Wahl des Providers

Wer ist der Richtige?

Wie können Qualitätsanforderungen beim Cloud Computing erfüllt und die Sicherheit der Daten gewährleistet werden? Gerade hier gibt es große Unterschiede bei den Dienstleistern. Worauf sollten Unternehmen bei der Wahl des Providers also achten?

Dr. Ferri Abolhassan, T-Systems

Dr. Ferri Abolhassan, in der Geschäftsführung von T-Systems verantwortlich für den Bereich Production

Cloud Computing ist für deutsche Unternehmen 2012 der wichtigste Technologietrend: In einer aktuellen Bitkom-Studie erklärten 66 Prozent der Befragten Cloud Computing zum Topthema, gefolgt von Mobile Computing. Die Cloud steht demnach bei den IT-Verantwortlichen ganz oben auf der Agenda. Gründe hierfür sind das stetig ansteigende Volumen und die zunehmende Komplexität an Unternehmensinformationen – Stichwort Big Data. Doch die Wolke stellt Unternehmen auch immer wieder vor Herausforderungen, denn es herrscht noch viel Skepsis gegenüber der Datensicherheit und Datenverfügbarkeit beim Cloud Computing.

Auf der Hand liegt: Cloud Computing bietet Anwendern insbesondere wirtschaftliche Vorteile. Sie vermeiden unnötige IT-Investitionen und nutzen Kapazitäten nur nach dem jeweiligen Bedarf. Darüber hinaus profitieren Unternehmen von einer schnellen Implementierung und Anpassung der IT-Infrastrukturen, einer erhöhten Skalierbarkeit sowie einem ortsunabhängigen Zugriff auf Applikationen wie SAP-Lösungen oder auf Unternehmensdaten. Letzteres unterstützt Unternehmen nicht nur hinsichtlich der wachsenden Zahl mobiler Mitarbeiter, sondern ermöglicht gleichzeitig auch eine bessere teamübergreifende Zusammenarbeit. So können Mitarbeiter von unterschiedlichen Standorten aus gemeinsam an Dokumenten arbeiten.

Eine hohe Qualität der Services versprechen alle Cloud-Dienstleister. Doch gerade hier sollten Unternehmen bei der Wahl des richtigen Partners die Augen offen halten: Selbst eine in den Service Level Agreements garantierte Verfügbarkeit von 99,95 Prozent erlaubt dem Provider eine mögliche Ausfallzeit von mehr als vier Stunden im Jahr. Das kann eine Firma teuer zu stehen kommen. Laut einer Aberdeen-Studie kann die Ausfallzeit aufgrund unzureichend abgesicherter Rechenzentren in einem Unternehmen jährlich einen Schaden von mehr als 2,8 Mio. Dollar verursachen. Die technologische Basis gilt es demnach besonders zu prüfen. Denn diese trägt hauptsächlich dazu bei, dass Daten und Netzwerke hochverfügbar und geschützt sind. Vor allem Komponenten, die innerhalb eines Systems nur einmal vorkommen, implizieren ein großes Ausfallpotential.

Als besonders zuverlässig gilt ein Twin-Core-Ansatz, bei dem alle kritischen Systeme sowie Daten in einem zweiten Rechenzentrum gespiegelt werden. „Bei einem möglichen Ausfall in einem der Rechenzentren übernimmt der Zwilling automatisch und ohne Unterbrechung den Betrieb. Die Business Continuity kann also gewahrt werden“, erläutert Dr. Ferri Abolhassan, in der Geschäftsführung von T-Systems verantwortlich für den Bereich Production. T-Systems selbst verfügt inzwischen über 22 solcher ausfallsicheren Twin-Core-Rechenzentren und hat die Anzahl seit 2008 mehr als verdoppelt. Aber damit ist es nicht getan, so Abolhassan: „Weitere Grundvoraussetzungen sind natürlich ein umfassender Desaster-Recovery-Plan und eine sichere Anbindung der Rechenzentren nach außen. Andernfalls kann ein Provider keine Hochverfügbarkeit gewährleisten.“

Eine genaue Prüfung der technologischen Expertise des Dienstleisters kann sich für Unternehmen lohnen. „Sind die richtigen Voraussetzungen gegeben, können sogar tatsächliche Hochverfügbarkeiten von 99,999 Prozent realisiert werden. Das entspricht einer Ausfallzeit von lediglich fünf Minuten im Jahr“, ergänzt Abolhassan. Das Zero Outage Computing ist also keine reine Wunschvorstellung mehr.

