Finanzierungsmöglichkeiten gibt es viele – sei es die klassische Aufnahme eines Kredits, das sogenannte Factoring, bei dem Forderungen gegen einen Schuldner vor deren Fälligkeit an ein Kredit- oder Spezialinstitut übergeben werden, oder das erst seit wenigen Jahren verstärkt eingesetzte Crowdfunding. Bei dieser Methode der Geldbeschaffung werden etwa Produkte, Projekte oder die Umsetzung von Geschäftsideen mit Eigenkapital versorgt. Kapitalgeber sind eine Vielzahl von Personen, die über das Internet zur Beteiligung aufgerufen werden. Laut Christoph Heitjans, Director of IBM Global Financing, IMT DACH, ist allerdings bei der Fremdfinanzierung von Investitionen nach wie vor das Leasing die beliebteste Form der Außenfinanzierung. „Es hat jedoch ein deutlicher Wandel vom reinen Hardware-Leasing hin zu individuelleren Projektfinanzierungen stattgefunden. Ein Beispiel dafür sind individualisierte Lösungen, die sich am Return on Investment (ROI) und der Cash-Flow-Planung des Gesamtprojekts orientieren.“
Nach Erfahrung von Guido Keßler, Director Financial Services bei Fujitsu Technology Solutions, fragen Mittelständler in immer stärkerem Maße nach Finanzierungslösungen, die eine flexible Anpassung der IT an die jeweilige Geschäftssituation ermöglichen und Bilanzneutralität bieten, um relevante Bilanzkennzahlen zu optimieren. Weiterhin wichtig seien die Erhaltung des Kapitals und der Kreditlinien bei den Hausbanken für Investitionen in das jeweilige Kerngeschäft sowie Kostensenkungen und die Umwandlung fixer Kosten in variable Kostentransparenz in der IT für den gesamten Lebenszyklus. Die neuesten Angebote gingen in Richtung Cloud Computing. „Wir haben für den Mittelstand spezielle Infrastructure-as-a-Service-Modelle (IaaS), bei denen wir die Rechenleistung mietweise über eine gesicherte VPN-Verbindung aus einem unserer Rechenzentren zur Verfügung stellen“, so Keßler. „Der Kunde muss also nicht mal mehr Infrastruktur in Form von Rechenzentrumsfläche, Klimatisierung, Strom etc. zur Verfügung stellen und spart dadurch zusätzlich Kosten.“ Generell sei zu vermerken, dass eine Standardfinanzierungslösung heute nicht mehr ausreicht, um den wachsenden Anforderungen der Anwender Rechnung zu tragen.
Green IT im Blick
Der Mittelstand sucht allgemein nach IT-Lösungen, die kosteneffizient und sicher sind. Je nach Projekt, Einsatz der Hardware oder geplanter Nutzungsdauer ist hier auch die Verwendung von zertifizierten, gebrauchten Technologien nach deren Instandsetzung und Reinigung interessant. Das Stichwort lautet IT-Remarketing, zu Deutsch „Wiedervermarktung“. So können Mittelständler beispielsweise finanzielle Vorteile durch die Anschaffung oder das Leasen von preiswerter Remarketing-Hardware, aber auch durch den Verkauf ausrangierter Althardware erzielen. Außerdem sprechen ökologische Argumente für eine Wiedervermarktung: Sie vermeidet die Produktion von neuen Geräten und trägt somit aktiv zur Senkung des CO2-Ausstoßes sowie des Bedarfs an fossilen Brennstoffen und Edelmetallen bei. „Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche Bedarf für die Produktion eines einzelnen Desktops bei 240 kg fossilen Brennstoffen, 22 kg Chemikalien und 1.500 kg Wasser liegt“, wirft Christian Meindl, Director High Tech bei der Geodis Logistics Deutschland GmbH, ein, „dann ist die Wiedervermarktung in den meisten Fällen nicht nur eine sinnvolle ökonomische und technologische Entscheidung, sondern auch noch eine ethische und umweltbewusste dazu.“
Schaffung eines Mehrwertes
