Klaus Kupfer, Senior Systems Engineer bei Nimble Storage
IT-DIRECTOR: Im Rechenzentrumsumfeld gab es insbesondere im Storage-Bereich zuletzt zahlreiche neue Errungenschaften. Zu nennen sind beispielsweise Flash-Speicher, Solid State Disks (SSD) und (Hyper-)Konvergenz. Was halten Sie von diesen Neuerungen? Worin liegen die wichtigsten Vorteile für die Endkunden?
K. Kupfer: Der größte Vorteil von Flash-Speicher und Solid State Disk (SSD) ist der schnellere Datenzugriff im Vergleich zu traditionellen festplattenbasierten Speichersystemen. Dies ist bei immer höheren Virtualisierungsgraden und aktuellen Anforderungen an Geschwindigkeiten unverzichtbar.
(Hyper-)Konvergenzlösungen versprechen u.a. einfache Implementierung und Erweiterung der Umgebungen. Hyperkonvergente Lösungen sind aus unserer Sicht für fest definierte homogene Applikationen am Besten geeignet, z.B. Desktop-Virtualisierung, Webserver oder Außenstellen. Diese können dann in fest definierten Schritten einfach erweitert werden. In heterogenen Umgebungen, wo mal mehr Speicher und mal mehr CPU-Ressourcen benötigt werden, bieten konvergente Lösungen die maximale Flexibilität gepaart mit der o.g. einfachen Implementierung. Als Beispiel sind hier die Smart-Stack-Lösungen von Cisco und Nimble zu nennen.
Flash-Speicher bieten zwei große Vorteile, nämlich mehr Geschwindigkeit und die Verwaltung wird einfacher. Bei der Hyperkonvergenz gilt die Erweiterbarkeit nur für homogene Umgebungen. Aus unserer Sicht ergeben sich daraus Vorteile für große Unternehmen, die einzelne Applikationen laufen lassen wie Facebook, Salesforce etc.
IT-DIRECTOR: Welche dieser neuen Speichertechnologien haben das Zeug dazu, sich auf lange Sicht bei den Anwenderunternehmen zu etablieren? Bei welchen handelt es sich eher um „heiße Luft“?
K. Kupfer: Die Flash-Technologie wird bereits umfangreich eingesetzt und hier gibt es große Wachstumsschübe von Jahr zu Jahr. Bei der Hyperkonvergenz muss die Technologie noch die Anwendbarkeit in heterogenen Umgebungen unter Beweis stellen, bislang ist Hyperkonvergenz nur in virtualisierten, homogenen Umgebungen sinnvoll. Konvergente Lösungen, die eine deutliche höhere Flexibilität aufweisen, machen schon einen erheblichen Anteil z.B. des Umsatzes von Nimble Storage aus.
IT-DIRECTOR: Welchen Einfluss nehmen die aufgezählten Speichertechnologien auf „Nachbardisziplinen“ wie IT-Sicherheit oder Backup und Hochverfügbarkeit?
K. Kupfer: Der Kunde erwartet zurecht, dass er die Vorteile der Speichersysteme auch für alle drei Themen bekommt. Ein Speichersystem sollte also genauso die IT-Sicherheit verbessern wie das Backup oder die Hochverfügbarkeit.
IT-DIRECTOR: Inwieweit besitzen althergebrachte Speicherlösungen wie Magnetbänder in der Anwenderpraxis noch ihre Berechtigung?
K. Kupfer: Das Tape lebt weiter und wird noch lange leben. In einigen Szenarien zur Langzeitaufbewahrung ist es immer noch das wirtschaftlichste Medium im Markt. Natürlich hat sich über die Jahre hinweg einiges geändert, beispielsweise im Backup, früher wurde es nur auf Bändern gespeichert. Generell lässt sich sagen, dass die Bedeutung von Magnetbändern in der Produktion abnimmt und sich auf spezifische Aufgaben wie eben der Langzeitaufbewahrung von Daten entwickelt.
IT-DIRECTOR: Traditionelle Speicherlandschaften werden zunehmend um neue Flash-Lösungen ergänzt. Was genau können sich Anwenderunternehmen von diesem Einsatz versprechen?
K. Kupfer: Viele dieser Storage-Architekturen eignen sich nicht für Flash. Wenn Speichersysteme für Disk entworfen wurden, können sie die Vorteile von Flash nur unzureichend ausreizen. Deshalb nützt es vielen Unternehmen eher wenig, es sei denn die bestehenden Speicherlandschaften sind für Flash-Speicher optimiert. Nur dann ist die Ergänzung sinnvoll und funktioniert auch ohne größere Probleme. In allen anderen Fällen ist davon eher abzuraten.
IT-DIRECTOR: Worauf sollte man beim Umstieg bzw. bei der Migration auf Flash-Speichersysteme besonders achten?
K. Kupfer: Grundsätzlich muss die Infrastruktur auf den erwarteten Geschwindigkeitszuwachs vorbereitet sein, damit keine Flaschenhälse entstehen und alles reibungslos abläuft.
IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Praxis: Welche Services und Themen werden derzeit seitens der Anwenderunternehmen im Bereich der RZ-Infrastrukturen besonders nachgefragt?
K. Kupfer: Wir erhalten zumeist Anfragen, die auf drei Kernthemen abzielen: Hochverfügbarkeit, Geschwindigkeit und Applikationsintegration. Unternehmen müssen ihren Kunden hochverfügbare Services anbieten, die stabil laufen, im Fachjargon wird das „Six Nines“ also 99,9999 Prozent Verfügbarkeit genannt.
Darüber hinaus müssen Anwendungen und Daten immer schneller bearbeitet werden können, dazu haben wir auch eine App-Data-Gap-Studie veröffentlicht. Teilweise verlieren Mitarbeiter in diesen Unternehmen bis zu zehn Minuten am Tag, weil Daten und Anwendungen nicht schnell genug verfügbar sind. Applikationsintegration ist ein wichtiges Thema, wenn wir über SAP-, CRM-Systeme oder spezielle Anwendungen nachdenken, die Unternehmen für ihre täglichen Geschäftsprozesse benötigen. Hier steigen die Anforderungen an die IT-Systeme laufend durch immer komplexere Programm-Features.