10.04.2017 Webshop zu Miete oder lieber Software kaufen?

Die richtige Shop-Software auswählen

Von: Kathrin Zieblo

Wie Mittelständlern der erfolgreiche Einstieg in das Online-Shop-Geschäft gelingt, berichtet Johannes W. Klinger, Vorstandsvorsitzender der Websale AG, im Interview.

Johannes W. Klinger, Websale AG

„Die Auswahl der Shop-Plattform mit Software und Shop-Betrieb entscheidet wesentlich über die mögliche Umsatzentwicklung und sollte daher den gleichen strengen Auswahlkriterien unterliegen, wie jede andere geschäftsrelevante Entscheidung", rät Johannes W. Klinger, Websale AG.

ITM: Herr Klinger, wollen kleine und mittelständische Unternehmen einen Online-Shop eröffnen, stehen sie zunächst vor der Wahl der richtigen Software und der Frage „Mieten, kaufen oder auf Open-Source setzen“? Anhand welcher Kriterien ist es ratsam diese Entscheidung zu treffen?
Johannes W. Klinger: Die Leistungen des Shop-Systems, seine Betreuungsaufwände und die Dauer seiner Nutzbarkeit beeinflussen maßgeblich den Erfolg des Online-Shops und nicht nur die am Anfang sichtbare Bedienoberfläche oder einen vermeintlich kostengünstigen Start. Daher sind bei der Auswahl des Shop-Systems neben finanziellen Kriterien einige zusätzliche Anforderungen für einen professionellen Online-Handel essentiell.

Die Shop-Plattform muss funktional auf der Höhe der Zeit, rechtssicher und nach aktuellen Sicherheitsstandards entwickelt sein. Das muss der Hersteller zum einen garantieren. Zum anderen gehört es zu seinen Aufgaben, die Shop-Plattform kontinuierlich sowie nachvollziehbar zu dokumentieren, weiterzuentwickeln und zu pflegen. Zudem muss das Front-End gut designbar sein und bleiben, um Marke, Werte und Produkte verkaufsförderlich im Sinne des Managements zu präsentieren.

ITM: Welche Funktionen sind in einem modernen Shop-System heute unerlässlich?
Klinger:
Jeder zehnte Online-Kunde bestellt bereits über Smartphone, Tablet oder andere mobile Geräte; jeder fünfte nutzt sie zumindest, um sich über Produkte zu informieren. Online-Shops müssen deshalb unbedingt eine Oberfläche erzeugen können, die für mobile Geräte optimiert ist. Außerdem muss das Shop-System in hoher Geschwindigkeit und mit geringen Datenmengen auf Seitenabrufe antworten.

Eine Möglichkeit dafür ist es, Shops im Responsive Design darzustellen. Die Darstellung passt sich dabei automatisch an die Bildschirmgröße des vom Nutzer verwendeten Gerätes an, wobei möglichst der komplette Funktionsumfang des Shops erhalten bleiben sollte. Jedoch ist zu beachten, dass der Trend inzwischen verstärkt in Richtung "mobile optimierte Sub-Shops" geht. Das Shop-System sollte also beide Varianten unterstützen.

Da die Performance des Online-Shops in direktem Zusammenhang mit der Kundenzufriedenheit und dem Suchmaschinenranking steht, wird in jedem Fall eine Shop-Optimierung für sämtliche mobilen Geräte zum Muss.

ITM: Welche Vor- und Nachteile bieten Webshops zur Miete?
Klinger:
Miet-Shop ist nicht gleich Miet-Shop. Man unterscheidet dabei zwischen einfachen Miet-Shops, die sich besonders für kleine Einsteiger-Shops eignen und bereits vorgefertigte Shop-Layouts bieten.