Gleicher Ansicht ist Ralf Schweitzer, Geschäftsführer der GSD Remarketing GmbH & Co. KG: „Durch die Verlängerung des Lebenszyklus werden große Mengen an Wasser, Rohstoffen und CO2 eingespart, die für die Produktion eines Neusystems anfallen. Vielen Unternehmen war bisher nicht bekannt, dass es auch einen Markt für Gebrauchtsysteme in der ITK-Branche gibt.“ Das Interesse und vor allem die Bereitschaft, gebrauchte Systeme einzusetzen, nehmen jedoch stetig zu, stellt Schweitzer fest. Nicht nur der Gedanke der „Green IT“ und Ressourcenschonung seien hierfür ein Grund. Zudem war es in der Vergangenheit so, „dass jedes neues Betriebssystem auch neue Hardware benötigte. Dies ist heute nicht mehr so. Selbst fünf Jahre alte Geräte laufen mit aktuellen Betriebssystemen.“
Christian Meindl sieht indes noch Steigerungsbedarf beim Interesse des inländischen Mittelstands an gebrauchter Hardware: „Die mittelständischen Unternehmen müssen weiterhin sensibilisiert werden – nicht nur mit plausiblen ökonomischen, technologischen oder gar ökologischen Argumenten, sondern auch durch die Schaffung eines nachhaltigen Mehrwertes, der Kontinuität gewährleistet.“ Dieser Mehrwert sei z.B. definiert durch Serviceleistungen wie Wartung, Reparatur und Verfügbarkeit von Ersatzteilen. So sollen exakt diese „After Sales“-Leistungen neben einem beispielsweise günstigen Kaufpreis den Unterschied zu Neuware ausmachen und in der Regel die ausschlaggebenden Kriterien für die Kaufentscheidung gebrauchter Hardware sein. „Kostenersparnisse von über 50 Prozent gegenüber Neuprodukten sind möglich“, weiß Lennart Kleuser, Geschäftsführer der Flip4 GmbH, die es Unternehmen durch ihren Ankaufservice ermöglicht, schnell und unkompliziert gebundenes Kapital freizusetzen.
Doch nicht nur aus Kostengründen setzen Unternehmen auf gebrauchte Hardware, bemerkt Andreas De Matteis, Geschäftsführer der Macle GmbH: „Einige Kunden benötigen auch aufgrund von Software-Anforderungen ältere Systemgenerationen oder IT-Administratoren möchten ein homogenes Rechenzentrum erweitern, aber nicht die Servertechnologie wechseln.“ Die enorm leistungsfähigen Serversysteme der letzten Generation bieten in der Regel auch noch nach drei bis vier Jahren zeitgemäße Leistungspotentiale. Durch das Aufrüsten der vorhandenen Infrastruktur können Server oft zwölf bis 24 Monate länger betrieben werden als kalkuliert.
Eine weitere Gewinnspanne
Dennoch vermuten viele Unternehmen, dass gebrauchte Hardware qualitativ schlechter ist als Neuware. Macle entkräftet diesen Einwand jedoch mit einer Standardgarantie von zwölf Monaten und bietet mit seinem Servicepartner Grafenthal auch individuelle, mehrjährige Vorort-Service-Verträge für HP-, IBM- und Fujitsu-Serverkonfigurationen – auch für Serversysteme, die nicht beim Unternehmen selbst gekauft wurden. „Der Kunde kann die vorhandenen Server mit Upgrades von uns aufrüsten und durch den Kauf eines Grafenthal-Wartungsvertrags einen Vorortservice für dieses System erwerben“, erläutert De Matteis. So lasse sich bei Gebrauchthardware außerhalb der Herstellergarantie die gleiche Investitionssicherheit garantieren wie beim Kauf einer neuen Infrastruktur. Bei der Entscheidung für Gebrauchtmaschinen von IBM kann sich der Kunde wiederum darauf verlassen, „zertifiziertes wie auch individuell konfiguriertes Equipment zu erhalten“, betont Christoph Heitjans. „Außerdem bieten wir unseren Kunden eine umfassende Service-Unterstützung. Eine 90-tägige Zufriedenheitsgarantie gibt ihnen zusätzliche Sicherheit.“ Auch können die Gebrauchtmaschinen in einen Wartungsvertrag eingebunden werden. Als Vorteil sieht Heitjans für den Kunden eine wirtschaftliche Überbrückung oder Erweiterung der Infrastruktur bis zum nächsten Technologiesprung.
