Wirtschaftsspionage: Kommentar von Andreas Deliandreadis, Trustwave

Datendiebstahl im Mittelstand

Im Kommentar betont Andreas Deliandreadis, Sales Director beim IT-Sicherheitsanbieter Trustwave, die in den Medien allgegenwärtige Thematik des Datendiebstahls. Beinahe täglich tauchen neue alarmierende Berichte über virtuelle Attacken und Übergriffe auf. Oftmals bleiben IT-Angriffe von Cyberkriminellen aber unbemerkt oder kommen erst nach langer Verzögerung ans Licht. Dies kann gerade für den Mittelstand verheerende Folgen haben.

„Neue Kommunikationskanäle sind einerseits hilfreich und erleichtern die Kommunikation. Sie bieten jedoch auch viel Angriffsfläche für Cyberkriminelle", meint Andreas Deliandreadis, Sales Director bei Trustwave.

Trotz vermehrter Anstrengungen und steigendem Bewusstsein, sich gegen virtuelle Bedrohungen schützen zu müssen, geraten deutsche mittelständische Unternehmen in Bedrohungslage. Entscheidend für den Schutz eines Unternehmens sind in erster Linie seine IT-Fachkräfte. Leider macht sich derzeit ein bedauerlicher Trend in Deutschland bemerkbar: Die Zahl der IT-Fachkräfte wird immer knapper und die Menge an Übergriffen über das Internet steigt rasant an.
Wie die Daten aus dem Global Security Report 2013 von Trustwave belegen, nimmt die Zahl der Angriffe auf die IT kontinuierlich zu. Beispielsweise waren Internetanwendungen im Jahre 2012 der häufigste Angriffspunkt. Durch die weltweite Zunahme der Nutzung von Blogs, Social Media, Netzwerken, Smartphones, mobilen Zahlungsgeräten und anderen Innovationen gerät der Markt für IT-Sicherheit aus dem Gleichgewicht. Neue Kommunikationskanäle sind einerseits hilfreich und erleichtern die Kommunikation. Sie bieten jedoch auch viel Angriffsfläche für Cyberkriminelle, wogegen sich Unternehmen nur mit erhöhtem Aufwand und neuen Investitionen in IT-Sicherheit schützen können. Die Nachfrage an IT-Sicherheitsdienstleistern nimmt somit stetig zu und übersteigt das Angebot an IT-Fachkräften bei weitem.

Das Kernproblem der Unternehmen ist somit struktureller Natur. Insbesondere KMUs haben Probleme, Spezialisten zu finden, um die IT-Sicherheit aufrecht zu erhalten. Als Land, dessen Wirtschaftskraft hauptsächlich auf der Leistung des Mittelstands beruht, trifft Deutschland das Problem an breiter Front. Mittelständische Unternehmen verfügen in der Regel über umfangreiches und extrem schützenswertes Fachwissen. Speziell in Nischenpositionen sind sich Unternehmen oftmals ihrer Bedeutung nicht im notwendigen Maße bewusst. Ein Zulieferer von Maschinenbauteilen ist sich womöglich nicht ausreichend darüber im Klaren, wie wichtig und von welch hohem Wert das firmeneigene Fachwissen für sein Land sein kann. Unterschätzt er die Bedeutung der IT-Sicherheit, kann dies weitreichende Folgen haben und – als Folge eines erfolgreichen Angriffs – bis zur Insolvenz führen.

Anreiz zur Wirtschaftsspionage ist hoch


Die aktuell diskutierte EU-Novelle zum Schutz von Kundendaten zeigt, dass Verstöße gegen diese Vorgaben darüber hinaus für Unternehmen auch rechtliche Folgen haben können. Befragt man deutsche IT-Verantwortliche, so zeigt sich, dass ihnen die Gefahr des Diebstahls von Kundendaten und von geistigem Eigentum die größten Sorgen bereitet. Der Anreiz zur Wirtschaftsspionage ist hoch, und Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich zufolge entsteht in Deutschland jährlich ein Schaden von 50 Mrd. Euro. Mittelständler benötigen vermehrt Sicherheitsexperten, die Schwachstellen ausloten und Sicherheitstechnologien wie Firewalls an ihre Bedürfnisse anpassen können. Nur so können Schwächen im Kern behoben werden. Inzwischen reicht es nicht mehr aus, „Experten“ anzuheuern, die sich mit den Basissicherheitsleistungen auskennen. Zunehmend wichtiger wird es, speziell ausgebildete und erfahrene Fachkräfte mit fundiertem IT-Wissen zu finden, die Probleme im Kern angehen und die Nadel im Heuhaufen finden können. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmensdaten nicht nur zu den Arbeitszeiten, sondern rund um die Uhr geschützt werden müssen, da Angriffe von überall auf der Welt aus erfolgen können. Derzeit liegt es wohl in der Hand der Politiker, entsprechende Impulse zu geben, um diesen bedrohlichen, strukturellen Entwicklungen entgegenzuwirken.

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