SAP justiert Cloud-ERP-Software nach

Business by Design: Neue Marschroute

Nachdem es ziemlich ruhig geworden war um sein Cloud-ERP-System Business by Design (BBD), will SAP nun einen neuen Angriff starten und unter der Führung von Michael Schmitt die Weichen für eine erfolgreichere Zukunft stellen.

  • Der neue Business-by-Design-Verantwortliche Dr. Michael Schmitt will die Cloud-ERP-Software deutlich nach vorne bringen.

Um das Produkt Business by Design (endlich) für breitere Käuferschichten interessant zu machen, hat der neue Verantwortliche einige grundlegende Entscheidungen getroffen: Als erstes wurde Klarheit geschaffen, wo die Cloud-Software im ERP-Portfolio anzusiedeln ist. „Da wurde in der Vergangenheit vieles probiert – vom Start-up-Package für zwei User bis hin zu relativ großen Kunden“, zeigt sich Michael Schmitt selbstkritisch.

Nun wird BBD auf dem gleichen Niveau wie die On-Premise-Lösung All-in-One angesiedelt sein, also im mittelständischen Kernsegment. Es gebe zwar hin und wieder Ausreißer nach oben mit mehreren tausend Usern, wie etwa die niederländische Post oder das eher konservative englische Unternehmen Lloyd‘s Register. Solche Leuchtturmprojekte sind wohl eher die Ausnahme, könnten aber dabei helfen, das Produkt auch im eher cloud-skeptischen deutschen Markt zu etablieren. Zudem sind solche Kunden für Schmitt der Beweis für die Skalierbarkeit und Performance des Produktes.

Performance ist das eine, der Standardisierungsgrad der Cloud-Software das andere. Schmitt dazu: „Es ist eine Public-Cloud-Lösung, bei der alle Kunden auf der gleichen Hardware laufen und alle zum selben Zeitpunkt das neue Release erhalten.“ Dennoch habe es SAP geschafft, eine Public-Cloud-Software zu liefern, die anpassbar, erweiterbar und dennoch releasefähig ist.

In jedem Quartal gibt es ein Zwangs-Upgrade, das den Anwendern automatisch eingespielt wird. Schmitts oberstes Bestreben war jedoch, dass die Kunden im Rahmen der Upgrades keine Einschränkungen  mehr hinnehmen müssen. Vor einem Jahr noch musste im Vorfeld neuer Releases jeder Kunde einzeln kontaktiert werden, mit der Bitte, bei Upgrades entsprechende Tests durchzuführen. Dieses Vorgehen ist nun nicht mehr nötig. Intensiv gearbeitet wurde unter Schmitts Regie ebenfalls am Thema Ausfallzeiten. Ziel ist es, die Anwenderunternehmen immer arbeitsfähig zu halten. Geplante „Down Times“ finden denn auch nicht mehr wie früher unter der Woche, sondern ausschließlich an Wochenenden statt.

Auf einer Kundenveranstaltung in Las Vegas konnten bereits erste Früchte dieser Veränderungen geerntet werden. Vor einem Jahr noch waren die Kunden laut Schmitt überhaupt nicht mit der Stabilität und der Funktionalität des Systems einverstanden gewesen. „Dies hat sich innerhalb dieses Jahres deutlich zum Positiven gewandelt.“

Kundenzufriedenheit steigt

Im Grunde, so Schmitt, habe SAP den All-in-One-Ansatz auf BBD übertragen. Add-ons und komplett paketierte Branchenlösungen werden von den Partnern entwickelt. Dabei erlaubt es die Software-Architektur mittlerweile, dass die Partner ihre Add-ons nur noch einmal pflegen müssen: Ein Add-on, dass bei tausend Kunden läuft, musste in der Vergangenheit bei Upgrades theoretisch eintausend Mal nachgepflegt werden. Heute pflegt der Partner das Add-on hingegen einmal ein, bevor es tausend Mal ausgeliefert wird. Dies und die einhergehende immense Kostenersparnis wertet man bei SAP als einen wichtigen Grund dafür, warum sich in der Zwischenzeit viele neue Partner für SAP entscheiden.

Schmitt glaubt, das Thema ERP aus der Cloud mit solchen Verbesserungen in Deutschland nach vorne bringen zu können und Konkurrenten wie Netsuite, die in USA und Großbritannien recht erfolgreich zu sein scheinen, Paroli bieten zu können. Er ist jedoch ehrlich genug zuzugeben, dass BBD nicht für jeden Anwender passt –  aber dafür hat SAP schließlich noch seine On-Premise-Lösungen. Niemand wird also in die Cloud gezwungen. Als interessante Option nennt der BBD-Verantwortliche in diesem Zusammenhang hybride Szenarien für Unternehmen mit weltweiten Niederlassungen. In der Zentrale werde dann die traditionelle Business Suite eingesetzt, in den Niederlassungen hingegen BBD. Der Grund: Funktional bietet die Business Suite nach Schmitts Aussage doch noch weitaus mehr Möglichkeiten als BBD. Für kompliziertere Fertigungsvorgänge empfiehlt er All-in-One. BBD wiederum hat eine seiner Stärken im Projektmanagement.

SAP hat also nicht mehr den Anspruch, mit seinem ERP-System aus der Cloud alle Kunden und Branchen gleichzeitig anzugehen. Die neue Marschroute macht denn auch einen deutlich solideren und bodenständigeren Eindruck als zuvor. 

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok