29.04.2016 „Cloud First“

Cloud als Basis der Digitalisierung

Von: Lea Sommerhäuser

Im Interview betont Rudolf Hotter, Vorstand der Cancom SE, dass „Cloud First“ das Motto sei, denn die Cloud bilde die Basis der Digitalisierung bzw. ist die Grundvoraussetzung, dass digitale Transformation ernsthaft gelingen könne.

Rudolf Hotter, Cancom

„Die IT-Branche wandelt sich rapide“, stellt Rudolf Hotter, Vorstand der Cancom SE, fest.

ITM: Herr Hotter, was zeichnet IT-Systemhäuser für den Mittelstand konkret aus?
Rudolf Hotter:
Ein wichtiges Kriterium bzw. bedeutender USP sind der Blick und das Verständnis für die speziellen Bedürfnisse und Herausforderungen mittelständischer Unternehmen. Das kann ein mittelständisches IT-Systemhaus, das dem Kunden auf Augenhöhe begegnet, vermutlich am besten gewährleisten. Die Bedeutung einer klaren Fokussierung und starker Partnerschaften nimmt durch Innovationen wie Cloud und die steigende Komplexität aus unserer Sicht zu.

ITM: Wie gestaltete sich das bisherige Leistungsspektrum eines Systemhauses? Inwieweit nehmen Systemhäuser eine „Brückenfunktion“ ein?
Hotter:
IT-Systemhäuser oder IT-Dienstleister nehmen klassischerweise eine „Brückenfunktion“ zwischen Anwenderseite und den Herstellern von IT-Produkten und Lösungen ein. Mit dem Ohr dicht an den Kundenbedürfnissen und einem echten Mehrwert, der im Angebotsportfolio besteht und z.B. Implementierung von IT-Lösungen als Systemintegrator, Beratung und Services als Trusted Advisor bis hin zu Cloud-Angeboten als Managed-Service-Provider beinhaltet.

ITM: Welchen Einfluss üben heute die Digitalisierung und disruptiven Technologien auf IT-Systemhäuser aus?
Hotter:
Die IT-Branche wandelt sich rapide. Viele Kunden erwarten heute das volle Servicepaket. Das bedeutet, weg vom Fokus auf einzelne Produkte, weg vom klassischen System- und Integrationsgeschäft hin zu Consulting, hochwertigen Dienstleistungen und Lösungen. Daher muss sich auch das Selbstverständnis der IT-Systemhäuser wandeln und ihre Positionierung geschärft werden. Gerade im Zeitalter der Cloud ist eine Wahrnehmung als Trusted Advisor oder neutraler Dienstleister wettbewerbsdifferenzierend und kann der Schlüssel für langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen sein.

ITM: Inwiefern müssen IT-Systemhäuser ihre Geschäftsmodelle verändern, um zukünftig am Markt bestehen zu können?
Hotter:
Die Digitalisierung betrifft alle Wirtschaftsbereiche, nicht nur die IT-Branche. Denn die Bedeutung der IT als Business Enabler und Innovationstreiber im Unternehmen steigt. Die Anforderungen und Bedürfnisse an die Unternehmens-IT verändern sich mit neuen Technologien, Produkten und den Wünschen der Mitarbeiter, IT wie selbstverständlich im privaten Umfeld mobil und flexibel zu nutzen. Der digitale Wandel lässt sich nicht aufhalten. Im Gegenteil, die Dynamik wird sogar noch zunehmen. Das wiederum bringt nicht nur große Herausforderungen, indem sich die Anforderungen an Systemhäuser in den Bereichen der Lösungs- und Prozessberatung verstärken, sondern vor allem Chancen, auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

ITM: Welche Herausforderungen und auch Risiken für Systemhäuser sind mit diesem Wandel verbunden?
Hotter:
Das wichtigste Asset eines IT-Dienstleisters sind die Mitarbeiter. Die Herausforderung besteht darin, die Mitarbeiter beim Wandel des eigenen Geschäftsmodells mitzunehmen, die richtigen Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Den Weg der Transformation nicht zügig und konsequent zu beschreiten oder die Markttransformation gar zu verpassen, ist unverzeihlich.

