Daniel Baron war wenig begeistert, als sein Chef Bernd Forstreuter ihm eröffnete: „Ab jetzt machen wir bei Facebook mit.“ Der 26-jährige Systemadministrator ist privat viel auf Social-Media-Plattformen unterwegs. Er weiß, dass die Seite, die den „Gefällt mir“-Button weltberühmt gemacht hat, wenig von Datenschutz und Urheberrechten hält. Auch, dass immer wieder Viren und Trojaner über Facebook in Rechner und Netzwerke gelangen, ist Baron bekannt. Um die Sicherheit bemüht, wollte er den Geschäftsführer des mittelständischen Elektronikspezialisten Heldele umstimmen. Doch die Botschaft war eindeutig: Heldele braucht als wachsendes Unternehmen Nachwuchskräfte. Und wer die junge Generation ansprechen will, muss auf den Kanälen präsent sein, wo die heute 13- bis 24-Jährigen chatten und ihre Freizeit verbringen.
Die Profilseiten waren schnell erstellt. Doch weil die Order aus der Chefetage lautet, dass sich möglichst viele der rund 500 Mitarbeiter auf der Heldele-Seite tummeln und so für Aufmerksamkeit bei ihren Freunden sorgen sollen, tauchten schnell Fragen zum Handling auf. Wer darf, wann was posten? Welche Abteilung prüft mehrmals täglich den Account, um einschreiten zu können, falls Einträge mit beleidigendem, sexistischem oder radikalem Charakter auftauchen?
„Das Ergebnis ist eine Guideline“, sagt Baron, die in Zusammenarbeit mit dem Marketing und der Personal- sowie Rechtsabteilung entstanden ist. In diesen Richtlinien klärt Heldele seine Mitarbeiter über Chancen und Risiken auf, die Social-Media-Seiten dem Unternehmen bieten, es aber auch angreifbar machen. Elf Tipps regeln den Umgang mit den Medien, aber auch die Spielregeln von Mitarbeitern und deren Vorgesetzten. „Wir gestatten in den Guidelines etwa Social-Media-Seiten während der Arbeitszeit zu nutzen, wenn diese das Unternehmen betreffen und im Zusammenhang mit der Arbeit stehen und bitten um angemessene und faire Behandlung“, erklärt Baron. Darüber hinaus bietet Heldele den Mitarbeitern, die posten wollen und sollen, die Zusammenarbeit mit der Marketingabteilung an. Oder rät, Fehler in Einträgen nicht zu löschen, sondern Änderungen sichtbar zu machen.
Stefan Janssen vom E-Learning-Anbieter Skillsoft weiß, dass viele Firmen auf Social-Media-Plattformen aktiv sein wollen. Doch Ängste vor einem möglichen Imageschaden durch unkontrollierbare Kommentare halten sie noch zurück. Dabei würden wie bei Heldele Leitlinien helfen, um die Kommunikation möglich zu machen. „Wer postet, sollte sich als Mensch zu erkennen geben, das ist authentisch und kommt an“, so Janssen. Auch sei weniger oft mehr. Nicht die Anzahl der Einträge bei Xing und Co. sei entscheidend, sondern die Qualität der Inhalte, meint Janssen.
Sich als Unternehmen den Netzwerkkanälen zu verschließen, hält er für unklug. Besser sei es, in einem geschlossenen System den Umgang zu üben. Längst gäbe es etwa Lernplattformen, auf denen Mitarbeiter sich genauso bewegen können wie auf Facebook. Allerdings nicht öffentlich, sondern firmenintern. „Wer sich hier etwa als seriöser Experte herauskristallisiert, den können Chefs guten Gewissens auch öffentlich für oder über das Unternehmen sprechen lassen“, so seine Einschätzung.
Auch Reinhard Schmidt, Chef der Stuttgarter Internetagentur Aranex, kennt die Bedenken. Seine Firma betreut die Social-Media-Aktivitäten des Milchprodukteherstellers Gazi. Der Trikotsponsor des Fußballbundesligisten VfB Stuttgart ist ebenfalls bei Facebook unterwegs. Als bekannt wurde, dass Gazi das VfB-Engagement übernimmt, äußerten sich in der „Gefällt-mir“-Community Fußballfans auch kritisch und teils sogar fremdenfeindlich über den Käse- und Joghurthersteller, dessen Produkte viel in türkischen Supermärkten verkauft werden. „Wir haben geraten, das auszuhalten“, sagt Schmidt. Nach zwei Tagen war die Spitze erreicht. Danach flaute die Kritik ab. Kein Kommentar wurde gelöscht. Stattdessen strafte die Community die hitzigen Kritiker ab.
Mehr als ein möglicher Imageschaden beschäftigen Schmidt der fahrlässige Datenschutz und die rechtlichen Aspekte der Social-Media-Plattformen. Als IT-Verantwortlicher empfehle es sich, fast täglich den Markt zu scannen und sich über die ständig geänderten Nutzungsbedingungen der Anbieter zu informieren, meint Schmidt. Wer etwa ein Gewinnspiel bewerben wolle, sollte die Regeln von Facebook und Co. genau kennen, ansonsten könne es sein, dass der Betreiber bei Verstoß, die Unternehmensseite abschaltet.
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