16.08.2017 Intelligente Implantate und Prothesen

Werden wir alle zu Cyborgs?

Einer Studie zufolge sind die Deutschen bereit für intelligente Implantate und intelligente Prothesen. Funktionieren wir dann bald alle als Cyborgs?

Intelligente Implantate

Können wir mittels intelligenter Kontaktlinsen bald im Dunkeln sehen?

Im Rahmen der aktuellen Studie „The Future of Apps“ hat F5 Networks festgestellt, dass 57 Prozent der Deutschen glauben, sie würden zu Lebzeiten nicht ihr volles Potential ausschöpfen. Daher wollen die meisten dies durch technische Hilfsmittel verbessern. Gleichzeitig möchten 71 Prozent der Konsumenten in Europa neue Erfahrungen machen. Diese beiden Gründe führen dazu, dass Apps in den kommenden zehn bis 15 Jahren immer mehr zur Schnittstelle zwischen technischen Systemen und dem menschlichen Körper werden. Damit werden laut Studie die Sinneswahrnehmungen erweitert oder Körperfunktionen optimiert.

„Der Wunsch, die persönliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, ist nicht neu“, stellt die Umfrage fest. „Doch technologische Entwicklungen wie intelligente Implantate, DNA-basierte Behandlungen, hochperformante Prothesen und gedächtnisfördernde Komponenten ermöglichen neuartige Wege zur Eigenoptimierung“, heißt es.

Schon heute gibt es Beispiele für ein solches „Human Enhancement“. Ein Pionier auf diesem Gebiet ist Neil Harbisson, Mitgründer der Cyborg Foundation. Er wurde komplett farbenblind geboren und sieht die Welt nur in Grautönen wie in einem Schwaz-Weiß-Film. Er ließ sich eine Antenne in seinen Kopf einbauen, mit welcher er sichtbare und sogar unsichtbare Farben wie Infrarot und Ultraviolett als Töne hört. Zudem kann er darüber Bilder, Videos, Musik oder Telefonate von externen Geräten wie Smartphones oder Satelliten direkt in sein Gehirn übertragen.

Mikrochip als Gehirnprothese

Desweiteren entwickelt die US-Firma Kernel einen implantierbaren Mikrochip als Gehirnprothese. Er soll die Kommunikation der Gehirnzellen nachahmen, damit Patienten mit Demenz oder Verletzungen des Gehirns wieder ein Langzeitgedächtnis erhalten. Nicht zuletzt sind in Zukunft über 3D-Druck-Technologien viele weitere intelligente Implantate als Körperprothesen oder -erweiterungen möglich. Diese werden laut Studie dann von Apps gesteuert, um die Wahrnehmung und Funktonen des Körpers zu verändern oder zu verbessern. Die Bereitschaft dafür sei heute schon da: So haben in der Studie 48 Prozent der deutschen Teilnehmer ihr Interesse an Kontaktlinsen bekundet, mit denen sie auch im Dunkeln sehen könnten.

„Im ersten Moment klingen viele neue Einsatzszenarien für Human Enhancement abschreckend, doch bei genauerer Betrachtung stecken wir schon mittendrin: durch Herzschrittmacher oder künstliche Hüft- und Kniegelenke“, erklärt Andreas Riepen, Vice President DACH bei F5. „In 15 Jahren wird sich die Situation grundlegend geändert haben. Ich glaube, dass immer mehr Menschen erweiterte, integrierte Technologien nutzen, mit diesen auf neuartige Weise interagieren sowie mit anderen Menschen und der Umwelt kommunizieren. So werden wir alle quasi zu Cyborgs. Doch müssen wir dabei aufpassen, dass wir uns nicht von der Technologie steuern lassen, sondern der Mensch die Kontrolle behält. Zudem sind Datenschutz und Datensicherheit dann nicht mehr die alleinige Verantwortung der Anbieter und Hersteller. Jeder Nutzer muss entscheiden, welche Informationen er wem freigibt und welche nicht. Somit liegt es auch an jedem einzelnen, einen Hacker-Angriff auf die eigene Person zu vermeiden.“

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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