„Das Schulungsmaterial muss gegebenenfalls kulturelle und rechtliche Besonderheiten verschiedener Märkte berücksichtigen", sagt Stefan Heil von IBM Kenexa.
Der deutsche Mittelstand behauptet sich in der globalisierten Wirtschaft – auch dank des starken wirtschaftlichen Umfelds in Deutschland mit seinen bestens qualifizierten und ausgebildeten Arbeitskräften. Jedoch braucht ein Unternehmen, das auf Dauer weltweit erfolgreich sein will, für seine internationalen Produktionsstätten und Absatzmärkte ebenso qualifizierte Mitarbeiter wie in der Heimat. Für die Führungskräfte, die den Wissenstransfer organisieren, liegt hier eine Chance, entscheidend zur Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens beizutragen. Allerdings gelingt das gewöhnlich nicht mit herkömmlichen Methoden.
Auf 16 internationalen Märkten ist ein durchschnittliches mittelständisches Unternehmen heute bereits vertreten. Das ergab eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). 95 Prozent der befragten Führungskräfte gaben an, dass sie die größte Chance für ihr Unternehmen in seiner fortschreitenden Internationalisierung sehen, und zwar sowohl durch Erschließung neuer Absatzmärkte als auch durch weitere Verlagerungen der Produktion. Damit stehen die Business Manager mittelständischer Betriebe heute vor der Herausforderung, ein global organisiertes Unternehmen zu führen – so wie früher nur ihre Kollegen in den Weltkonzernen.
Für die Führungskräfte im Personalmanagement bedeutet das unter anderem, dass sie einen weltweit einheitlichen Wissensstandard gewährleisten müssen: über Ländergrenzen, Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede hinweg – und ohne dass die Kosten explodieren. Die traditionelle Methode des Wissenstransfers – in Schulungsblöcken durch erfahrene Kollegen oder durch Fachtrainer aus dem eigenen Unternehmen – kann das nicht leisten. Vor dem Versuch, Know-how über mehrere Zwischenstationen zu verbreiten, schrecken erfahrene Lern- und Wissensmanager mittlerweile zurück: Bei dieser Vorgehensweise ist kaum zu vermeiden, dass Inhalte verfälscht werden.
E-Learning- und Blended-Learning-Konzepte
Technische Lösungen sind gefragt, die das Wissen in einheitlicher Qualität bis in die entfernteste Tochtergesellschaft oder Handelsvertretung verbreiten können: E-Learning- und Blended-Learning-Konzepte sowie informelle und soziale Methoden des Wissenstransfers. Diese werden von führenden Technologieunternehmen angeboten. Bei der Wahl der passenden Lösung sollte eine Reihe von Anforderungen erfüllt werden, damit ein erfolgreicher Wissenstransfer gewährleistet ist: Das didaktische Material muss in regionalen Sprachen zur Verfügung stehen. Jedoch ist es mit reiner Übersetzung nicht getan. Denn das Schulungsmaterial muss gegebenenfalls auch kulturelle und rechtliche Besonderheiten verschiedener Märkte berücksichtigen. Und nicht alles an Know-how ist unbedingt in der Unternehmenszentrale vorhanden und kann von dort aus verbreitet werden. Vielmehr wird lokal relevantes Wissen oft von Fachleuten vor Ort generiert. Auch dieses muss eingebunden sowie an die äußeren und inhaltlichen Standards des Unternehmens angepasst werden können.
Auf die Bandbreite achten
Auch die Bereitstellungsmethode muss an regionale Gegebenheiten anpassbar sein: Nicht überall ermöglichen es Bandbreite und Verbindungsqualität, die Wissensressourcen in hoher Auflösung und mit voller medialer Unterstützung durch Audio und Video zur Verfügung zu stellen. Vielmehr muss die Lösung für geringere Bandbreiten optimiert werden können und – wo nötig – auch die Herstellung von Printmedien unterstützen. Andererseits sollte der Zugriff nicht nur stationär, sondern auch mobil möglich sein. Immer wichtiger für die Akzeptanz bei den Lernenden wird außerdem die Möglichkeit, sich mit anderen Lernenden auszutauschen, Content zu bewerten und Informationen zu teilen – ganz so wie die Mitarbeiter es im Privatleben aus sozialen Netzwerken gewohnt sind. Durch die teilweise automatisierte Erstellung, Verwaltung und Bereitstellung von didaktisch aufbereitetem Know-how schaffen sich Mittelständler so einen Kompetenzvorsprung in verschiedenen Bereichen des Unternehmens.