03.07.2017 Hybrid- und Multi-Cloud-Ansätze

Der deutsche Mittelstand und die Cloud

Von: Kathrin Zieblo

Der deutsche Mittelstand und die Cloud – wie passt das zusammen? Auf der einen Seite gilt es, wertvolle Geschäftsdaten, die zugleich das Unternehmenskapital bilden, umfangreich zu schützen – etwa vor Wirtschaftsspionage. Auf der anderen Seite müssen diese Informationen für Mitarbeiter jederzeit verfügbar sein, auch, um (international) wettbewerbsfähig zu bleiben. Derzeit zeichnet sich ein Trend zum Cloud-Mix ab, um alle Anforderungen zu erfüllen.

  • „Hybrid Clouds gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Multi-Clouds sind ein Trend der jüngeren Zeit – hier herrscht sicher noch ein erheblicher Informationsbedarf.“ Dr. Mathias Weber, Bitkom

    „Hybrid Clouds gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren. Multi-Clouds sind ein Trend der jüngeren Zeit – hier herrscht sicher noch ein erheblicher Informationsbedarf.“ Dr. Mathias Weber, Bitkom

  • Inwieweit nutzt Ihr Unternehmen bereits Cloud Computing bzw. plant/diskutiert den Einsatz?

    Inwieweit nutzt Ihr Unternehmen bereits Cloud Computing bzw. plant/diskutiert den Einsatz?

  • Cloud-Nutzung steigt

    Die Cloud-Nutzung steigt

Kleine und mittlere Unternehmen scheinen ihre Vorbehalte gegen das Auslagern von Rechenleistung und speziellen Anwendungen in die Cloud aufgegeben zu haben – zumindest wenn man den Ergebnissen zahlreicher Umfragen und Studien Glauben schenken darf. Diesen zufolge nimmt die Cloud-Nutzung hierzulande in den letzten Jahren beständig zu. Zudem mehren sich die Gründe, aus denen – laut Experten – nicht mehr auf die Cloud verzichtet werden kann.

Vor rund zwei Jahren hat erstmals eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland Cloud Computing eingesetzt. Dies hatte eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag der KPMG AG unter 457 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern ergeben, die im Frühjahr 2016 veröffentlicht wurde. Demnach setzten 54 Prozent der befragten Betriebe 2015 auf die Cloud. Das waren zehn Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Den starken Anstieg führten die Experten bereits damals fast ausschließlich auf kleinere und mittlere Unternehmen zurück. Das Fazit der Erhebung: „Der Mittelstand hat seine Zurückhaltung beim Cloud Computing endgültig abgelegt“, fasste Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, bei der Vorstellung der Studienergebnisse zusammen.

Mit Veröffentlichung des „Cloud Monitor 2017“ im März dieses Jahres wurde deutlich, dass ein erneuter Anstieg um elf Prozent – auf nunmehr 65 Prozent – der Cloud-Nutzung im vergangenen Jahr verzeichnet wurde. „Gab es bislang noch ein großes Gefälle zwischen großen und kleinen Unternehmen, hat sich der Anteil der Cloud-Nutzer inzwischen stark angeglichen. In Unternehmen mit 20 bis 99 Mitarbeitern liegt die Cloud-Nutzung aktuell bei 64 Prozent, in Unternehmen mit 100 bis 1.999 Mitarbeitern sind es 69 Prozent“, schildert Dr. Mathias Weber, Bereichsleiter IT-Services beim Bitkom.

Hybrid- und Multi-Cloud-Ansätze

Eine Hybrid Cloud integriert eine Private Cloud mit den Ressourcen einer Public Cloud. In diesem Fall betreibt ein Unternehmen seine eigene Cloud-Infrastruktur und nutzt die Skalierbarkeit und Skaleneffekte eines Public-Cloud-Anbieters.

Eine Multi-Cloud-Umgebung besteht aus einer unbestimmten Anzahl von unterschiedlichen Cloud-Anbietern verschiedener Ausprägungen (IaaS, PaaS, SaaS) und Deployment-Modellen (Public, Private, Managed). Die jeweiligen Cloud-Umgebungen müssen zwangsläufig nicht vollständig miteinander integriert sein.

