Nachgefragt bei Bernd Kosch, Fujitsu

Den ökologischen Fußabdruck ermitteln

Interview mit Bernd Kosch, Head of Environmental Technology bei Fujitsu

Bernd Kosch, Fujitsu

„Aufgrund von einschlägigen Gesetzen und Richtlinien müssen sich Unternehmen mit dem Thema ‚IT-Nachhaltigkeit’ beschäftigen – und das ist gut so“, bemerkt Bernd Kosch, Head of Environmental Technology bei Fujitsu.

ITM: Herr Kosch, inwiefern beschäftigt sich der Mittelstand derzeit mit dem Thema „IT-Nachhaltigkeit“?
Bernd Kosch:
Unserer Beobachtung nach beschäftigt sich der Mittelstand mit allen drei Aspekten von IT-Nachhaltigkeit: dem ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekt.

Ökologisch: Hier geht es um den Einsatz von umweltfreundlicher Hardware. Weiterhin stehen der Produktionsstandort und damit die gesamte Skala von Produktion, Gebäudetechnik und LCA (Life Cycle Assessment) auf dem Prüfstand.

Ökonomisch: Aufgrund der gestiegenen Energiekosten ist es erforderlich, diese Kosten zum einen genauer zu untersuchen und zum anderen nachhaltig zu reduzieren. Ökologie und Ökonomie sind nicht mehr unabhängig voneinander zu betrachten.

Sozial: Hier geht es zum einen um den Nachweis, dass die beschafften Waren unter sozial verträglichen Kriterien gefertigt wurden. Zum anderen positioniert man sich als attraktiver Arbeitgeber im Kampf um die besten Talente und bietet daher innovative Arbeitsmodelle an.

ITM: Inwiefern sind die Unternehmen gar gesetzlich „gezwungen“, entsprechende Anpassungsmaßnahmen in ihrer IT durchzuführen, um zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen? Mit welchen Herausforderungen haben sie hierbei zu kämpfen?
Kosch:
Aufgrund von einschlägigen Gesetzen und Richtlinien müssen sich Unternehmen mit dem Thema beschäftigen – und das ist gut so. Dazu gehören Belange wie Energiesteuererstattung, Berichterstattung und Auditierung. Die Gesetze dahinter sind beispielsweise die Energy Efficiency Directive (EED) der Europäischen Union, die derzeit auf die nationale Gesetzgebung heruntergebrochen wird, sowie das Erneuerbare Energiegesetz (EEG) und das Stromsteuergesetz. Wir bieten mit Eco Track eine Analysemöglichkeit für Unternehmen, ihren ökologischen Fußabdruck zu ermitteln und so die gesetzlichen Vorlagen zu erfüllen.

ITM: Welche Maßnahmen lassen sich recht zeitnah umsetzen, welche müssen eher langfristig in Angriff genommen werden?
Kosch:
Die Beschaffung umweltfreundlicher Hardware lässt sich relativ zeitnah umsetzen. Die Klimaanpassungsstrategien schließen die Standortfaktoren mit ein. Einen etablierten Standort zu wechseln, ist langfristig zu betrachten, selbst wenn erkannt wurde, dass aufgrund des Klimawandels Extremereignisse wie Hochwasser, Sturm oder Hagel zunehmen können.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie der Klimawandelproblematik in Ihrem Unternehmen zu? Wie tragen Sie konkret durch Ihre IT-Produkte, -Lösungen und -Dienstleistungen zur Bekämpfung des Klimawandels bei?
Kosch:
Fujitsu setzt schon seit vielen Jahren auf das Thema „Green IT“ und Nachhaltigkeit. Bereits Anfang der 90er-Jahre stand unsere Umweltpolitik im Zeichen maßgebender Organe und Beschlüsse. 1991 gab der Wirtschaftsverband Keidanren die Prinzipien des „Global Environment Charter“ aus. Im Nachgang des Erdgipfels Rio20+ von 1992 und des dort verabschiedeten Leitpapieres „Agenda 21“ formulierte Fujitsu die erste dedizierte Umweltverpflichtung. Darüber hinaus forderte der Gipfelbeschluss im Jahre 2002 in Johannesburg direkte Aktionsprogramme ein, um die abstrakte Agenda 21 zu konkretisieren. Als 1997 das Kyoto-Protokoll in Kraft trat, hat Fujitsu die Inhalte der ersten Verpflichtungsperiode zusätzlich in seine Umweltziele integriert.

Diese komplexen Anforderungen reflektiert eine dreistufige Umweltpolitik aus folgenden Komponenten:
Langfristige Umweltpolitik: Green Policy 21
Mittelfristige Umweltpolitik: Green Policy 2020
Kurzfristige Umweltprogramme über eine Laufzeit von jeweils 3 Jahren

Wir verstehen Umweltpolitik als Kernprozess. Mit Umweltzielen für alle Geschäftsbereiche führen wir sämtliche Geschäftstätigkeiten in einer nachhaltigen Art und Weise durch, um mit IT-Innovationen den ökologischen Fußabdruck der Gesellschaft zu reduzieren. Beispielsweise Eco Track. Die Green Policy umfasst drei Kernbereiche: Beiträge zum Nutzen von Kunden und der Gesellschaft an sich, Regelwerke für eine interne Optimierung im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität. Diese sind mit jeweiligen Zielvereinbarungen hinterlegt, so dass ein System von ineinandergreifenden Leistungsindikatoren alle Sektoren transparent darstellt.

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