21.07.2017 Neues Konzept zur Stärkung des lokalen Handels

Digitale Multishops, mal ohne Amazon

Von: Guido Piech

Wer mit einem zumeist ohnmächtigen Gefühl den Niedergang des lokalen Handels in Deutschland beobachtet, ausgelöst durch US-amerikanische Online-Riesen wie Amazon oder Ebay, dem kann eventuell der Ansatz von Lokal-einkaufen.shop etwas Hoffnung machen. Franz H. Bausch, Prokurist beim Initiator HUP Group, erläutert die Hintergründe.

  • Franz H. Bausch, Prokurist der Frankfurter HUP Group

    Franz H. Bausch, Prokurist der Frankfurter HUP Group: „Grundsätzlich sprechen wir mit unseren Ansätzen die Käufer an, die vor dem Kauf testen, im Rahmen des Kaufs einen persönlichen Bezug zum Anbieter aufbauen und nach dem Kauf zeitnahe, lokale Serviceleistungen wie Reparatur, Umtausch oder Rückgabe nutzen möchten.“

ITM: Herr Bausch, mit welchem Konzept und welcher Zielsetzung wollen Sie den lokalen Handel im Online-Geschäft unterstützen?
Franz H. Bausch:
Mit dem Lösungsansatz Lokal-einkaufen.shop verfolgen wir die Idee einer digitalen Mulitshop-Mall. Wir bilden auf einer Plattform oder einem Portal die Shops der Gewerbetreibenden einer Stadt, einer Region, eines Einkaufszentrums oder einer touristischen Region ab. Dabei hat der Anwender nur ein Login, nur einen Warenkorb und nur einen Bezahlvorgang.

Mit Boomtown verfolgen wir den Ansatz, je nach Suchmodus oder Betrachtungsweise eine Vielzahl von Blickwinkeln auf Kommunen, Städte und Regionen zu ermöglichen. Man kann hier die Sicht auf die Gewerbe, Institutionen, Vereine einer Stadt oder einer Region mit Werbebannern, tagesaktuellen Angeboten und nachgelagerten Shops nennen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Sicht auf die Produkte mit der Stadt als digitaler Mall und der Möglichkeit, mit Probierangeboten und ähnlichem die Besucher in der digitalen Welt zum Besuch des lokalen Ladengeschäfts zu animieren. Sicher lassen sich weitere Sichtweisen evaluieren. Damit ist Boomtown eine „Info & Shopping“-Plattform mit variabler regionaler Ausprägung und Darstellungsmöglichkeit, z.B. auch in Verbindung mit einem Lifestyle-Portal oder einer Themenwelt.

ITM: Wie definiert sich die Zielgruppe für Partnerschaften und wer sind Ihre Ansprechpartner?
Bausch:
Im klassischen Umfeld der HUP AG sind es Verlage mit ihren Anzeigenpublikationen und den daraus entstandenen, nachhaltigen Beziehungen zu den Gewerbetreibenden. Genauso sehen wir als Zielgruppen die Kommunen mit ihren Stadtmarketing-Organisationen, zudem touristische Organisationen, Tourismusverbände oder Betreiber von Einkaufszentren.

Dementsprechend sind auch unsere Ansprechpartner vielfältig, allen gemeinsam ist jedoch der Anspruch, die von ihnen beworbene Zielgruppe nicht nur mit analogen Werbemitteln und -kanälen bewerben zu wollen, sondern ihr Angebot für die entsprechende Zielgruppe auch auf digitaler Ebene auf PCs, Tablets oder Smartphohnes verfügbar zu machen.

ITM: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, den fast schon monopolistischen Online-Konzernen Geschäftsanteile abzunehmen?
Bausch:
Der größte Nutzen liegt im lokalen Bezug, in der Multilingualität der Suche und in der Möglichkeit, aus dem digitalen Angebot heraus einen Zustrom in die lokalen Geschäfte zu initiieren, z.B. durch Probierangebote, Tagesessen, Schnäppchen des Tages oder ähnlichem. Wichtig ist die Option, über lokale Logistikangebote sehr schnelle und nachhaltige Liefer- und Zubringer-konzepte abbilden zu können.

ITM: Mit welchen Argumenten wollen Sie die Konsumenten davon überzeugen, auf lokale Angebote zurückzugreifen?
Bausch:
Grundsätzlich sprechen wir mit unseren Ansätzen die Forderung der Käufer an, vor dem Kauf zu testen, einen persönlichen Bezug zum Anbieter aufzubauen und nach dem Kauf zeitnahe, lokale Serviceleistungen nutzen zu können. Ein wichtiger Aspekt für lokale Nähe ist auch der Punkt der zeitnahen Lieferung von Produkten (Same Day Delivery) unter Einbindung entweder von Zeitungsboten, lokalen Taxiunternehmen oder E-Mobilitätsunternehmen.

ITM: Inwieweit kann man sagen, dass Bequemlichkeit aufseiten der Verbraucher eine der größten Hürden für Sie darstellt?
Bausch:
Bequemlichkeit tritt aus unserer Sicht nur dann als Hürde in den Vordergrund, wenn der Konsument mit aufwendigen, komplizierten oder nicht verfügbaren Abläufen konfrontiert wird. Viele Klicks bis zum Kauf, Abholung anstelle von Auslieferung oder aufwendiges mehrfaches Einloggen und Bezahlen machen solche Plattformen wenig attraktiv für „amazon-verwöhnte“ Anwender.

ITM: Was bei den Online-Giganten immer gelobt wird, sind deren Services wie schnelle Lieferung und kostenlose Rücksendung. Was haben Sie an dieser Stelle zu bieten?
Bausch:
Aus unserer Sicht ist die Möglichkeit der Lieferung am selben Tag unabdingbar. Im Verlagsumfeld versuchen wir, dies über die Zeitungszusteller abzubilden. Im Umfeld von Städten gibt es Ansätze mit Taxiunternehmern oder Fahrradboten. Gerade auch das Thema E-Mobilität wird immer interessanter. Die Reichweite der kleinen Autos ist für Stadtfahrten völlig ausreichend. Wir bieten den zentralen Warenkorb und auch die Logistik der Rücksendung einzelner Bestandteile oder der Gesamtbestellung an die verschiedenen Anbieter. Inwieweit das für verderbliche Ware generell umgesetzt werden kann und ob dies in jedem Fall kostenlos ist, ist eine Ermessensfrage der lokalen Betreiber/Partner.

ITM: Wie wollen Sie die Verfügbarkeit und das Angebot von Waren garantieren?
Bausch:
Die Verfügbarkeit der Waren liegt nicht beim zentralen Betreiber der Plattform, sondern bei den auf der Plattform vertretenen Händlern. Anders stellt es sich dar, wenn wir über Markenanbieter bzw. -plattformen sprechen, die den lokalen Händler als Repräsentanten, lokalen Handlings- oder Servicepartner positionieren und eine zentrale Auslieferung über nationale und ggf. internationale Logistikpartner fokussieren.

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