16.02.2017 Standardisierter Datenaustausch

Wie passen ERP und Industrie 4.0 zusammen?

Von: Ina Schlücker

Wie passen ERP-Systeme und Industrie 4.0 zusammen? Karl Tröger, Leiter Product Marketing im ERP-Bereich der PSI AG, erklärt, worauf es bei der Integration und dem Datenaustausch vor allem angekommt.

  • Erfolgreiche Industrie-4.0-Strategie

    Wie sieht eine erfolgreiche Industrie-4.0-Strategie aus?

  • Karl Tröger, PSI AG

    Karl Tröger, Leiter Product Marketing im ERP-Bereich der PSI AG

IT-DIRECTOR: Herr Tröger, welches sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Eckpunkte von unternehmensweiten Industrie-4.0- bzw. Internet-of-Things-Strategien?
K. Tröger:
Es wird darauf ankommen, mit Augenmaß die Integration der Produktionstechnik mit der Informationswelt voran zu treiben. Es wird noch lange Zeit eine Koexistenz von Industrie 3.X und den mehr und mehr aufkommenden Industrie-4.X-Techniken und -Anwendungen geben. Das Internet der Dinge kann als einer der "Enabler" der Integration, aber nicht als einziges Mittel zur Digitalisierung der Geschäftsprozesse, verstanden werden.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen technologische Standards in diesem Zusammenhang?
K. Tröger:
Standardisierungsaktivitäten aus Sicht von Auftragsabwicklungssystemen sollten sich neben der Gestaltung einheitlicher internet-basierter Kommunikationsprotokolle auf die Standardisierung von Dateninhalten in der Informationswelt konzentrieren. Es wird darauf ankommen, den Datenaustausch inhaltlich an den verfügbaren Standards auszurichten. Ein gutes Beispiel hierzu ist der auch durch die PSI unterstützte Myopenfactory-Standard für die überbetriebliche Auftragsabwicklung (DIN PAS 1074).

IT-DIRECTOR: Wer in den Anwenderunternehmen trifft gemeinhin die Entscheidung über die für Industrie-4.0- und IoT-Projekte notwendigen Investitionen?
K. Tröger:
Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden. Erfolgreiche Unternehmen investieren kontinuierlich in die Verbesserung und Durchgängigkeit der Geschäftsprozesse. Dazu sinnvolle Vorhaben, auch im Umfeld von Industrie 4.0 oder IoT-Projekten, werden von den unterschiedlichsten Bedarfsgruppen, sei es die IT selbst oder Fachabteilungen, vorangetrieben.

IT-DIRECTOR: Inwiefern müssen die vorhandenen ERP-Systeme an die neuen Anforderungen angepasst werden?
K. Tröger:
Die Unterstützung der bereits heute vorhandenen Flexibilität moderner Fertigungssysteme durch Manufacturing Execution Systems (MES) und ERP ist eine der Grundvoraussetzungen, um die im Umfeld von Industrie 4.0 formulierten hochgesteckten Ziele zu erreichen. Die erwartete Wandlungsfähigkeit der Fertigungstechnik hinsichtlich Fähigkeiten, Leistungsparametern und damit dynamischeren Ressourcenstrukturen müssen in der Planung berücksichtigt werden. Die klassischen Algorithmen werden mehr und mehr durch ereignisgesteuerte und automatisierte Kurz- und Mittelfristplanungen ersetzt.

IT-DIRECTOR: Welche Stolpersteine gilt es dabei zu überwinden?
K. Tröger:
Neben den allgegenwärtigen Themen im Umfeld der Daten- und Informationssicherheit ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur eine der wesentlichen Aufgaben in der Zukunft. Die standardisierte sichere Kommunikation aller Teilnehmer in flexibel gestaltbaren Wertschöpfungsnetzwerken erfordert hierzu zuverlässige, schnelle und sichere Übertragungswege.

IT-DIRECTOR: Stichwort Sicherheit: Mit welchen Methoden und Technologien sollten die Anwenderunternehmen ihre Industrie-4.0- bzw. Internet-of-Things-Umgebungen absichern?
K. Tröger:
Es wird mit der zunehmenden Kommunikation der Komponenten und Systeme über das Internet darauf ankommen, die jeweils verfügbaren Sicherheitstechniken umfassend anzuwenden. Natürlich wird es Abstufungen geben und kritische Infrastrukturen bedürfen einer unglaublich höheren Absicherung als ein Heizkörperthermostat in einer Smart-Home-Anwendung. Nicht zu vernachlässigen sind auch die Anwender der Systeme. Das Bewusstsein für Sicherheitsaspekte muss konsequent ausgeprägt werden.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, PSI AG

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