ITM: Welche Rolle spielen an dieser Stelle die Themen „Cloud“ und damit auch „Safe Harbor“? Wie packen IT-Systemhäuser diese Themen an?
Hotter:
„Cloud First“ ist das Motto, denn die Cloud bildet die Basis der Digitalisierung bzw. ist die Grundvoraussetzung, dass digitale Transformation ernsthaft gelingen kann. Wichtige Aspekte sind dabei die Themen IT-Security, Datenschutz und Hochverfügbarkeit, die wir als deutscher Cloud-Provider mit einem eigenen Rechenzentrum in Deutschland sehr ernst nehmen. Gerade in puncto Datenschutz kann man sagen, dass Cloud-Service-Provider mit Sitz in Deutschland dem deutschen Datenschutzrecht unterliegen, das im Vergleich zu anderen Regionen deutlich strengere Datenschutzregeln vorgibt. Das bedeutet, wir bei Cancom erfüllen diese Vorgaben.

ITM: Inwieweit beeinflussen diese Themen die Service Level Agreements der IT-Systemhäuser?
Hotter:
Cloud-Services stellen für Systemhäuser besondere Herausforderungen an SLAs. 24/7-Verfügbarkeit der IT-Systeme ist natürlich ein Thema.

ITM: Was halten Sie von der Nachfolgeregelung „Privacy Shield“? Inwieweit sind Sie davon betroffen?
Hotter:
Ob das im Endeffekt zu Rechtssicherheit führt, bleibt abzuwarten. Wie gesagt, als in Deutschland ansässiger Anbieter unterliegen wir dem deutschen Datenschutzrecht.

ITM: Stichwort „Personalmanagement“: Inwieweit wirkt sich der Wandel im Markt auf die Mitarbeiterstruktur eines IT-Systemhauses aus? Wie lässt sich das entsprechende Know-how bzgl. neuer Geschäftsfelder ins Unternehmen bringen?
Hotter:
Mit der zunehmenden Komplexität steigen die Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeiter. Wir setzen dabei auf die Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter, wollen aber auch für High Potentials als potentielle Bewerber ein attraktiver Arbeitgeber sein. Dabei ist die Chance auf interessante, herausfordernde Projekte zu innovativen Themen und in zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern ein wichtiges Argument.

ITM: Wie gestaltet sich eigentlich die Frauenquote in IT-Systemhäusern?
Hotter:
Bei uns haben qualifizierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gute Entwicklungsmöglichkeiten unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sonstigen Merkmalen.

ITM: Welche Voraussetzungen müssen Mitarbeiter zukünftig mit sich bringen, um gelungen zwischen IT-Systemhaus und Mittelstandskunde, der die Digitalisierung anstrebt, vermitteln zu können?
Hotter:
Die Transformation verändert ja auch die IT-Systemhäuser und mit ihnen die Mitarbeiter. Wenn dies erfolgreich gelingt und sich die Mitarbeiter weiterentwickeln, ist das die beste Voraussetzung. Es ist wichtig zu verstehen, was Transformation heißt. Das bedeutet aber auch, sich in die Geschäftsmodelle und Prozesse der Kunden hineinzuversetzen, um die Potentiale zu erkennen. Gefragt ist ein hohes Maß an analytischen Fähigkeiten, Verständnis für komplexe Unternehmenszusammenhänge und Kommunikationsstärke.

ITM: Hat sich das Gros der IT-Systemhäuser bereits auf den Weg gemacht, um sich dem Wandel zu stellen? Wie schätzen Sie die Lage ein?
Hotter:
Für die meisten steht wohl noch ein Teil der Reise bevor. Und sicher ist, dass sich die Branche in den nächsten Jahren deshalb auch weiter verändern wird. Wir haben bei der Transformation des eigenen Geschäftsmodells schon wichtige Schritte gemacht. Wir sind auf dem Weg und für den Wandel gut aufgestellt.

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