Hanspeter Meindl, Business Consultant bei Apriso
IT-DIRECTOR: Herr Meindl, was versteht man unter Manufacturing Intelligence?
H. Meindl: Manufacturing-Intellligence-Software gewährt eine detaillierte Einsicht in die Produktion, in Maschinen- und Personalaktivitäten. Sie erleichtert außerdem die unternehmensweite Verteilung dort gewonnener Daten sowie die Synchronisierung von Produktionsprozessen. In Echtzeit lassen sich Abläufe in der Fertigung mit den Produktionsplänen abgleichen. Das steigert die Produktions- und Lieferkettenleistung. Manufacturing Intelligence ist folglich ein Teilbereich von Manufacturing Execution Systems (MES).
IT-DIRECTOR: Für welche Unternehmen lohnt sich der Einsatz von MES und Manufacturing Intelligence?
H. Meindl: Hauptsächlich für Konzerne mit vielen Standorten. Ein Beispiel erläutert dies: Nehmen wir einen Automobilzulieferer, der Motoren fertigt. 600 Stück gehen täglich vom Band, jedes einzelne besteht aus hunderten von Teilen. Pro Motor müssen 70 Qualitäts-Checks erledigt werden. Rund um die Uhr läuft die Fertigungsstraße, in 80 verschiedenen Produktionshallen weltweit. Daraus resultiert neben Komplexität auch ein beträchtliches Datenvolumen. Diese Daten gilt es, die nächsten zehn Jahre zu archivieren und für Analysen und Audits verwertbar zu halten. Unternehmen wie dieser Motorenproduzent benötigen daher detaillierte Echtzeiteinblicke in Produktionsabläufe. Ohne dieses Wissen drohen Lieferengpässe, brachliegende Fertigungsstraßen, fehlerhafte Produkte und unzufriedene Kunden.
IT-DIRECTOR: Was muss die Software bei diesen Firmen leisten?
H. Meindl: Eine große Herausforderung für Hersteller ist es, Dutzende von Produktionsstandorten zu steuern und genau zu wissen, was in jeder Werkshalle vor sich geht. MES-Lösungen sind näher an der Maschinenebene angesiedelt, als ERP. Daher lassen sich sehr detaillierte Daten über Maschinen- und Personalaktivitäten gewinnen. Darüber hinaus ermöglicht Manufacturing Intelligence, Prozesse auch standortübergreifend zu betrachten, zu vergleichen und im nächsten Schritt zu optimieren. Dazu liefert die Software standardisierte Schnittstellen zu ERP und BI und hunderte von KPI-Analysen.
Konzerne müssen gleichzeitig so flexibel sein, dass sie auf lokale Veränderungen reagieren können. Die Rede ist von Kundenanforderungen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Marktsituation. Mit Manufacturing Intelligence können Hersteller ihre Produktion und alle Analysen schnell darauf einstellen – weltweit und unabhängig von der Zahl der Produktionsstandorte.
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