28.07.2017 Cloud-Nutzung steigt im Mittelstand

Agilität als größter Vorteil der Cloud

Von: Kathrin Zieblo

Immer häufiger nutzen auch mittelständische Unternehmen die Cloud. Doch für wen eignet sich eine Privat bzw. Public Cloud? Und was verbirgt sich hinter dem Trend zur Multi-Cloud? Antworten liefert Dr. Mathias Weber, Bereichsleiter IT Services beim Bitkom.

Dr. Mathias Weber, Bitkom

„Jedes Unternehmen sollte den Einsatz von Cloud-Lösungen zumindest einmal prüfen", empfiehlt Dr. Mathias Weber, Bereichsleiter IT Services beim Bitkom.

ITM: Herr Weber, ist Cloud Computing im Mittelstand angekommen?
Mathias Weber:
Cloud Computing ist im Mittelstand angekommen. Gab es bei der Cloud-Nutzung bislang noch ein großes Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen, hat sich der Anteil der Cloud-Nutzer inzwischen stark angeglichen. In Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern liegt die Cloud-Nutzung aktuell bei 64 Prozent, in Unternehmen mit 100 bis 1.999 Mitarbeitern sind es 69 Prozent und bei großen Unternehmen ab 2.000 Mitarbeitern liegt der Anteil bei 67 Prozent.

ITM: Für wen lohnt sich die Cloud?
Weber:
Prinzipiell lässt sich sagen: Jedes Unternehmen sollte den Einsatz von Cloud-Lösungen zumindest einmal prüfen. Es gibt kaum einen Unternehmensbereich, in dem es nicht attraktive Cloud-Anwendungen geben würde.

ITM: Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmen in der „digitalen Wolke“?
Weber:
Cloud Computing bezeichnet aus Sicht der Anwender die bedarfsgerechte Nutzung von IT-Leistungen wie beispielsweise Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze. Damit liegt ein Vorteil auf der Hand: Das Unternehmen kann bei Bedarf rasch zusätzliche Leistung einkaufen, ohne dafür in teure Hardware investieren zu müssen, die dann womöglich nur zu ganz geringen Spitzenlastzeiten – etwa im Weihnachtsgeschäft – ausgelastet ist. Die Agilität ist der größte Vorteil bei der Cloud-Nutzung. Die Kostensenkung ist zwar auch wichtig, tritt aber für die meisten Nutzer gegenüber dem Gewinn an Agilität zurück.

ITM: Vor welchen Nachteilen würden Sie warnen? Bzw. wann vom Um- oder Einstieg abraten?
Weber:
Wichtig ist eine Cloud-Strategie, zu der auch eine Sicherheitsstrategie gehört. Sorgen um die Sicherheit der Daten sind allerdings meist unbegründet. Unternehmensdaten sind in der Cloud mindestens so gut geschützt wie in internen IT-Systemen – vor allem dann, wenn es womöglich keine personell gut besetzte IT-Abteilung gibt, die für entsprechende Sicherheit der eigenen Systeme sorgt. Nach den Ergebnissen der Umfrage halten 57 Prozent der befragten Geschäftsführer und IT-Verantwortlichen, die Cloud-Dienste nutzen, ihre Unternehmensdaten in der Public Cloud für „sehr sicher“ oder „eher sicher“. Nur 4 Prozent halten ihre Daten für „sehr unsicher“ oder „eher unsicher“.

ITM: Welche Anwendung – Private und Public Cloud – passt wann und zu wem?
Weber:
Eine Private Cloud ist eine unternehmenseigene und von diesem Unternehmen selbst betriebene Cloud-Umgebung. Der Zugang ist beschränkt: nur für das Unternehmen selbst, autorisierte Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten. Bei einer Private Cloud handelt es sich um eine effiziente, standardisierte und sichere IT-Betriebsumgebung unter Kontrolle des Unternehmens, die aber eine individuelle, auf die Geschäftsprozesse eines Unternehmens zugeschnittene Anpassung erlaubt. Der Vorteil liegt in der besonderen Sicherheit.

Die Public Cloud ist eine sich im Eigentum eines IT-Dienstleisters befindliche und von diesem betriebene Cloud- Umgebung. Viele Kunden (Unternehmen) teilen sich eine virtualisierte Infrastruktur. Eine Public Cloud stellt eine Auswahl von hochstandardisierten Geschäftsprozess-, Anwendungs- und/oder Infrastruktur-Services (Service-Modulen) auf einer variablen, nutzungsabhängigen Basis zur Verfügung. Sie ist aus diesem Grund besonders kostengünstig. Auf die Form und den physischen Ort der Datenhaltung, auf Compliance und Sicherheitsaspekte hat der Nutzer normalerweise keinen Einfluss. Das wird von manchen Nutzern als Nachteil empfunden. Es ist also immer eine Abwägung zwischen Kosten, Compliance und Sicherheit, die der Nutzer vornehmen muss.

ITM: Können Sie den Unterschied zwischen einer Hybrid und einer Multi Cloud kurz erläutern?
Weber:
Hybrid Clouds sind mögliche Nutzungskombinationen von Private Clouds, Public Clouds und traditioneller IT-Umgebung. Für die Nutzer besteht die Herausforderung darin, traditionelle IT-Umgebung, Private Cloud und/oder Public Cloud auf den verschiedenen Ebenen in Bezug auf Services und Sicherheit so zu integrieren, dass eine heterogene Umgebung sich für den Nutzer homogen darstellt.

Zumeist nutzen Unternehmen ihre eigenen On-Premise-Systeme und zusätzlich zahlreiche Cloud-Services, oft von verschiedenen Providern. Aus diesem Grund entstehen neben Hybrid Clouds auch Multi Clouds. Mit einer Multi Cloud werden Cloud-Services von mehreren Providern in einer Cloud-Infrastruktur integriert. Das ist für viele Nutzer eine enorme Herausforderung.

ITM: Inwieweit herrscht in den Betrieben das Wissen über diese Differenzierung?
Weber:
Hybrid Clouds gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Multi Clouds sind ein Trend der jüngeren Zeit – hier herrscht sicher noch ein erheblicher Informationsbedarf.

ITM: Welche Entwicklung erwarten Sie für das laufende Jahr in Sachen „Cloud im Mittelstand“?
Weber:
Wir sehen seit Jahren einen kontinuierlichen Anstieg bei der Cloud-Nutzung, diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass Cloud-Dienste immer stärker von den Mitarbeitern und Verantwortlichen in den Unternehmen in ihrem privaten Alltag genutzt werden. Cloud-Dienste zu nutzen, ist mit der Verbreitung der Smartphones etwas sehr Alltägliches geworden.

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