12.04.2017 Praxisbeispiel Industrie 4.0

Bessere Maschinenauslastung mit Industrie 4.0

Wie ein mittelständischer Drahthersteller die ersten Schritte Richtung Industrie 4.0 macht >>>

Jan-Peter Krauß, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Elschukom

„Es gab viele Stellen, die schwierig waren. Aber nichts im ganzen Prozess ist so schwer, wie das Wohlwollen der Mitarbeiter zu bekommen“, so Jan-Peter Krauß, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Elschukom.

„Es ging für uns nicht darum, irgendeinen Hype mitzumachen, sondern dem Wettbewerb aus Billiglohnländern mehr Effizienz entgegenzusetzen“, berichtet Jan-Peter Krauß, Prokurist und kaufmännischer Leiter bei Elschukom. Der Feinstdrähtehersteller beschäftigt im thüringischen Veilsdorf rund 100 Mitarbeiter.

Der Einstieg ins Thema bedeutete zunächst, sich erst einmal einzulesen, um eine Grundvorstellung davon zu erlangen, was „Industrie 4.0“ bedeutet. Ziel war es dabei, die damit verbundenen Vor- und Nachteile zu verstehen, zu erfassen, was möglich ist, und die Risiken zu erkennen. Im ersten konkreten Schritt ließ man das Unternehmen in einer Bestandsaufnahme auf potentielle Schwachstellen wie IT-Probleme prüfen und eine Risikoanalyse erstellen. Auf dieser Basis wurde das gesamte interne Netzwerk auf einen aktuellen Stand der Technik gebracht.

Die Maßnahmen bezogen sich im gleichen Maße auch auf die gesamte WLAN-Ausleuchtung im Unternehmen. Im zweiten Schritt wurden sämtliche Prozesse hinterfragt. „Viele Prozesse waren schon gut und weiterhin nutzbar. Andere Prozesse, z.B. die Rechnungslegung, wurden schon alleine wegen der rechtlichen Anforderungen an digitale Prozesse komplett neu aus der Taufe gehoben“, erinnert sich Krauß.

„Wir mussten erkennen, dass es deshalb so schwerfällt, Industrie 4.0 umzusetzen, weil es einen ganz anderen Denkansatz erfordert. Besonders Menschen über 50, die einen sehr großen Wissens- und Erfahrungsschatz besitzen, konnten diesen nicht in digitale Systeme projizieren.“ Die Jüngeren hingegen seien zwar technikaffiner, hätten aber nicht die Erfahrung.

Differenz zwischen Artikeln und Systemdaten

Dieses Dilemma löste der Drahthersteller, indem ein Produktionstechnologe ausgebildet wird, der den Produktionsleitern hilft, ihr Wissen digital umzusetzen. Alle erfassten fertigungsrelevanten Prozessdaten werden heute zentral auf einem großen Bildschirm in der Produktion dargestellt. Seitdem müssen die Maschinenbediener nicht mehr auf Verdacht hin und her rennen, sondern sehen direkt, welche Maschine ihre Aufmerksamkeit benötigt. Ein Start-Stop-System informiert mittels Verbindung der Maschinen mit dem selbst geschriebenen ERP-System über deren exakten Status. Weil sekundengenau protokolliert wird, lässt sich in der Konsequenz auch genauer kalkulieren. „Seitdem die Inventur permanent erfasst wird, sind wir enorm nah an der Wahrheit, die Differenz zwischen tatsächlich gezählten Artikeln und den Zahlen im System ist minimal, wenn nicht gar auf null“, freut sich Krauß.

Alle Produkte und Aufträge bekommen einen QR-Code, sobald ein Produkt durch das Werkstor kommt. Der Code schlüsselt zu jedem Produkt die gesamte Historie auf. Das kann so weit gehen, dass klar wird, wo es produziert wurde. Einfach war es nicht, meint Krauß. Beim Einstieg in Industrie 4.0 habe geholfen, dass Geschäftsführerin Ute Poerschke aus der IT kommt. „Nichts im ganzen Prozess ist so schwer, wie das Wohlwollen der Mitarbeiter zu bekommen“, resümiert Jan-Peter Krauß.

Bildquelle: Elschukom

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