Klaus Wolf, Generali Deutschland

„Wir haben Flexibilität gewonnen“

Interview mit Klaus Wolf von der Generali Deutschland Informatik Services GmbH über den Aufbau eines ganzheitlichen Enterprise-Architecture-Managements (EAM)

Klaus Wolf

Klaus Wolf, Generali Deutschland Informatik Services GmbH: "Bei der Einführung einer EAM-Lösung ist eine Politik der kleinen Schritte entscheidend.

IT-DIRECTOR: Herr Wolf, wie ist die IT der Generali Deutschland Gruppe organisiert?
K. Wolf:
Die IT der gesamten Gruppe in Deutschland wurde in die Generali Deutschland Informatik Services GmbH ausgelagert, die alle IT-Aufgaben als Full Service Provider wahrnimmt. Wir fungieren quasi als Dienstleistungsgesellschaft im Konzern, beschäftigen ungefähr 1.100 Mitarbeiter und sind für rund 12.000 Innendienstmitarbeiter sowie für etwa 35.000 Vermittler zuständig.

IT-DIRECTOR: Wie kam es zu dem gemeinsamen Projekt mit dem EAM-Anbieter Alfabet?
K. Wolf:
Bei den verschiedenen Konzerngesellschaften der Generali Deutschland Gruppe existiert naturgemäß eine Vielzahl unterschiedlicher Anwendungssysteme. Im Detail betreuen wir für die deutschen Kunden etwa 500 selbst entwickelte, große IT-Lösungen, unter an­derem eine Lebensversicherungsvertragsverwaltung. Hierbei handelt es sich um Systeme, die in den letzten 30 Jahren entwickelt wurden und ein gewisses Maß an Komplexität in sich bergen. Vor diesem Hintergrund starteten wir im ersten Schritt mit der Aufgabenstellung, in dieser hochkomplexen IT-Umgebung die Übersicht zu behalten. Die Software PlanningIT von Alfabet lieferte uns dabei über die gesamte IT hinweg ein Inventarverzeichnis, auf dem wir anschließend die strategische Planung aufsetzen konnten. Dabei wurde zunächst geklärt, welche Systeme beispielsweise mehrfach vorhanden sind oder welche nicht mehr fortgeführt werden sollten.

In einem zweiten Schritt integrieren wir die EAM-Lösung laufend in die Systementwicklungsprozesse, beispielsweise im Bereich Customer Relationship Management. Zudem entwickeln wir neue Lösungen für den Geschäftsbereich Schaden. Dort gilt es unter Einsatz von PlanningIT strategisch zu bestimmen, wie der Zusammenhang zwischen Fachlichkeit und den IT-Lösungen ist, um daraus strategische Projekte, Initiativen oder Anwendungsentwicklungsprojekte zu realisieren. Dabei wollen wir die entsprechenden Sollvorgaben des IT-Bebauungsplans nach drei bis vier Jahren erreichen.

IT-DIRECTOR: Was wird denn das Ziel Ihres sogenannten Bebauungsplans sein? Werden Sie eines Tages alle Ihre Anwendungen konsolidiert oder durch Standardlösungen ersetzt haben?
K. Wolf:
Darauf zu antworten ist schwierig, denn es ist ein fortlaufender geschäftsgetriebener Prozess, der niemals endet. Aus dem klassischen Business heraus resultieren immer wieder neue, signifikante Auswirkungen auf die IT. Das beste Beispiel ist ein Endkundenportal im Internet, auf dem der Versicherungsnehmer einen Adresswechsel selbst vornehmen kann. Eine solche Funktionalität kann gravierende Auswirkungen auf den Bebauungsplan haben. Das Ziel kann in einem solchen Prozess eine Konsolidierung sein – und zwar dort, wo es tradierte oder doppelte Systeme gibt. Das Hauptziel ist aber das sogenannte Business IT Alignment.

IT-DIRECTOR: Wie verlief der Auswahlprozess?
K. Wolf:
Erstens auf Basis einer Studie der auf dem Markt verfügbaren  Enterprise-Architecture-Lösungen durch die Technische Universität München. Zudem haben wir unsere Anforderungen selbst erfasst, dann nochmals mit der Studie verglichen und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir das Produkt selbst auch so ausgewählt hätten. Und dann haben wir zugegriffen. Wir haben mit der Alfabet-Lösung die Flexibilität gewonnen, die wir gebraucht haben. Außerdem ist in dem Tool bereits ein fertiges Metamodell integriert, so dass wir schnell starten konnten. Das heißt, wir haben parallel zur Tool-Auswahl das Tool selbst auch bei uns eingeführt und mit ersten Daten befüllt.

