28.02.2017 Shop-Software: Mieten, kaufen oder Open Source

Der Weg zum eigenen Online-Shop

Von: Kathrin Zieblo

Wer sich für den Einstieg in den Online-Handel entscheidet, braucht ein passendes Shop-System. Das lässt sich mieten, kaufen oder über Open Source auch kostenlos beziehen. Doch welches System eignet sich für das eigene Vorhaben und welche Kosten entstehen dabei?

Einstieg in den Online-Handel: Auswahl der Software ist entscheidend

Die Wahl des richtigen Shop-Systems ist abhängig von den geplanten Aktivitäten im Online-Vertrieb.

Der Einstieg in den Online-Handel ist inzwischen für kleine und mittelständische Unternehmen unumgänglich geworden. Wer einen eigenen Webshop eröffnen möchte, dem bieten sich zahlreiche Möglichkeiten zur Realisierung. Die auf dem Markt zur Verfügung stehenden Software-Lösungen variieren in Hinblick auf den Preis, die Funktionalitäten und die Art der Installation. Abhängig vom eigenen Know-how und den personellen Ressourcen spielen auch das Budget sowie das geplante Geschäftsmodell eine Rolle bei der Entscheidung für ein System. Ist ein sanfter Einstieg in den E-Commerce mit geringem Startkapital vorgesehen oder herrschen große Ambitionen in Bezug auf Produktsortiment und Umsatzziele? Eine sorgfältige Vorbereitungsphase ist auch deshalb wichtig, um einen späteren Wechsel auf ein anderes Shop-System zu verhindern, denn dieser ist nicht selten mit hohem Aufwand und Kosten verbunden.

Grundsätzlich lassen sich drei verschiedene Shop-System-Typen unterscheiden: Lösungen zur Miete und zum Kauf sowie Open-Source-Webshops. „Miet- und Open-Source-Lösungen eignen sich zum Ausprobieren verschiedener Lösungen und wenn grafisches und technisches Know-how vorhanden ist, um die Lösung betriebsfähig zu machen. Im professionellen Umfeld, wenn E-Commerce als ernstzunehmender, eigenständiger Vertriebsweg gesehen wird, sind Kauflösungen mit direktem Hersteller-Support die beste Wahl“, fasst Oliver Kraft, Geschäftsführer der Sologics GmbH, die unterschiedlichen Modelle zusammen.

Ein Webshop zur Miete

Vor allem für kleine Händler und Online-Anfänger ist die Mietvariante – auch als Software as a Service (SaaS) bekannt – empfehlenswert, weil der Einstieg mit einem vorkonfigurierten Shop-System weniger riskant ist. Die Software wird als fertige Installation auf dem Server eines Webhosters – zumeist als All-in-One-Service – zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, neben der eigentlichen Software ist in dem Mietpaket meist auch eine eigene Shop-Domain enthalten. Zudem können Nutzer auf Designvorlagen zugreifen. „Der Vorteil ist, dass sich der Betreiber nicht um Technik, Updates, Sicherheitspatches und den Server-Betrieb kümmern muss“, betont Oliver Kraft. Dem Händler obliegt somit „nur“ das Einpflegen sämtlicher Produktinformationen sowie die Ver-waltung der Bestellungen. Ergänzend fügt Robert Queck, Leiter Competence Center E-Commerce bei Arithnea hinzu, dass die Aktualität der Shop-Software nicht zu vernachlässigen sei. „Bei Miet-Shop-Software werden Standards, Integrationsfähigkeit und State-of-the-Art-Funktionen durch Neukunden ständig erzwungen.“

Grenzen der Skalierbarkeit

So einfach der Einstieg auf diese Weise gelingen kann, so eingeschränkt sind häufig auch die Anpassungsmöglichkeiten. „Miet-Shop-Systeme sind teilweise sehr starr und stoßen schnell an ihre Grenzen. Sie sind nur sehr begrenzt zu individualisieren und sobald Sonderanforderungen notwendig sind, können diese Anforderungen nicht realisiert werden“, führt Oliver Feldmann, Geschäftsführer der Webshop Factory, an. Auch die Anbindung von zusätzlichen Services kann mitunter problematisch sein. Wer beispielsweise ein Zahlungssystem zur Verfügung stellen will, das der Miet-Shop-Anbieter nicht unterstützt, kann darauf keinen Einfluss nehmen.

Die Höhe der zumeist monatlichen Miete setzt sich bei jedem Anbieter verschieden zusammen. So richten sich die Kosten etwa nach den enthaltenen Funktionen wie beispielsweise der maximalen Anzahl einstellbarer Artikel. Genauso können aber auch der Traffic oder die (monatlichen) generierten Umsätze berücksichtigt werden. Neben den offensichtlichen Betriebskosten können weitere Gebühren anfallen, z.B. wenn spezielle Zahlungsdienste genutzt oder Angebote von Preissuchmaschinen in Anspruch genommen werden. „Ausgereifte SaaS-Shops bieten bereits im Standard umfangreiche Leistungen zur Verkaufsförderung, Suchmaschinenoptimierungen für verschiedene Absatzkanäle und Ländershops sowie Schnittstellen zu Drittsystemen wie Warenwirtschaft/ERP, die für einen erfolgreichen Online-Handel essentiell sind“, fügt Johannes W. Klinger, Vorstandsvorsitzender der Websale AG, hinzu.

