Jobs gefährdet?

Wincor-Nixdorf-Übernahme: "Schwarzer Tag"

Das US-Unternehmen Diebold hat mit seinem deutschen Wettbewerber Wincor Nixdorf eine Übernahmevereinbarung unterzeichnet. Branchenkenner Werner Sülzer sieht einen "Schwarzen Tag für die deutsche Wirtschaft".

  • Wincor Nixdorf sitzt in Paderborn.

  • Werner Sülzer sprach mit IT-DIRECTOR. Bildquelle: Joerg Szemkus

Der Verwaltungsrat von Diebold und der Aufsichtsrat von Wincor Nixdorf haben ihre Genehmigung für die Übernahme bereits erteilt. Die Zustimmung der Aktionäre steht noch aus. Einen "wesentlichen" zusätzlichen Stellenabbau beim Paderborner Traditionsunternehmen soll es in Deutschland zwar nicht mehr geben, aber künftige Investionsentscheidungen werden hart umkämpft sein, warnt das u.a. das Handelsblatt.

Diebold und Wincor Nixdorf sind die Nummern 2 und 3 unter den Geldautomaten-Herstellern dieser Welt. Das Unternehmen NCR steht an erster Stelle.

Werner Sülzer, ehemaliger Chef des Rivalen NCR Europa, bezeichnet die Übernahme enttäuscht als "schwarzen Tag für die deutsche Wirtschaft". Sülzer arbeitete Jahrzehnte in Führungspositionen bei Bull, Olivetti, AT&T sowie NCR Teradata und erhielt kürzlich als einer der Gründungsväter des Bitkom das Bundesverdienstkreuz.

Der IT-Profi machte im Gespräch mit IT-DIRECTOR keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über den erneuten Abfluss von nicht ersetzbarem Know-how aus Europa. "Es bleiben nur noch ganz wenige europäische IT-Firmen übrig. Konrad Zuse erfand in den 40er Jahren den freiprogrammierbaren Rechner. Philips, Siemens, Bull, ICL und Olivetti waren europäische IT-Unternehmen mit Weltgeltung. Mal abgesehen von SAP, geben heute nur US Unternehmen wie Google, Microsoft, Oracle, IBM oder HP den Takt vor. Wie wollen wir da die nächste Evolutionsstufe 'Industrie 4.0' schaffen?"

Natürlich seien die Gründe dafür unterschiedlich, einen simplen gemeinsamen Nenner gebe es nicht. Die Innovationsfähigkeit europäischer IT-Firmen sei gegeben, daran mangele es nicht, aber "Time-to-Market", dies könnten die US-Firmen einfach besser.

Dass Diebold nun Wincor Nixdorf übernehme, sei keine gute Lösung, so Sülzer, da beide Unternehmen Strukturprobleme hätten. Im Gegensatz zu NCR hätten beide Firmen nicht weiterentwickelt, was Kunden brauchen: Software und Services. In den letzten Jahren habe das Kostenmanagement zwar kurzfristig gewirkt, aber es gebe eben keine attraktiven Assets mehr für potentielle Kunden.

Wincor-Nixdorf-Chef Eckard Heidloff hatte vor gut einem halben Jahr noch Diebold als Partner abgelehnt: "In diesem Fall ergibt 1+1 weniger als 2", sagte Vorstandschef Eckard Heidloff damals im Interview der Börsen-Zeitung.

Zahlen + Fakten zur Übernahme:

Für den deutschen Geld- und Kassenautomaten-Hersteller bieten die Amerikaner bis zu 1,7 Milliarden Euro. Diebold kann dies auch aus dem Verkauf seiner nordamerikanischen Tochter für elektronische Sicherheit finanzieren.

Der gemeinsame Konzern solle künftig Diebold Nixdorf heißen, der rechtliche Firmensitz in North Canton (Ohio) liegen. Konzernchef des neuen Unternehmens soll Diebold-Chef Andy Mattes werden, Wincor-Nixdorf-Chef Eckard Heidloff soll eine aufsehende Funktion einnehmen. Jürgen Wunram, Finanzvorstand des deutschen Unternehmens, soll die Integration leiten. Quelle: WN

Bildquelle: Wincor Nixdorf

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