Kevin Platz, Vice President EMEA bei Fusion-io
Viele Unternehmen zögern, ihren erst zwei Jahre alten Microsoft SQL Server 2012 mit einem Upgrade auf die neue 2014 Version zu versehen. Dabei bieten die zusätzlichen Funktionen der neuen Version – allen voran die In-Memory-Kapazitäten der OLTP-Konfiguration – genügend Gründe, den Umstieg durchzuführen. Wie In-Memory-Technologien generell, steigert auch der neue SQL Server seine Performance mit dem richtigen Speicherkonzept nochmals deutlich.
Natürlich sollte ein Upgrade oder Austausch eines Herzstücks der Unternehmens-IT gut überlegt sein, schließlich ist so ein Schritt mit Kosten verbunden und oftmals ressourcenintensiv. Allerdings entscheidet heute in vielen Branchen ein Wimpernschlag darüber, wer erfolgreich ist und wer wortwörtlich zu spät kommt. Zugriffszeiten von nur wenigen Sekunden können sich massiv auf den Umsatz auswirken, von Informationen bis zum Versand physischer Güter soll und muss mittlerweile alles unmittelbar verfügbar sein. Hier kommt In-Memory-Computing ins Spiel, mit dessen Hilfe sich Geschäftseinblicke in Echtzeit und höchstem Detailgrad ermitteln lassen, die Unternehmen, Abläufe und Prozesse nachhaltig verändern.
Verhinderten Festplattensysteme es anfangs die komplette Leistung abzurufen, verbessern neue Speicherkonzepte wie Flash-Speicher Leistung, Durchsatz und Response-Quoten. Werden diese direkt im Server eingesetzt, reduzieren sie die Anzahl der Schichten und damit die Latenzzeiten zusätzlich, da jede weitere Schicht den Datentransfer verlangsamt. Im Verbund mit In-Memory-Technologie werden Reportings so nicht in Tagen, sondern in Stunden oder gar Sekunden durchgeführt. Wenn Microsoft sich nun mit dem SQL Server 2014 in Richtung In-Memory aufmacht und der neue Chef Satya Nadella gar von einer „neuen Datenkultur“ spricht, lohnt es zu überlegen, inwieweit die Leistungsfähigkeit der eigenen IT hiervon profitieren könnte.
Welches Ziel verfolgt Microsoft nun mit der kürzlich gestarteten Plattform? Zum einen schließt der Konzern aus Redmond zur Konkurrenz wie SAP Hana, IBM DB2 und Oracle auf. Indem nicht mehr ausschließlich relationale Datenbanken zum Einsatz kommen, sind nun zum einen auch mit dem SQL Server Transaktionen anhand großer Datenmengen durchführbar bzw. werden ganze SQL-Datenbanken im Hauptspeicher vorgehalten. Zum anderen verleiht Microsoft seinem Prinzip „Cloud first“ Nachdruck, indem der Server eine neue Schnittstelle zur Azure-Cloud besitzt und Daten auf Instanzen-Level, die im lokalen Rechenzentrum vorgehalten werden, in der Cloud gespeichert werden können.
Wer die lokale Speicherung bevorzugt, kann weiterhin auf das bereits seit längerem verfügbare „SQL Server Parallel Data Warehouse“ zurückgreifen. Laut eigener Aussage, möchte Microsoft zugleich Unternehmen für die Anforderungen fit machen, die mit dem Internet der Dinge Einzug erhalten werden, um künftig von Sensoren und RFID-Transpondern generierte Daten auszuwerten und zu visualisieren. Ein wesentlicher Vorteil für die eigenen Ziele ist, dass die Plattform am Markt weit verbreitet und nicht zuletzt auch unter Kostengesichtspunkten attraktiv ist, auch wenn sie bei der Programmierung engere Grenzen setzt.
Aktuell bietet Microsoft den SQL Server in drei Versionen an, wobei nur die Enterprise-Version die OLTP-Konfiguration für In-Memory-Anwendungen besitzt. Diese liefert als Hauptargument eine weitaus verbesserte Performance, die Latenzzeiten deutlich verringert und den Datentransfer pro Sekunde ebenso erhöht. Microsoft spricht von einer bis zu dreißigfach schnelleren Datenverarbeitung, die weder Änderungen am Code, noch an der Hardware benötigt. Das Online Transaction Processing (OLTP) setzt dabei vor allem an der Bearbeitung operativer Geschäftsprozesse an und soll insbesondere das Management bei der Entscheidungsfindung unterstützen.
Die Performance-Grenze ist damit allerdings noch nicht erreicht. Von Fusion-io durchgeführte und von Microsoft offiziell bestätigte Tests haben ergeben, dass sich mit serverseitig eingesetzten und für den Betrieb mit SQL Server optimierten Flash-Speichern wie ioMemory die Transaktionen pro Sekunde zusätzlich um das bis zu vierfache steigern lassen. Auf diese Weise werden rechenintensive Applikationen deutlich beschleunigt, Antwortzeiten verkürzt und der Zugriff von mehreren Personen pro Server bewerkstelligt – und zwar bei einem deutlich verringerten Total Cost of Ownership (TCO). Gerade für große Unternehmen, die immer schneller aus großen und wachsenden Datenmengen bessere Erkenntnisse gewinnen wollen, ist die zusätzliche Produktivität ein wichtiger Wettbewerbsvorteil.
Der Einsatz der OLTP-Version erfolgt wahlweise als On Premise, als reine Azure-Anwendung oder als Hybrid-Cloud-Lösung. Neben der Schnittstelle zur Azure-Cloud für einfacheres Backup und Desaster Recovery, besitzt der SQL Server eine Hadoop-Anbindung, wodurch relationale und semistrukturierte Daten gemeinsam ausgewertet werden können – ein weiteres Indiz für den zunehmenden Trend, dass die Unterscheidung zwischen zeilenbasierten Systemen für transaktionale Aufgaben und spaltenbasierten Systemen für die Datenanalyse zunehmend verschwimmt.