Quelle: Crisp-Research-Studie „Multi-Cloud-Management im deutschen Mittelstand. Hybrid- und Multi-Cloud-Konzepte als Basis der digitalen Transformation“

Diese Zahlen bestätigt auch Jochen Walter, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei AWS in Deutschland, wenn er sagt, dass „die große Mehrzahl mittelständischer Unternehmen um die Vorteile weiß, die Cloud Computing für deren Digitalisierungsstrategie bietet“. Denn mittlerweile gilt in vielen Betrieben eine wohlüberlegte Cloud-Strategie nicht nur als De-Facto-Standard der IT, sondern auch als (nahezu unverzichtbares) Kernelement der Digitalisierung. „Dies ist unabhängig davon, ob wir in diesem Kontext beispielsweise von der Vernetzung von Maschinen oder der Digitalisierung von Prozessen und ganzen Geschäftsmodellen sprechen“, ergänzt Walter.

„Aus unserer Sicht bietet die AWS-Cloud unseren Kunden fünf Vorteile: eine hohe Agilität und Elastizität, da IT-Ressourcen exakt dann und in dem Maße konsumiert werden können, wie sie gebraucht werden. Durch Skaleneffekte bedingte Kosteneinsparungen, die Anbieter wie wir an unsere Kunden weitergeben. Eine Vielzahl an Funktionalitäten und Innovationen, die Kunden aus eigener Kraft so kaum in ihrer eigenen IT-Infrastruktur abbilden könnten. Und: Unternehmen können ihre Anwendungen einfach und innerhalb von Minuten global ausrollen.“ Jochen Walter, AWS Deutschland

Auch die Stichwörter Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung und Kostenvorteile spielen bei der Entscheidung pro Cloud eine ausschlaggebende Rolle. Denn Unternehmen profitieren von der „bedarfsgerechten Nutzung von IT-Leistungen wie beispielsweise Software, Speicherplatz oder Rechenleistung über Datennetze“, wie Mathias Weber weiter ausführt. „Das Unternehmen kann bei Bedarf rasch zusätzliche Leistung einkaufen, ohne dafür in teure Hardware investieren zu müssen, die dann womöglich nur zu ganz geringen Spitzenlastzeiten ausgelastet ist.

Die Agilität ist der größte Vorteil bei der Cloud-Nutzung.“ Untermauert wird diese Aussage durch die im Rahmen der Umfrage „Was kostet die Cloud?“ gesammelten Antworten, durchgeführt von Research In Action im Auftrag von Interxion unter mehr als 500 IT-Entscheidern mit Budgetverantwortung in deutschen Unternehmen verschiedener Branchen. Demnach sehen Unternehmen hierzulande neben den Kostenvorteilen die Vereinfachung der Testumgebung (9,7 Prozent), skalierbare IT-Ressourcen (9,4 Prozent) sowie eine schnelle Umsetzung, Verfügbarkeit und Rollout (8,9 Prozent) als größtes Cloud-Plus.

Sicherheitsbedenken abgebaut

Zu Beginn des aufkommenden Cloud-Trends begegneten viele Unternehmensverantwortliche diesem mit Misstrauen – vor allem Sicherheitsbedenken in Form von unberechtigten Zugriffen auf sensible Unternehmensdaten oder Datenverluste spielten dabei eine Rolle.

Inzwischen haben sich diese Vorbehalte nicht zuletzt durch die Angebote deutscher Cloud-Anbieter gelegt. Insbesondere beim Betrieb von Rechenzentren in Deutschland gelten Cloud-Services in Bezug auf Betriebssicherheit, Datensicherheit und Datenschutz als sicher und zuverlässig. „Wichtig ist eine Cloud-Strategie, zu der auch eine Sicherheitsstrategie gehört. Sorge um die Sicherheit der Daten sind allerdings meist unbegründet“, bekräftigt Mathias Weber. „Unternehmensdaten sind in der Cloud mindestens so gut geschützt wie in internen IT-Systemen – vor allem dann, wenn es womöglich keine personell gut besetzte IT-Abteilung gibt, die für die entsprechende Sicherheit der eigenen Systeme sorgt“. Auch US-amerikanische Cloud-Anbieter haben in Folge der Geheimdienstaffären und daraus resultierender Cloud-Skepsis reagiert und Rechenzentren in Deutschland und Europa gebaut, um zu gewährleisten, dass Daten im Rechtsgebiet der EU bleiben. Hinzu kommt die Tatsache, dass sich unter den Mitarbeitern ein stärkeres Bewusstsein für Anwendungen aus der Cloud entwickelt hat, schließlich werden diese vermehrt auch im privaten Alltag genutzt.

