29.11.2016 Edge Computing als neuer Trend

Welche Rolle spielen Rechenzentren für das IoT?

Das Internet of Things (IoT) ist ein wesentlicher Treiber für das Wachstum von Rechenzentren, unterstreicht Christian Kallenbach von Verne Global.

Christian Kallenbach, Verne Global

Christian Kallenbach, Director of Business Development Europa bei Verne Global

IT-DIRECTOR: Herr Kallenbach, welche Rolle spielen Rechenzentren im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT)?
C. Kallenbach:
Mit dem IoT steigt die Vielfalt der Applikationen und damit auch die Datenmengen, die erzeugt werden. Um dieser Mengen Herr zu werden und die Daten zu analysieren, sind Rechenzentren und deren verfügbare Kapazitäten die Basis. Das Internet der Dinge ist also ein wesentlicher Treiber für das Wachstum von Rechenzentren.

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise lassen sich IoT-Konzepte wie „Fog Computing“ und „Edge Devices“ zum einen technologisch in vorhandene IT-Infrastrukturen und zum anderen organisatorisch in die übergeordneten RZ-Strategien der Unternehmen einbinden?
C. Kallenbach:
Prinzipiell ist eine Einbindung in bestehende Infrastrukturen problemlos möglich. Hinsichtlich der Rechenzentrumsstrategien von Unternehmen lässt sich klar erkennen, dass der Trend hin zur flexiblen Bereitstellung von Rechenleistung geht. In diesem Zuge werden auch die Nutzung der Cloud und Technologien wie Openstack immer beliebter.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Fog Computing und Edge Devices software-seitig am besten in IT-Management- bzw. Data-Center-Infrastructure-Management-Systeme einbinden? Welche Herausforderungen gibt es?
C. Kallenbach:
Pauschal lassen sich diese Fragen nicht beantworten. Die Implementierung erfolgt auf Basis der jeweiligen Gegebenheiten und kann demnach von Fall zu Fall ganz anders aussehen. An oberster Stelle stehen aber immer Schnelligkeit und Flexibilität, um das System aufzusetzen.

IT-DIRECTOR: Dank Fog Computing sollen sich künftig viele kleine lokale Rechenzentren etablieren. Inwiefern hätten sogenannte "Super-Rechenzentren" – wie sie zuletzt beispielsweise in Skandinavien entstanden – überhaupt noch eine Berechtigung?
C. Kallenbach:
Auch künftig wird es Applikationen geben, die einen hohen Strombedarf und geringe Anforderungen an Latenzzeiten haben. Für solche Anwendungen sind große Rechenzentren ideal – und werden deshalb auch in Zukunft Bestand haben. Gerade in den nordischen Ländern wie Schweden, Finnland oder Island sind die Standortbedingungen und Kostenvorteile optimal, um Strom- und kostenintensive Anwendungen auszulagern.

IT-DIRECTOR: Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung sind ein alter Hut, wenn es um Kühl- und Klimakonzepte im Rechenzentrum geht. Welche neuen Errungenschaften haben in puncto Kühlung das Potential, sich auf lange Sicht ähnlich erfolgreich durchzusetzen?
C. Kallenbach:
Besteht die Möglichkeit, Teile des eigenen Rechenzentrums auszulagern, bietet der hohe Norden mit freier Kühlung optimale Bedingungen, Energie zu sparen. Im Vordergrund stehen immer mehr Konzepte zur Nutzung von natürlichen Ressourcen. Technologien wie die adiabatische Kühlung sowie der Einsatz von Wärmetauschern sind somit immer beliebter. Neben einer energiesparenden Kühlung werden in letzter Zeit auch Diskussionen um Abwärmenutzung immer lauter, wodurch sich an anderer Stelle wiederum Heizenergie einsparen lässt.

IT-DIRECTOR: Klimaanlagen zählen zu den größten Energie- und damit Kostenfressern in Rechenzentren. Inwieweit lassen sich die Stromkosten durch eigens im Rechenzentrum erzeugte Energie (z.B. Blockheizkraftwerk, Photovoltaik etc.) senken?
C. Kallenbach:
Inwiefern sich Kosten durch selbst erzeugt Energie senken lassen, ist stark vom Standort des jeweiligen Rechenzentrums abhängig. In Ländern wie Deutschland steigt die Relevanz dieses Themas aufgrund der hohen Strompreise. Schaut man sich andere Länder wie Finnland oder Island an, belaufen sich die Strompreise auf ein Drittel. Zusätzlich erzeugt Island seinen Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Energien.

IT-DIRECTOR: Inwieweit gibt es bereits Praxisbeispiele, bei denen regenerative Energien von den Rechenzentren selbst produziert werden?
C. Kallenbach:
Was derzeit vor allem genutzt wird, ist die Abwärme der Rechenzentren, um damit zu heizen. In Zukunft werden sich diesbezüglich weitere Technologien entwickeln.

IT-DIRECTOR: Beziehen RZ-Betreiber den benötigten Strom von Energieversorgern: Inwiefern lassen sich Rechenzentren (ausschließlich) mit Ökostrom betreiben?
C. Kallenbach:
Rechenzentren können durchaus ausschließlich mit erneuerbaren Energie betrieben werden. Vorreiter ist hier Island mit 100 Prozent regenerativem Strom aus Wasserkraft und Geothermie.

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