"Man muss für Social Software sukzessive ein Einsatzszenario nach dem anderen angehen", betont Alistair Rennie, General Manager für Social Business bei IBM.
Innovationen beschleunigen, die Beziehung zum Kunden verbessern und die Produktivität der eigenen Mitarbeiter steigern – das sind die Hauptvorteile eines Social Business nach Meinung von Alistair Rennie. Er ist General Manager für Social Business bei IBM und verantwortet die gesamte Collaboration-Sparte, die noch vor kurzem unter der Lotus-Marke zusammengefasst war. Mit Produkten wie der Plattform Connections bietet Big Blue Software-Lösungen, die Unternehmen zum Social Business machen sollen. Firmen können dabei Anwendungen wie sozialen Netzwerke nutzen, um besser intern und mit ihren Kunden zu kommunizieren. „Unternehmen sollten damit in wichtigen Geschäftsbereichen beginnen“, empfahl Rennie auf der Veranstaltung. Dann ließe sich besonders großer Nutzen aus der Social Software ziehen. Allerdings sollten die Verantwortlichen in kleinen Schritten vorgehen. „Die Technologie ist schnell umgesetzt“, so Rennie, und weiter: „Doch dann muss man sukzessive ein Einsatzszenario nach dem anderen angehen.“ Dieses Strategie habe sich schon in vielen Anwenderunternehmen bewährt. Dass es bereits eine ganze Reihe von Firmen gibt, die sich auf den Weg zum Social Business gemacht haben, bestätigt Peter Schütt, Leiter für Softwarestrategie und Wissensmanagement bei IBM. „Die Zeit der Early Adopters ist vorbei“, sagt Schütt. „Es gibt viele Anwender unserer Lösungen, die ins Social Business gestartet sind. Und keiner hat damit aufgehört.“
Big Blue treibt seine Produkte daher weiter in diese Richtung voran. Besondere Bedeutung unter den jüngsten Entwicklungen hat der Activity Stream. Er stellt einen zentralen Posteingang für alle Nachrichten und Kommunikationsmittel dar, die für den einzelnen Mitarbeiter und seine aktuelle Tätigkeit relevant sind. E-Mail ist dabei nur noch ein Medium von vielen. Und eines mit wenig Zukunft, wenn man den IBM-Verantwortlichen glaubt. So berichtet Schütt von einem Consulting-Unternehmen, das für die interne Kommunikation komplett auf die klassische digitale Post verzichtet. Die Mitarbeiter tauschen Nachrichten nur noch über Connections aus. Die Verwendung von E-Mails ist lediglich für die Kommunikation nach draußen erlaubt. „Und es funktioniert“, sagt Schütt.
Der Verzicht auf E-Mails kann einem Unternehmen Vorteile verschaffen – das glaubt auch Jens Rauschen, Bereichsleiter Kommunikation beim Schuhhändler Hamm Reno. Zumindest, wenn die Technologie nicht mehr für den Austausch von Dateien herhalten muss. „Ich glaube“, so Rauschen, „wenn in einem Unternehmen keine Mails mehr mit Anhängen verschickt werden, lässt sich die Produktivität um bis 30 Prozent steigern.“ Um dies zu erreichen, soll bei Hamm Reno die interne Kommunikation künftig weitgehend über Connections stattfinden. Das Unternehmen will das Intranet durch die Social-Software-Plattform ersetzen. Zusätzlich werden alle 500 Filialen mit iPads ausgerüstet. Auf diese Weise will Hamm Reno laut Rauschen das wertvolle Wissen der Filialmitarbeiter sammeln. Umgekehrt soll auch der Informationsfluss zum Personal verbessert werden.
Die Anbindung von Mobilgeräten an die Social-Business-Lösung ist auch bei Bosch geplant. Das Unternehmen arbeitet ebenfalls mit Connections. Neben dem Zugriff von unterwegs wollen die Verantwortlichen vorhandene IT-Systeme wie die Dokumenten-Management-Lösung in die Social-Software-Plattform integrieren. Bosch sei sehr offen gegenüber dem Einsatz von Social Computing, berichtet Erik Wüstner, der für das Projekt verantwortlich ist. „Das Thema ist auch auf der Führungsebene angekommen“, so Wüstner. Zurzeit ist die Lösung für bis zu 60.000 Nutzer ausgelegt. Ein weiterer Ausbau ist für 2013 geplant.
Bei der Auswahl legte Bosch großen Wert darauf, dass sich das System einfach nutzen lässt. Die Barriere für die Anwender sollte möglichst gering sein. Laut Kurt De Ruwe ist dies ein entscheidendes Kriterium für den Erfolg eines Social-Business-Projekts. De Ruwe ist CIO von Bayer Material Science, einem weiteren Anwender der Social Software. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern keinerlei Schulung oder Anleitung für die Bedienung der Plattform. „Wir sagen unseren Leuten: ‚Hier ist das System, arbeitet damit’“, berichtet De Ruwe. Trotzdem werde die Social Software breit genutzt. Derzeit liegt die Zahl der Anwender bei rund 10.000.