IT-DIRECTOR: Wenn sich ein CIO mit solch einer Einführung erstmalig beschäftigt, kann man dann davon sprechen, dass er sich auf ein Mammutprojekt einlässt?
K. Wolf:
Nein, eigentlich nicht. Wir hatten als Ausgangslage natürlich auch vorher schon bestimmte Basisinformationen über unsere Anwendungslandschaft.
Bei der Einführung einer EAM-Lösung ist eine Politik der kleinen Schritte entscheidend. Selbst wenn man im ersten Schritt lediglich einen Teilbereich der Anwendungslandschaft erfasst, mit dem die Teams arbeiten können, ist das immer noch besser, als sieben unterschiedliche, nicht konsistente Excel-Tabellen zu führen, die an sieben unterschiedlichen Stellen gepflegt werden müssen. Es bringt beispielsweise einen großen Nutzen, wenn man Unternehmen akquiriert und deren IT-Systeme integriert. In unserem konkreten Fall brachte uns das bei der Integration der Volksfürsorge in die Generali Versicherungen einen enormen Vorteil.

IT-DIRECTOR: Solch eine Migration ist ein anschauliches Beispiel. Ist es denn so, dass Sie die Lösung vorrangig für Change-Prozesse nutzen?
K. Wolf:
Eine entsprechende Lösung als reines Inventarverzeichnis zu nutzen, wäre Verschwendung. Wenn beispielsweise in einem normalen Entwicklungsprojekt ein neues System realisiert wird, müssen wir den Entwicklungsprozess an die Software angedockt haben. Mit der Konsequenz, dass am Ende dieses Projektes das neue System in dem EAM-Verzeichnis dokumentiert ist. Somit können die Mitarbeiter in ihren Geschäftsprozessen mit diesem Werkzeug integrativ arbeiten. Bildlich gesprochen geht es dabei um eine permanente Inventur.

IT-DIRECTOR: Ist das dann auch ein wichtiger Eckpfeiler für die IT-Strategie?
K. Wolf:
Ja, sowie auch für Change- und Entwicklungsprozesse. Selbst in unserem User Helpdesk lässt sich die Software proaktiv nutzen, weil wir wissen, wie die Zusammenhänge von der Fachabteilung zur Software sind.

IT-DIRECTOR: Zurück zur IT-Strategie. Haben Sie hierbei schon Themen wie serviceorientierte Architekturen oder Cloud Computing auf der Agenda?
K. Wolf:
Selbstverständlich, hier sprechen wir von dem Versicherungsbetrieb der Zukunft im Stile eines Business IT Alignment. Unter dem englischen Namen Insurance Operation of the Future existiert dieser Begriff weltweit. Und dieses hat auch wieder Auswirkungen auf die Software. Man kann dieses Modell nur dann umsetzen, wenn man tatsächlich all seine Anwendungen – und das ist unser erklärtes Ziel – in Internet-Technologie bereitstellt. Wir sind davon überzeugt, dass es eines Tages keine einzige IT-Anwendung im Versicherungsbereich mehr gibt, die nicht in dieser Technologie läuft – egal für welche Benutzergruppe, ob Innendienstler, Vermittler oder Endkunde. Und ein Fundament dafür ist die serviceorientierte Architektur. Services werden ja beispielsweise auch in PlanningIT dokumentiert. Man muss nur darauf achten, dass die Versicherungswirtschaft an das Thema Cloud besondere Anforderungen in Bezug auf Datenschutz und IT-Sicherheit hat, die von den Herstellern noch berücksichtigt werden müssen.

IT-DIRECTOR: Was würden Sie abschließend anderen Unternehmen auf den Weg geben, die ebenfalls ein Enter­prise-Architecture-Projekt aufsetzen möchten?
K. Wolf:
Wichtig ist erstens die Rückendeckung des Top-managements. Wenn das Management nicht mitzieht, können Probleme entstehen. Zweitens muss das Projekt einen quantifizierbaren Nutzen bringen: Man braucht – ganz einfach – betriebswirtschaftliche Erfolge. Und dies bereits nach zwölf bis 15 Monaten, was auch durchaus möglich ist – beispielsweise im Sinne einer tatsächlichen Kostenreduktion. Es müssen also immer auch kleine Schritte dabei sein, die einen Return on Investment bringen, sonst wird das Management irgendwann unruhig.

Generali Deutschland Gruppe

Die Generali Deutschland Gruppe ist mit über 16,2 Mrd. Euro Beitragseinnahmen und mehr als 13,5 Mio. Kunden der zweitgrößte Erstversicherungskonzern auf dem deutschen Markt. Zur Generali Deutschland Gruppe gehören unter anderem Generali Versicherungen, AachenMünchener, CosmosDirekt, Central Krankenversicherung, Advocard Rechtsschutzversicherung, Deutsche Bausparkasse Badenia und Dialog sowie mehrere konzerneigene Dienstleistungsgesellschaften, darunter die Generali Deutschland Informatik Services GmbH.
Im Internet: www.generali-deutschland.de

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