Zusätzlich ist anzumerken, „dass die Beschaffung von Second-Life-IT zeitnah und flexibel stattfinden kann“, so Christian Meindl von Geodis. Das stelle gerade in determinierten Projekten einen großen Benefit dar. „Betrachtet man ceteris paribus den gesamtunternehmerischen Umsatz und das für gebrauchte Hardware eingesetzte Kapital, so erzielt das Unternehmen in diesem Fall eine weitere Gewinnspanne, als das mit Neuware der Fall wäre.“ Als nachteilig sei indes zu sehen, dass die Abschreibungen auf das Anlagevermögen geringer sind als bei Neuware, was ebenfalls bei Kaufentscheidungen berücksichtigt wird.
Rundum-Sorglos-Pakete gefragt
Ob Unternehmen gebrauchte Hardware kaufen oder eher leasen, ist dabei abhängig von der Branche und Größe des jeweiligen Anwenders, ebenso wie von dessen Geschäftsstruktur. „Eine kleine Designagentur benötigt beispielsweise wesentlich weniger Umfang in ihrer IT und vor allem keine standardisierte Ware, verglichen mit einem Call-Service-Dienstleister, dessen Mitarbeiter an vereinheitlichten Arbeitsplätzen sitzen“, so Meindl. „Der Dienstleister wird seine IT mit hoher Wahrscheinlichkeit leasen, das Designbüro nicht.“
Leasing ist zunächst immer dann sinnvoll, wenn durch flexible Vertragsbedingungen die Zahlungen ganz den Budgetanforderungen angepasst werden können und sich am erwarteten Nutzen orientieren. Außerdem sollten Unternehmen auf Leasing zurückgreifen, „wenn die Einsatzdauer von vorneherein für einen überschaubaren Zeitraum geplant ist und die Hardware wieder ersetzt wird“, betont Guido Keßler von Fujitsu, „denn dann liegen die Vorteile vor allem darin, dass die Logistik am Ende der Nutzungsdauer auf den Vermieter übertragen werden kann.“ Anwender sollten nach Möglichkeit gleich die Wartung in die Mieten integrieren, um vor unliebsamen Überraschungen geschützt zu sein. Fujitsu bietet hier z.B. Kurzzeitmieten an, die wenige Wochen oder Monate betragen können, aber auch längere Laufzeiten, die – je nach Kundenbedarf – auch die Wartung und Leistungen wie etwa den Abbau am Mietende und die Datenlöschung beinhalten. Erfahrungsgemäß sollen gerade solche Rundum-Sorglos-Pakete am stärksten nachgefragt werden.
Stille Reserven heben
Liquidität können Mittelständler aber auch erlangen, indem sie ihre alte, einst selbst angeschaffte Hardware wie etwa Computer, Server, Notebooks und Tablets beispielsweise an Remarketing-Unternehmen verkaufen. Doch wie groß ist das derzeitige Interesse an dieser Option? Laut Christian Meindl wird sie noch nicht so häufig genutzt, wie es sein könnte. Dies liege zumeist an der diesbezüglich noch ausgeprägten Unkenntnis der Entscheidungsträger. Häufig gehen die Unternehmen von bereits voll abgeschriebenem Anlagenvermögen aus, für das man technologiebedingt keine weitere Verwendung mehr hat. Die Kosten für eine ordnungsgemäße Entsorgung werden in Kauf genommen. Ein weit verbreiteter Irrtum: Sogar funktionstüchtige Pentium-4-PCs können gewinnbringend wiedervermarktet werden.
