28.08.2017 Konstanz auf der Software-Seite

Ein ERP-System für drei Fertigungsstrukturen

Von: Till Konstanty

Komplex sind die unterschiedlichen Fertigungsstrukturen bei der Fassmer GmbH & Co. KG, die mit einer ERP-Software von Abas abgebildet werden.

  • Das legendäre Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior wurde auch von Fassmer gebaut.

    Das legendäre Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior wurde auch von Fassmer gebaut.

  • Das Auftragsvolumen von Fassmer liegt derzeit bei rund 400 Mio. Euro.

    Das Auftragsvolumen von Fassmer liegt derzeit bei rund 400 Mio. Euro.

  • Für Joachim Hellrung, IT-Leiter bei Fassmer, bedeutet die durchgängige ERP-Software mit Peripherie des gleichen Anbieters eine Reduzierung der Schnittstellen und damit höhere Geschwindigkeit.

    Für Joachim Hellrung, IT-Leiter bei Fassmer, bedeutet die durchgängige ERP-Software mit Peripherie des gleichen Anbieters eine Reduzierung der Schnittstellen und damit höhere Geschwindigkeit.

In fünfter Generation leiten die Brüder Harald und Holger Fassmer das niedersächsische Familienunternehmen Fassmer, das ihr Ururgroßvater Johann 1850 in der Wesermarsch nördlich von Bremen gründete. Heute stellen rund 1.200 Mitarbeiter an weltweit vier Standorten Schiffe, Rettungsboote, Zugangssysteme und Faserverbundkomponenten für Windkraftanlagen und Fahrzeuge her. Komplex sind die unterschiedlichen Fertigungsstrukturen, die mit einer ERP-Software abgebildet werden, die bereits vor zwei Jahrzehnten implementiert und stetig erweitert wurde.

Allerdings ist die Einzelfertigung im Schiffbau nur ein Produktbereich von Fassmer. Das Unternehmen ist in zwei weitere Fertigungsstrukturen klassifiziert: Dabei handelt es sich einmal um die Variantenfertigung, das sind Rettungsboote oder Landgänge, und zweitens um die Serienfertigung von Produkten wie Windkraftkomponenten und Autodächern. „Aufgrund der vielfältigen Einsatzbereiche war eine flexible und anpassbare Unternehmens-Software erforderlich“, erinnert sich Joachim Hellrung, IT-Leiter bei Fassmer.

Durch die Breite dieser komplexen Fertigungsstrukturen muss das Unternehmen an der Weser stets flexibel sein, um schnell neue Wege zu gehen. Die Vielzahl der verschiedenen Produkte und Produktbereiche machte 1996 den Einsatz einer aktuellen Enterprise-Ressource-Planning-Lösung (ERP) erforderlich. Fassmer entschied sich für Abas. Mehrere Insellösungen wurden durch die Installation zusammengefasst.

Einzel-, Varianten- und Serienfertigung

Bei der Einführung der Software strukturierte Fassmer fast alle Abteilungen um und setzt das ERP-System auch an seinen Standorten in Rechlin in Mecklenburg-Vorpommern und in Polen ein. Um der stark wachsenden Nachfrage und dem Wettbewerb in Asien gerecht zu werden, eröffnete Fassmer 2005 einen Betrieb in China. Hier richteten die Norddeutschen ihr Augenmerk auf die Produktion von Rettungsbooten und hydraulischen Systemen.

Mit dem Standort in Übersee ist Fassmer in der Lage, sein weltweites Service-Netzwerk und eine entsprechende Ersatzteillieferung zu gewährleisten. Neben diesen Standorten verfügt die Fassmer-Werft über ein engmaschiges Netz an Agenten und Vertriebspartnern, die die Standorte unterstützen.

Die Fassmer GmbH & Co. KG
Hauptsitz: Berne/Motzen, Niedersachsen
Mitarbeiter: 1.200
Umsatz 2016: 135 Mio. Euro
Gründung: 18. Mai 1850

Das ERP-System ist in allen Unternehmensbereichen im Einsatz, insbesondere bei der Disposition, Fertigung und Arbeitsvorbereitung der Einzel-, Varianten- und Serienfertigung. Nach der Entwurfsplanung werden Stücklisten erstellt, die den Verkauf bei der Angebotsplanung und der Kalkulation von neuen Schiffen unterstützen.

„Nach Auftragserteilung durch den Kunden wird das Schiff im ERP-System bestellt“, sagt Joachim Hellrung. „Wir nutzen die Software in Einkauf und Verkauf, in der Materialwirtschaft, Kalkulation, Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Projektkostenrechnung, Anlagenbuchhaltung, EDI und im Controlling“, führt er aus. Hinzu kommen die Module Dokumentenmanagement und Sanktionsprüfung.

Durch die einheitliche Software in allen Unternehmensbereichen reduziert sich die Zahl der Schnittstellen. Durch weniger Schnittstellen und die Transparenz der Daten werden Arbeitsschritte reduziert und Doppeleingaben nahezu ausgeschlossen. „Handscanner liefern zudem wichtige Daten aus der Lagerhaltung, Disposition und Fertigung an das ERP-System, die den Entscheidungsträgern sofort zur Verfügung stehen“, so Joachim Hellrung.

ERP als Plattform für Programme und Anwendungen

Allerdings kann sich Fassmer nicht auf seinen Erfolgen ausruhen. Deshalb wollen die Schiffs- und Anlagenbauer ihre Unternehmenssoftware ausbauen. Geplant ist die Einführung von Abas Mobile, damit der Vertrieb weltweit auf die Lieferantendaten zugreifen kann, um beispielsweise Zahlungseingänge einzusehen. Aber auch die Service-Mitarbeiter sollen mobil auf wichtige Daten zugreifen, beispielsweise den Lagerbestand. Für Rechnungen und Lieferscheine ist dies bereits über das mobile Dokumentenmanagement möglich. Ziel ist es, mit der Mobility-Lösung alle Mitarbeiter und Standorte zu vernetzen.

Mit der Einführung der neuen Business-Intelligence-Lösung (BI) von Abas plant Fassmer Potentiale, Risiken und Geschäftsentwicklungen schnell, übersichtlich und auf das Wesentliche reduziert aufzubereiten, um den Entscheidungsträgern eine sichere Basis zur Unternehmenssteuerung zu bieten.

Das Auftragsvolumen von Fassmer liegt derzeit bei rund 400 Mio. Euro. Grund sind einige spektakuläre Schiffsbestellungen und die anhaltende Nachfrage nach Offshore-Windkraftanlagen. Ein weiterer Baustein für die gute Auftragslage ist der Zuschlag zum Neubau der Atair. Der 74 Meter lange und knapp 17 Meter breite Schiffsneubau wird mit einer gas-/dieselmechanischen Antriebsanlage zur Nutzung von emissionsarmem Flüssigerdgas (LNG) als Kraftstoff ausgestattet.

Zusätzlich hat Fassmer den Auftrag über drei neue Einsatzschiffe für die Bundespolizei erhalten. Damit nicht genug: So haben die Feuerwehr Hamburg und die Hafenverwaltung Hamburg für 16 Mio. Euro ein Feuerlöschboot bei Fassmer in Berne bestellt. 2018 soll das Löschboot nach nur 18 Monaten Projektzeit pünktlich zum 829. Hafengeburtstag im Mai 2018 in Betrieb genommen werden.

Bildquelle: Fassmer

©2017 Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH