wichtig ist den Anwenderunternehmen das Design der IP-Telefone? Wie wichtig die Ergonomie?
K. Schoo: Es gibt in Deutschland eine ausgeprägte Vorliebe für deutsches bzw. europäisches Design, welches die Marktführer Aastra, Alcatel Lucent und Siemens Enterprise Communications mit vielen Geräten treffen. Andere Hersteller aus Asien oder USA haben es mit anderen Designs schwerer sich am Markt durchzusetzen.
IT-DIRECTOR: Wie ist es generell um die Sprachqualität bei Unified Communications bestellt? Welchen Einfluss haben die eingesetzten UC-Endgeräte auf die Sprachqualität?
K. Schoo: Die eingesetzten UC-Endgeräte nehmen großen Einfluss auf die Sprachqualität, gerade wenn beide Gesprächsteilnehmer z.B. über HDSP-Endgeräte verfügen. Moderne Headsets arbeiten zum Beispiel im Wide Band Modus störungsfreier und reduzieren Störgeräusche bei Netzschwankungen deutlich.
Noise-Cancelling-Mikrofone filtern zusätzlich Umgebungsgeräusche heraus, und finden ihren Einsatz insbesondere dort, wo vertrauliche Daten verbal übermittelt werden (etwa bei Banken, Versicherungen, Callcenter, Behörden). Weiterhin führt der Einsatz dieser Geräte zu einer aktiven Reduzierung der Arbeitsumgebungsgeräusche.
IT-DIRECTOR: Welche Merkmale und Funktionalitäten sollten IP-Telefone für den Business-Einsatz auf jeden Fall aufweisen können? Auf welche Features können Anwender in der Regel eher verzichten?
K. Schoo: Es gibt mittlerweile kaum Unterschiede in den Leistungsmerkmalen. Bei den marktführenden Herstellern gibt es meist beide Varianten (klassisch oder IP) mit gleicher Leistungsfähigkeit. Von Low-End-IP-Endgeräten mit wenig Leistung, die allein über den Preis verkauft werden, raten wir ab. Der Sprache ist es egal, ob sie über TDM oder IP-Leitungen transportiert wird.
IT-DIRECTOR: Über welche Zertifizierungen bzw. Standards sollten die UC-Endgeräte verfügen?
K. Schoo: Headsets im UC-Umfeld sollten möglichst für die spezielle Software-Anwendung (etwa Microsoft Office) zertifiziert sein.
IT-DIRECTOR: Welche Unterschiede hinsichtlich der Anschaffungs- und Betriebs-/Wartungskosten gibt es zwischen Headset, klassischem oder schnurlosem IP-Telefon?
K. Schoo: Sowohl bei Telefonendgeräten als auch bei Headsets gilt: je komfortabler und umfassender die Leistungsmerkmale desto höher der Anschaffungspreis. Wie bei Telefonen sollte man allerdings auch bei der Nutzung von Headsets daran denken, dass durch direkten Haut-, Haar- und Mikrofonkontakt diese Arbeitsmittel wie ein Hygiene-Artikel zu betrachten sind und jeder Mitarbeiter sein eigenes Headset/Telefon nutzen sollte.
Ein Telefon bedarf in der Regel keiner Wartung. Die Systeme dahinter werden gewartet, Firmware Updates, usw. Telefone werden zumeist auch nicht mehr repariert. Defekte Hörer werden ausgetauscht und Schnurlostefefone erhalten einen neuen Akku. Bei einem Ausfall oder Defekt werden sie entsorgt und gegen ein Neues ersetzt.
IT-DIRECTOR: Wie sieht die Lebensdauer von Headphones bzw. IP-Telefonen aus – insbesondere im Verhältnis zu anderen im Unternehmen vorhandenen Hardwarekomponenten?
K. Schoo: Bei vernünftigem Umgang und Wartung – sprich gelegentlichem Austausch von Ohrpolstern und Mikrofonaufsätzen oder dem Wechsel von Voicetubes – halten Headsets länger als die Entwicklung neuer Headset-Techniken voranschreitet. Gute schnurlose Headsets-Systeme erfahren heute regelmäßige Software-Updates und Anpassungen an die ebenfalls weiterentwickelten Softclients. Aufwendige Einzelplatz-Updates nehmen dank Verbreitung von zentral aufspielbaren Software-Updates ab und sorgen dadurch auch für mehr Akzeptanz bei den IT-Systemadministratoren, denen die Telefonie oft als Add-on überantwortet wird.