Webshop-Software zum Kauf

Anders als bei der genannten Miete ist der Kauf von Software-Lizenzen zunächst mit einem hohen Anschaffungspreis verbunden, langfristig soll diese Aufwendung allerdings geringer als bei einem gemieteten System sein. Doch Robert Queck warnt vor einer vorschnellen Entscheidung: „Dass Kauf-Software auf lange Sicht günstiger ist, lässt sich pauschal nicht bestätigen. Hohe Kosten im Eigenbetrieb, Wartungskosten und komplexe Relaunch-Projekte gealterter Systeme nach drei bis sechs Jahren bewirken eher das Gegenteil.“

Das Einrichten sowie der Betrieb des Shops liegen in der Hand des Händlers. Erforderlich dafür ist neben dem entsprechenden IT-Fachwissen die notwendige technische Infrastruktur, ebenso wie ausreichende Server-Kapazitäten. Abgesehen vom Support durch einen festen Ansprechpartner, sind die Gewährleistung und die Haftung des Herstellers für sein Produkt ein wichtiges Argument für Anwender.

Kostenlose Open-Source-Shop-Software?

Auf den ersten Blick bieten diese Systeme den günstigsten Zugang zum E-Commerce, weil sie zumindest anfänglich kostenlos bereit stehen. Wer über Programmierkenntnisse verfügt, kann ohne Investitionen starten, alle anderen – und das dürfte unter den mittelständischen Händlern die Mehrheit sein – müssen auf einen externen Dienstleister zurückgreifen. Für die Inbetriebnahme sowie sämtliche über den Standard hinaus gewünschten Anpassungen fallen dann erhebliche Kosten an. „Bei Agenturtagessätzen um die 700 Euro kommt schnell eine stolze Summe zusammen, denn ein Shop erfordert oft mehrere Manntage Anpassungen, bis er online gehen kann“, warnt Oliver Feldmann.

Obwohl der Quellcode der Software in der Regel kostenlos verfügbar ist, sollte Nutzern klar sein, „dass die Hersteller in irgendeiner Form gegenfinanzieren müssen. Die Geschäftsmodelle reichen beispielsweise über den Abschluss von Enterprise-Support-Verträgen – dann auch mit Herstellergarantie – bis hin zu Dokumentations- und Consulting-Leistungen“, berichtet Robert Queck.
Auch in Bezug auf (regelmäßige) Updates können Anwender vor einer Herausforderung stehen. „Dabei ist nicht das Einspielen an sich problematisch, sondern die Aufrechterhaltung der vollen Funktionsfähigkeit nach dem Update oder gar einer Garantie, dass der Shop nach dem Update noch mit allen Funktionen läuft“, weiß Johannes W. Klinger zu berichten. Häufig zieht dies neuerliche, kostenverursachende Anpassungen nach sich. Da wundert es nicht, dass so mancher Betreiber der Einfachheit halber auf die eine oder andere Aktualisierung verzichtet. Welche Folgen dies haben kann, führt Klinger weiter aus: „So laufen Online-Shops nach der Inbetriebnahme oft mehrere Jahre fast unverändert weiter, bis die Ansprüche der Kunden und damit die Anforderungen des Marktes so weit vom Stand des Shops entfernt sind, dass sie einen technologischen Wechsel erzwingen. Das bedeutet nicht selten ein Zurückbleiben hinter den Mitbewerbern.“

Mit Weitsicht planen

Früher oder später gelangen viele Shop-Betreiber an einen Punkt, an dem die Standardversion einer Software nicht mehr ausreichend ist – sei es aufgrund von Veränderungen im Sortiment, höherer Produktivität oder der Anbindung weiterer Systeme wie Warenwirtschaft, Rechnungs- oder Lagerwesen. „Wichtig ist, sich die Flexibilität für Veränderungen in konzeptioneller, technischer und finanzieller Hinsicht zu bewahren“, rät Robert Queck. Aus diesem Grund sollten Mittelständler von Beginn an auf ein Shop-System setzen, das zu ihrem jeweiligen Business-Modell passt.

„Ob die Software letztendlich gemietet oder gekauft wird, ist nicht entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Online-Shops“, so Oliver Feldmann. Ausschlaggebend ist vielmehr, in Zeiten nahezu vollständiger Markttransparenz – mit nur wenigen Klicks können Preise und Leistungen verglichen werden –, mit besonderem Service, z.B. in Form von kundenfreundlichen Lieferkosten und -zeiten, herauszustechen. Zufriedene Kunden sind schließlich die zuverlässigsten Umsatzbringer.


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