Gehobene Miet-Shops für den professionellen Online-Handel (SaaS-Shops) bieten hingegen ein Komplettpaket aus Software und Support inklusive Betrieb, Wartung, laufend eingespielten Updates samt Funktionsgarantie für den Shop sowie eine individuelle Designbarkeit zur optimalen CI-Darstellung und Zielgruppenansprache. Zudem bieten ausgereifte SaaS-Shops bereits im Standard umfangreiche Leistungen zur Verkaufsförderungen, Suchmaschinenoptimierungen, Ausprägungen für verschiedene Absatzkanäle und Ländershops sowie Schnittstellen zu Drittsystemen wie Warenwirtschaft/ERP, die für einen erfolgreichen Online-Handel essentiell sind.

Ein wesentlicher Vorteil eines SaaS-Shops ist allerdings, dass der Händler nur einen Ansprechpartner für alle Bereiche hat. Die Verantwortung sowohl für die einwandfrei funktionierende Shop-Software als auch den zuverlässigen Shop-Betrieb ist dadurch klar definiert. Der Shop-Betreiber kann sich auf sein Kerngeschäft fokussieren, um die technischen Belange kümmert sich der Shop-System-Anbieter.

Da es sich um Standardsysteme handelt, sind sehr individuelle Programmierungen für spezielle Branchenlösungen je nach Anbieter nur bedingt möglich.

ITM: Für wenn kommt ein Miet-Shop infrage? Und wann ist es hingegen ratsam auf einen Kauf-Shop zurückzugreifen?
Klinger:
Ein Kauf-Shop ist ratsam, wenn der Shop auf eigenen Servern betrieben werden soll und der Händler den Support des Softwareherstellers wünscht.
Einfache Miet-Shops im Bereich bis etwa 150,- EUR pro Monat sind tendenziell eher für Verkäufer mit geringeren Verkaufszahlen geeignet. SaaS-Shops hingegen bieten gerade durch die gute Skalierbarkeit Mehrwerte für mittelständische Unternehmen oder Fachhändler, die jetzt oder später expandieren möchten oder die neu aber professionell in den E-Commerce einsteigen möchten. Egal wie stark das Bestellaufkommen in einem Shop anwächst, wie viele Länder bedient werden sollen, wie viele Zielgruppen mit welchen Endgeräten, das System kann ohne Wechsel weiter genutzt werden. Dabei muss weder Hardware angeschafft noch extra gebucht werden. Der Shop des Versandhändlers wird bei entsprechend ausgewähltem Anbieter stets automatisch mit der notwendigen Rechnerleistung versorgt.

Händler, die die Websale Shop-Plattform nutzen, profitieren z.B. von einem Konzept, das einen maximalen Umsatz des Händlers bei geringem Aufwand fokussiert und dabei auch höchste Maßstäbe bei der Sicherheit und dem Datenschutz setzt. Das ist insbesondere im Hinblick auf die nächstes Jahr kommende EU-Datenschutzverordnung wichtig. Zudem stehen alle Weiterentwicklungen der Software jedem Händler stets „in Echtzeit“ und mit Funktionsgarantie für jeden Shop nutzungsfertig installiert zur Verfügung, ohne dass die Versender stunden- oder tagelange Update-Prozeduren und Funktionstests durchführen müssen.

ITM: Häufig werden die Begriffe „Open-Source-Software“ und „kostenfrei“ miteinander verbunden, dies ist oft ein Trugschluss. An welcher Stelle entstehen Kosten?
Klinger:
Erhebliche Kosten entstehen nicht nur anfänglich durch die Agenturleistung zum Aufbau und der designerischen und funktionalen Anpassungen des Shops, sondern vor allem in der Folgezeit, z.B. wenn Software-Updates eingespielt werden müssen. Dabei ist nicht das Einspielen des Updates an sich problematisch, sondern in vielen Fällen die Aufrechterhaltung der vollen Funktionsfähigkeit nach dem Update oder gar einer Garantie, dass der Shop nach dem Update noch mit allen Funktionen läuft. Damit der Shop auch nach dem Update stabil und mit allen Features voll funktionsfähig ist, müssen oft wiederholt Anpassungen durchgeführt werden.

