08.03.2017 Einstieg in Online-Handel trotz geringem Budget

Der Webshop zur Miete

Von: Kathrin Zieblo

Worauf es bei der Auswahl einer Shop-Software für den Webshop eines Mittelständlers ankommt, berichtet Oliver Kraft, Geschäftsführer der Sologics GmbH.

Oliver Kraft, Geschftsführer Sologics

„Einzelhändler mit geringem Budget und wenig technischen Know-how können mit Mietlösungen ein virtuelles Schaufenster für ihr lokales Geschäft einrichten und online sichtbar werden", so Oliver Kraft, Geschftsführer Sologics.

ITM: Herr Kraft, wollen kleine und mittelständische Unternehmen einen Online-Shop eröffnen, stehen sie zunächst vor der Wahl der richtigen Software und der Frage „Mieten, kaufen oder auf Open-Source setzen“? Anhand welcher Kriterien ist es ratsam diese Entscheidung zu treffen?
Oliver Kraft:
Mietlösungen und Open-Source-Lösungen eignen sich zum Ausprobieren verschiedener Lösungen und wenn grafisches und technisches Know-how vorhanden ist, um die Lösung betriebsfähig zu machen. Im professionellen Umfeld dann, wenn E-Commerce als ernstzunehmender, eigenständiger Vertriebsweg gesehen wird, sind die Kauflösungen mit direktem Herstellersupport die beste Wahl.

In jedem Fall spielt natürlich das Budget eine Rolle. Einfache Lösungen beginnen inklusive Dienstleistung um die 10.000 Euro und bereits in der breiten Range von 30.000 Euro bis 150.000 Euro lassen sich belastbare komplexere Lösungen entwickeln. Nach oben hin ist natürlich keine Grenze gesetzt.

ITM: Welche Funktionen sind in einem modernen Shop-System heute unerlässlich?
Kraft:
Eine gute Suchfunktion, Filterfunktionen und verschiedene Zahlmethoden sind nach wie vor wichtig. Diese und viele weitere Funktionen stellen aber alle relevanten, großen Shop-Systeme allesamt zur Verfügung. Interessanter ist es daher z.B. auf vorhandene Anbindungen zu externen Systemen, wie einem Kassensystem, einer Warenwirtschaft oder einem Versanddienstleister zu achten.

Am wichtigsten ist es jedoch dem Shop-Kunden sinnvolle Services für seinen Bedarf zu bieten. Das kann eine Video-Produktvorführung, ein Chat, ein Konfigurator, ein Effizienzvergleich, FAQ oder ein Servicebereich mit technischen Dokumenten sein. Ein guter Online-Shop darf heute keinen Service, den der Kunde wünscht, verhindern.

ITM: Welche Vor- und Nachteile bieten Webshops zur Miete?
Kraft:
Mietlösungen der großen Anbieter sind meist Komplettlösungen aus Hosting/Betrieb und der Shop-Miete. Der Vorteil ist, dass sich der Betreiber nicht um die Technik, Updates, Sicherheits-Patches und den Serverbetrieb kümmern muss. Alles das ist in der Regel in einer kleinen monatlichen Miete enthalten.

Nachteile sind hier, dass Anpassungen am Shopdesign und Sonderfunktionen, die nicht zum Standardumfang eines Shops gehören, in der Regel nicht umsetzbar sind und deren Standard-Schnittstellen meist nicht erweitert werden können. Die Shops kommen dann oftmals im Design und den Funktionen etwas uniformiert her und eine Differenzierung vom Wettbewerb wird für den Betreiber schwieriger.

ITM: Für wenn kommt ein Miet-Shop infrage? Und wann ist es hingegen ratsam auf einen Kauf-Shop zurückzugreifen?
Kraft:
Einzelhändler mit geringem Budget und wenig technischen Know-how können mit Mietlösungen ein virtuelles Schaufenster für ihr lokales Geschäft einrichten und online sichtbar werden. Wer hingegen einen relevanten Umsatzanteil über E-Commerce erwirtschaften möchte und seinen Kunden Mehrwerte in Form von Service und Lösungen bieten möchte, braucht Flexibilität. Hier muss der Betreiber in der Regel zusammen mit seinem E-Commerce-Dienstleister die Shop-Lösung beliebig anpassen und erweitern können. Kauf-Lösungen bieten genau diese Flexibilität in Verbindung mit Investions- und Zukunftssicherheit durch Hersteller-Support und Wartung.

ITM: Häufig werden die Begriffe „Open-Source-Software“ und „kostenfrei“ miteinander verbunden, dies ist oft ein Trugschluss. An welcher Stelle entstehen Kosten?
Kraft:
Externe Dienstleistung für Beratung, Implementierung und Integration, Optimierung sowie für Wartung und Support fallen auch bei Open-Source an. Für einen nicht technisch orientierten Betreiber der auf Dritte angewiesen ist, kann Open-Source ein teures Risiko sein, denn es gibt keinen Hersteller der bei Problemen helfen kann. Zudem sind manche Funktionen, dann doch den kommerziellen Lösungen vorbehalten. Man sollte also genau prüfen ob die Open-Source Lösung alle Anforderungen abdecken kann.

ITM: Mit welcher Software-Variante gelingt die Anbindung an ein Marktplatzsystem?
Kraft:
Ich habe viel zu viele schlechte Shop-Anbindungen an Marktplätze gesehen, als dass ich den Shop für die richtige Lösung halte. Wer eine Mehr-Kanal-E-Commerce-Strategie mit der Anbindung mehrere Marktplätze, des Shops und vielleicht sogar einem stationären Geschäft umsetzen möchte, sollte sich mit einer zentralen Lösung (Middleware) zur Steuerung dieser Aktivitäten suchen. Hier gibt es einige gute Anbieter auf dem Markt

ITM: Was spricht grundsätzlich für oder gegen eine solche Anbindung?
Kraft
: Marktplätze bringen Reichweite, Produktsuchen finden heute überwiegend direkt bei Amazon statt. Für Hersteller ist es nach wie vor interessant sich mit einer guten Strategie und professionellem Know-how dort zu etablieren. Für den reinen Händler ist es dagegen schwierig denn die Konkurrenz dort ist groß und wächst. Mit einem Allerweltsprodukt, einem mittelmäßigen Preis und mehrtägiger Lieferzeit verschwindet man in der Beliebigkeit.

ITM: Mit welchen Tipps gelingt Mittelständlern der Einstieg in das Online-Shop-Geschäft?
Kraft:
„Online-Handel ist nichts für Warmduscher,“ sagte Professor Gerrit Heinemann in der FAZ vom 29.03.2016. Darüber müssen sich Einsteiger im Klaren sein. Das heißt:

  • Services bieten! Der Dreiklang Produkt, Preis, Verfügbarkeit, gepaart mit einem aktuellen Shop reicht nicht um gegen die großen Player aufspielen zu können.
  • Anbieter müssen es darüber hinaus schaffen, ihren Kunden Services zu bieten, die besser sind als der Wettbewerb. Sie müssen schnell auf Anforderungen des Marktes reagieren und agil sein.
  • Nicht stehen bleiben! E-Commerce als Einmal-Projekt scheitert! Online-Handel ist kein Projekt sondern ein lebendes System, das nicht stehenbleibt und sich kontinuierlich weiterentwickeln muss.
  • Jetzt Handeln! Denn die Welt da draußen macht es schon. Professionelle Dienstleister helfen, ein Online-Geschäftsmodell zu entwickeln und (teure) Fehler zu vermeiden

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