Während vor ein paar Jahren hauptsächlich auf die Private Cloud zurückgegriffen wurde, weil die Nutzung über das öffentliche Internet zu unsicher schien, lässt sich nun ein Wandel beobachten. Denn mit der generellen Akzeptanz der Cloud wächst nun die Bereitschaft in Unternehmen, eigene IT-Ressourcen abzubauen oder Private Clouds an externe IT-Dienstleister zu vergeben. Zugleich zeichnet sich ein Aufschwung im Bereich Public Cloud ab. Dies ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass „Private Clouds deutlich teurer sind und nicht die Agilität, die die Public Cloud liefert, bieten“, argumentiert Jochen Walter.

Ähnliches bestätigt die bereits erwähnte Befragung „Was kostet die Cloud?“, laut derer Unternehmen, die weniger kritische Workloads in die Public Cloud verlagern, von einem Kostenvorteil profitieren. Demnach konnten etwas mehr als die Hälfte der IT-Entscheider (51,2 Prozent) seit der Einführung der Cloud-Dienste zwischen 50 und 75 Prozent einsparen.

Trend zum Cloud-Mix

Dennoch gibt es immer noch einige Gründe – beispielsweise das Sicherheitsbedürfnis der jeweiligen Daten und Prozesse oder ein für das jeweilige Szenario nicht ausreichendes Standardangebot –, die mittelständische Betriebe davon abhalten, vollständig auf die Public Cloud zu setzen. In solchen Fällen, in denen nicht zwischen einer privaten und einer öffentlichen Cloud gewählt werden kann, bietet sich mit einer hybriden Lösung ein guter Mittelweg. „Hybrid Clouds sind mögliche Nutzungskombinationen von Private Clouds, Public Clouds und traditioneller IT-Umgebung“, erläutert Mathias Weber. Das bedeutet, bestimmte Services laufen bei externen Anbietern über das Internet, während datenschutzkritische Anwendungen im Unternehmen betrieben und verarbeitet werden.

Allerdings weiß Weber auch zu berichten, dass „Unternehmen zumeist ihre eigenen On-Premise-Systeme nutzen und zusätzlich zahlreiche Cloud-Services, oft von verschiedenen Providern. Aus diesem Grund entstehen neben Hybrid Clouds auch Multi-Clouds“. Mithilfe des Multi-Cloud-Ansatzes können sich Anwender das Beste aus den entsprechenden Cloud-Angeboten herauspicken und zugleich das Ausfallrisiko minimieren, indem mehrere Anbieter einbezogen werden.

Dass dieses Thema recht schnell für Anwender unüberschaubar werden kann, zeigt sich darin, dass eine Multi-Cloud in den meisten Fällen hybrid ist, es aber nicht zwangsläufig sein muss. Das kommt daher, dass jene Mischform häufig aus einer privaten Cloud besteht und zugleich mehrere öffentliche Clouds von verschiedenen Anbietern bezogen werden. In diesem Fall handelt es sich tatsächlich um eine hybride Multi-Cloud. Werden hingegen „nur“ Public- oder Private-Services verschiedener Anbieter bezogen, handelt es sich um eine reine Multi-Cloud-Umgebung.

An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Möglichkeiten, die sich Unternehmen durch Cloud Computing bieten, sehr vielfältig sind und daher auch schnell komplex werden können. Dennoch sollte „jedes Unternehmen den Einsatz von Cloud-Lösungen zumindest einmal prüfen“, rät Mathias Weber. Dabei sollten Unternehmen jedoch berücksichtigen, dass die Cloud als solche kein Ort – auch kein virtueller – ist, sondern vielmehr als eine Strategie verstanden werden muss, mit deren Hilfe sich IT-Services flexibel und hochverfügbar bereitstellen lassen, ein Zugewinn an IT-Sicherheit möglich wird und auch die digitale Transformation vorangetrieben werden kann.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

 

 

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