Hohe Arbeitsaufwände sowie erhebliche Betriebsrisiken sind daher unter anderem nachvollziehbare Gründe dafür, dass Updates teilweise überhaupt nicht eingespielt werden. So laufen Online-Shops nach der Inbetriebnahme oft mehrere Jahre fast unverändert weiter, bis die veränderten Ansprüche der heutigen Kunden und damit die Anforderungen des Marktes so weit vom Stand des Shops entfernt sind, dass sie einen technologischen Wechsel erzwingen. Das bedeutet nicht selten ein Zurückbleiben hinter dem Mitbewerb und dazu auch noch wachsende Sicherheitsrisiken wegen fehlender Sicherheitsupdates.

Wer sich für den Einstieg in den Online-Handel entscheidet, braucht ein passendes Shop-System. Das lässt sich mieten, kaufen oder über Open Source auch kostenlos beziehen. Wie der "Weg zum eigenen Online-Shop gelingt" >>>

ITM: Mit welcher Software-Variante gelingt die Anbindung an ein Marktplatzsystem?
Klinger:
Die Anbindung an Marktplätze gelingt über einen spezialisierten Anbieter, der über entsprechende Schnittstellen an den Shop angebunden wird.

ITM: Was spricht grundsätzlich für oder gegen eine solche Anbindung?
Klinger:
Über eine Anbindung erhält der Shop weitere Marktzugänge. Durch die Verfügbarkeit der eigenen Produkte auf anderen Plattformen, treten diese jedoch in Konkurrenz zum eigenen Shop. Zudem werden wertvolle Kundeninformationen dem Marktplatzbetreiber überlassen.

ITM: Geben Sie drei Tipps, wie Mittelständlern der Einstieg in das Online-Shop-Geschäft gelingt.
Klinger:
Die Auswahl der Shop-Plattform mit Software und Shop-Betrieb entscheidet wesentlich über die mögliche Umsatzentwicklung und sollte daher den gleichen strengen Auswahlkriterien unterliegen, wie jede andere geschäftsrelevante Entscheidung.

Entscheidend sind nicht nur die heutigen Anforderungen an ein Shop-System, sondern auch der Blick in die Zukunft. Händler sollten sich vor dem Wechsel des Systems die Frage stellen, wo sie in den nächsten Jahren stehen möchten. Sollen die Produktpalette oder die Zielgruppen möglicherweise erweitert werden? Ist der Vertrieb auch im Ausland oder in anderen Sprachen geplant? Und sollen dazu eigene Themen-Shops bereitstehen? Da nicht jede Entwicklung planbar ist, sollte das neue System deswegen prinzipiell die Möglichkeit bieten, mit angemessenem Aufwand auf Unternehmensentwicklungen sehr flexibel reagieren zu können und bei Bedarf den Shop mitwachsen zu lassen.

Ebenso entscheidend für die Wahl des künftigen Shop-Systems ist die Anbindungsmöglichkeit von Drittsystemen, wie ERP-Hersteller oder Payments. Das betrifft sowohl neue Anbindungen als auch die Kompatibilität mit bestehenden Anbietern. Mit einer detaillierten Ist-Analyse können Shop-Betreiber feststellen, welche Schnittstellen zwischen den Systemen verfügbar sind respektive welcher Aufwand notwendig ist, diese aufeinander abzustimmen.

Mehrwerte ergeben sich besonders, wenn das Shop-System bereits eine langjährige, strategische Kooperation und damit eng aufeinander abgestimmte Abläufe mit wichtigen Drittsystemen bietet. Beispielsweise für die Verbindung zwischen Shop und Warenwirtschaft ergeben sich dadurch neben der engen Vernetzung und kurzen Projektphasen auch langfristig Mehrwerte, wenn Weiterentwicklungen von den Systemanbietern bereits von vornherein aufeinander abgestimmt werden.

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