Darauf haben wir lange gewartet: Jetzt hilft endlich auch Facebook dem deutschen Mittelstand auf dem umwälzenden Weg der digitalen Transformation. Zugegeben, das amerikanische Plauderportal zum Austausch von Nichtigkeiten ist nur einer von mehreren Partnern einer Initiative, aber: Man will halt dabei sein und den Mittelstand retten.
Fragen könnten sich deutsche Mittelständler, wie die Zuckerberg-Truppe ihnen konkret helfen will und kann. Oder soll ein Einzelfertiger seine ihm alle persönlich bekannten Kunden künftig mit ach so aktuellen „Posts“ belästigen?
Abseits dieser Spielereien sollten sich Mittelständler vielmehr fragen, was ihnen die digitale Transformation überhaupt bringt. Auf welche Standards sie gemeinsam setzen sollten, wie sicher die Kommunikation über IP ist und ob am jeweiligen Standort im Bayrischen Wald oder in Meck-Pomm überhaupt die für Industrie 4.0 und Big Data notwendige Bandbreite vorhanden ist. Oder ob die Netze generell für solche Datenmengen ausgelegt sind. Zweifel sind hier angebracht.
Und deutsche Unternehmen sollten generell hin und wieder ihre Ausrichtung überprüfen. Ist es für die Automobilindustrie noch zeitgemäß, alternative Antriebstechniken stiefmütterlich zu behandeln? Wie zeitgemäß ist software-gestützter Betrug am Kunden und der Umwelt? Auch könnte man sich fragen, warum man das Spielfeld ‚Handel’ komplett und freiwillig der amerikanischen Konkurrenz überlässt.
Ein Beispiel: Eine größere, nordrhein-westfälische Stadt war daran interessiert, den eigenen Wirtschaftsstandort zu stärken. Die Einzelhändler sollten sich digital zusammenschließen, um sich im Web zu präsentieren und den Konsumenten attraktivere Angebote machen zu können. Doch anstatt auf das durchdachte Konzept eines regional ansässigen Beratungsunternehmens und dessen fertige Software zurückzugreifen, entschied man sich für den „Partner“ Ebay, der ebenfalls in das Einzelhandelssegment drängt. Meine Meinung: Man kann sich auch selbst zum Fraß vorwerfen …
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