„Leider gibt es keine offiziellen Zahlen“, ergänzt Ralf Schweitzer von GSD, „aber wir gehen davon aus, dass aktuell nur ca. 20 Prozent aller Geräte aus dem KMU-Bereich in ein professionelles Remarketing gehen.“ Fujitsu verzeichnet in diesem Bereich allerdings ein steigendes Interesse, „da dadurch gezielt stille Reserven gehoben werden können“, sagt Guido Keßler. Diese Option werde meist im Verbund mit der Anschaffung neuer Hardware genutzt – die erzielbaren Wiedervermarktungserlöse können dann zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Nachfolgeprojektes eingesetzt werden. Spezialisierte Remarketing-Unternehmen bieten faire Rückkaufwerte für die Althardware und eine bequeme Abwicklung. Aber es ist nicht nur die Gewinnoptimierung, warum kleine und mittelständische Unternehmen auf eine Remarketing-Firma setzen sollten. Vor allem geht es um den Schutz der eigenen Daten, weiß Andreas De Matteis von Macle: „In unserem Remarketing-Center werden alle Datenträger mit zertifizierten Löschprogrammen aufwendig gelöscht. Auf Wunsch erhält der Verkäufer gegen einen geringen Aufpreis ein Löschzertifikat.“ Vom Verkauf der Althardware auf eigene Faust über Onlineportale oder über Personalverkauf rät er ab. Der Aufwand einer Eigenvermarktung sei sehr hoch und berge Haftungsrisiken. Auch bestehe die Gefahr, dass Firmendaten durch unzureichende Datenlöschung in Eigenregie in falsche Hände geraten.
Schlummernde Potentiale aufwecken
Die Entwicklung des IT-Remarketing verspricht noch viel, ist sich Christian Meindl sicher, vor allem, wenn man die schlummernden Mittelstandspotentiale aufwecken und für das Geschäft des Remarketing gewinnen kann. Laut Guido Keßler setzen die Kunden immerhin zunehmend auf aufgearbeitete, preisgünstigere Systeme. Vorteile seien etwa die qualifizierte Aufarbeitung und Lieferung der Systeme in sehr guter Qualität sowie die Konfiguration aller Systeme nach Kundenwünschen.
Zugleich wird laut Christoph Heitjans von IBM eine sogenannte Umweltetikette immer bedeutender, daher gebe es eine weitere Professionalisierung in diesem Bereich. „Wir stellen bereits heute weltweit 91 Prozent der aufbereiteten Geräte zur Wiederverwendung zur Verfügung. Lediglich 0,7 Prozent werden Deponien einschließlich Müllverbrennungsanlagen zugeführt, alles andere dem Rohstoffrecycling.“ Bei Geodis gehen wiederum 85 Prozent der bearbeiteten Waren in die Wiedervermarktung. Die anderen 15 Prozent werden zum Teil für die Gewinnung von Ersatzteilen herangezogen, währen der Rest in 38 Fraktionen zerlegt und nach gesetzlichen Vorgaben fach- und umweltgerecht final entsorgt wird. Für die Anwender ist es eine entspannte Sache, wenn sie sich keinen Kopf um die aufwendige Entsorgung machen müssen. Für sie ist nur wichtig, dass ihnen durch die Wiedervermarktung der Altgeräte flüssige Mittel für neue oder weitere Investitionen zur Verfügung stehen, sofern sie auf IT-Remarketing setzen.
Verkauf alter Hardware – ein lukratives Geschäft?
Quelle: Jürgen Mossakowski, CEO und CSO International, CHG-Meridian
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