Energieeffizienz im Rechenzentrum

Weniger Strom, mehr Power im Netz

Geschickt eingesetzt, kann auch das Netzwerk seinen Beitrag zu einer energieeffizienteren IT leisten.

Allied Telesis

Die Stromversorgung einzelner Ports kann automatisch heruntergefahren werden.

An Tricks und Technologien, mit denen das eigene Rechenzentrum auf grün getrimmt werden kann, mangelt es nicht. Neue Kühlsysteme, verbesserte Möglichkeiten der dynamischen Serverkonsolidierung und energieeffizientere Virtualisierungstechniken können den Stromverbrauch erheblich reduzieren.

Bei der eigentlichen Netzwerkinfrastruktur rund um Router und Switches lassen sich die Einsparpotentiale dagegen weniger leicht auf eine einzige Technologie zurückführen. Hier sind es eher geschickte Kombinationen aus einzelnen kleinen Prozessen, die in der Summe zu Einsparungen führen. So haben sich Switches in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt und sind heute mit sehr stromsparenderen Komponenten bestückt. Zudem gelang es einzelnen Herstellern, Funktionen zu implementieren, mit denen die Stromversorgung einzelner Ports automatisch heruntergefahren werden kann. Dies bietet sich beispielsweise an, wenn dort keine Steckverbindung erkannt wird oder aber über einen längeren Zeitpunkt kein Traffic messbar ist. Zudem lassen sich ganze Teilbereiche des Equipments automatisiert in den Standby-Betrieb schalten, etwa wenn dieses in der Nacht nicht benötigt wird.

Auch auf dem Gebiet der Netzwerkarchitektur zeichnen sich bestimmte Ansätze durch ihren relativ niedrigen Stromverbrauch aus. Active-Active-Netzaufbauten für Hochverfügbarkeit beispielsweise gehören zu den energieeffizienten Konfigurationen. Dabei wird von zwei unabhängigen Knoten aus zum Beispiel auf eine replizierte Datenbank zugegriffen. Das dabei im Normalfall genutzte Load Balancing sorgt für einen relativ moderaten Stromverbrauch. Im Fall eines Ausfalls kann trotzdem die komplette Last von einem einzigen Switch übernommen werden.

Das intelligente Haus

Ein ähnliches Potential bieten die Möglichkeiten der Power-over-Ethernet-Technologie (PoE). Diese bietet stromsparsame und gleichermaßen praktische Möglichkeiten. So lassen sich Geräte wie Videokameras und Telefone auch ohne eigenen Stromanschluss mit Energie versorgen. Darüber hinaus kann PoE aber auch gezielt dafü genutzt werden, die Energiezufuhr nachts zu kappen.

Ein Beispiel: In einer Firma kommunizieren die rund 200 Angestellten über eine moderne VoIP-Telefonanlage. Jedes Telefon verbraucht dabei zwischen zwei und sieben Watt Leistung pro Tag – auch wenn es gar nicht genutzt wird. Ein solcher Betrieb könnte die Power-over-Ethernet-Technologie nutzen, um nicht benötigte Geräte über Nacht auszuschalten. Zwischen acht Uhr am Abend und sieben Uhr am Morgen sowie am Wochenende wäre es damit technisch überhaupt kein Problem, die Leitungen abzuschalten. Ein Unternehmen dieser Größe könnte innerhalb eines Jahres rund 9.000 Kilowattstunden Strom sparen. Aktuell beträgt die Ersparnis dadurch rund 1.800 Euro.

Ihr volles Potential spielen solche Lösungen aus, wenn sie in ein Gebäudemanagementsystem eingebunden sind. Das „intelligente Haus“ erkennt dann selbständig, welche Räume unbenutzt sind und schaltet die dort vorhandenen Geräte selbständig ab. Noch sind solche Funktionen eher die Ausnahme und vorrangig in „Muster-Büros“ installiert. In Zukunft könnten solche Installationen allerdings zur üblichen Gebäudeausstattung gehören.

Eine weitere große Chance für Energieeinsparungen bieten die Möglichkeiten der Netzwerkkonsolidierung. Diese ist eng mit der Virtualisierung verbunden: Die Mehrheit der Server und Desktops sind weniger als 15 Prozent der „Online-Zeit“ tatsächlich im Einsatz und verbrauchen dabei ungefähr 90 Prozent der Energie einer typischen IT-Ausstattung. Hier bietet Virtualisierung die Chance, physische Server in Datencentern gezielter für die gewünschten Aufgaben einzusetzen und den Stromverbrauch zu reduzieren. Zu einem ideal virtualisierten System gehört ein nicht minder schlankes Netzwerk. Geschickt eingesetzt bringt eine solche Lösung neben Kosteneinsparungen durch gemeinsam genutzte Geräte auch ein hohes Energiesparpotential. So verrichten die meisten Netzwerke lediglich bei rund fünf Prozent der insgesamt möglichen Last ihren Dienst. Damit aber gehören sie zu den großen Kostenfaktoren in den Bereichen Strom, Kühlung, bei der eigentlichen Infrastruktur, der Verkabelung und dem Administrationspersonal.

Auch in dieser Hinsicht spielt ein Active-Active-Netzwerk seine Stärken aus und verbraucht nur etwas mehr als die Hälfte des Stroms, der bei einer klassischen Architektur mit redundanten Komponenten anfällt. Auch der wesentlich geringere Aufwand für die Kühlung der unterschiedlichen Elemente kommt der Umwelt und dem Budget gleichermaßen zu gute. Das Netz der Zukunft ist virtuell, konsolidiert und mit effizienten Power-Managementsystemen ausgestattet. Das gibt Geschäftsanwendern die Möglichkeit, den Energieverbrauch effizienter zu verwalten und zugleich den Betrieb wesentlich zu vereinfachen. Abgesehen von niedrigeren Stromkosten ist es besonders durch diesen Faktor möglich, den Return on Investment innerhalb kurzer Zeit zu erreichen.

* Der Autor, Christian Schwaiger, ist Geschäftsführer von Allied Telesis für Deutschland und die Schweiz.

Bildquelle: Allied Telesis

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