Zusätzlich zur technologischen Ebene bedarf es der Berücksichtigung weiterer Kriterien, damit dem Schutz und der Verfügbarkeit von Informationen Rechnung getragen wird. Denn eine End-to-end-Strategie ist das Fundament einer wirtschaftlichen Cloud. Es reicht nicht aus, sich nur auf die technischen Komponenten zu verlassen. So muss ein Provider z.B. auch auf physischer Ebene entsprechende Vorkehrungen treffen: u.a. durch eine Stromausfallsicherung und sorgfältige Sicherheitsmaßnahmen für den Zugang zum Rechenzentrum. Darüber hinaus gilt es, organisatorische Aspekte der Unternehmen selbst bei der Planung einer Cloud-Strategie zu berücksichtigen. Ein Rollen-, Rechte- und Identitätsmanagement muss ebenso selbstverständlich sein wie Verschlüsselungstechnologien, etwa durch ­Einmalpasswörter für den Zugriff auf Firmeninformationen. Denn: Cloud Computing führt in Unternehmen nur dann zu mehr Dynamik und Flexibilität, wenn die spezifischen Anforderungen und Bedingungen im Unternehmen ganzheitlich betrachtet werden.

Ein weiteres bedeutendes Glied in der Kette ist das Qualitätsmanagement. Die Leistungen eines Providers können nur dann auf hohem Niveau sichergestellt werden, wenn ein entsprechendes Qualitätsmanagement die Dienstleistungen auch kontinuierlich prüft und innerhalb eines stetigen Prozesses optimiert. „Das Bewusstsein für eine hohe Qualität in der Performance einer Cloud muss bei Providern innerhalb des ganzen Unternehmens fest verankert sein – sowohl in einzelnen Prozessabschnitten als auch bei allen Mitarbeitern. Ein profundes Qualitätsmanagement macht letztlich den entscheidenden Unterschied“, meint Dr. Ferri Abolhassan abschließend.

 

Die Servicemodelle aus der Cloud

Beim Cloud Computing ist immer vom „Auslagern“ die Rede – doch was wird eigentlich ausgelagert?

Infrastructure as a Service (IaaS) – Bedarfsgerechte, individuelle Auslagerung virtueller In­frastruktur wie Rechenleistung, Server oder Speicher – meist mit Abrechnung nach tatsächlicher Nutzung.
Platform as a Service (PaaS) – Bereitstellung einer Entwicklungs- oder Betriebsumgebung (Datenbanken, Middleware) für Applikationen. Von Unternehmen genutzt, um Anwendungskomponenten zu entwickeln und plattformübergreifend zu integrieren.
Landscape as a Service (LaaS) – Ähnlich wie PaaS für Geschäftskunden und Endanwender – ermöglicht zum Beispiel eine minutenschnelle Bereitstellung von SAP-Landschaften über das Internet oder das Hinzuschalten zusätzlicher Systeme bei Lastspitzen über ein Self-Service-Portal.
Software as a Service (SaaS) – Nutzung von Software nach Bedarf; ohne Lizenz- oder Monatspauschalen. Beispielsweise als standardisierte Services wie Desktop- oder Kommunikationsanwendungen ebenso wie als ERP- oder CRM-Anwendung.
Business Process as a Service (BPaaS) – Von dem Analystenhaus Forrester geprägt und am Markt erst nach und nach etabliert: die Abbildung kompletter Geschäftsprozesse in der Cloud wie Buchhaltung, Personal etc.

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