19.07.2017 Digitaler Handel

Ein Webshop reicht nicht, Digitalisierung muss tiefer gehen

Von: Ingo Steinhaus

Die Digitalisierung ist das Zukunftsthema im Handel. Ein Patentrezept gibt es nicht, sondern verschiedene Ansätze.

Ameria bietet einen „Virtual Promoter“, ein interaktiver Bildschirm, der in Schaufenstern und Ladenflächen aufgebaut wird.

Ameria bietet einen „Virtual Promoter“, ein interaktiver Bildschirm, der in Schaufenstern und Ladenflächen aufgebaut wird.

Gut zwei Drittel (66%) aller Händler bezeichneten in einer Umfrage des Bitkom die Digitalisierung als „große Herausforderung“ für ihr Unternehmen. „Der stationäre Handel muss sich neu erfinden. Es geht darum, die digitalen Kanäle intensiv und intelligent zu bespielen, neue Services anzubieten und die internen Prozesse zu optimieren“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Die prioritäre Aufgabe für die Händler ist nun, den Kunden den Einkauf auf allen Kanälen zu ermöglichen.“

Das ist für die meisten Händler ein Webshop, mit dem die Waren online angeboten werden. Wer darauf setzt, ist durchaus erfolgreich: Jeder zweite Händler mit diesem Fokus macht bis zu 30 Prozent seines Gesamtumsatzes online, weitere 27 Prozent erreichen zwischen 30 und 50 Prozent ihres Umsatzes im Internet, bei gut jedem zehnten Händler (11%) ist es sogar mehr als die Hälfte.

„In der Handelsbranche kann es sich heute kaum noch ein Unternehmen leisten, auf Online-Umsätze zu verzichten“, betont Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Trotzdem hat längst nicht jeder Händler einen Online-Shop. Immerhin 28 Prozent der Händler betreiben weiterhin nur ein stationäres Geschäft. Denn ein Webshop ist nicht in jedem Fall eine optimale Lösung für den stationären Einzelhandel.

Das Problem: Einfach irgendeinen Online-Shop zu öffnen, reicht bei weitem nicht aus. Die Website muss hochwertig sein, regelmäßig gepflegt werden, häufig aktualisiert und mit professionellem Marketing den potentiellen Kunden bekannt gemacht werden. Für einen einzelnen Händler, selbst mit mehreren Mitarbeitern, ist dieser Aufwand kaum zu leisten.

Ladengeschäft und Digitalwelt verknüpfen

Das Internetkaufhaus Lokaso ist eine mögliche Antwort darauf. Das Pilotprojekt in Siegen verknüpft Einzelhändler aus der Region und unterstützt sie mit IT-Infrastruktur sowie Marketing. Jeder beteiligte Händler erhält eine Webseite im Internetkaufhaus als digitales Geschäft. Die Gesellschaft betreibt die Webshops, damit sich die Händler auf ihre Aufgaben konzentrieren können.

Bereits das Pilotprojekt hatte Erfolg: „Wir konnten über Lokaso neue Kunden gewinnen, die sonst garantiert nicht bei uns gekauft hätten, weil sie uns gar nicht kannten“, sagt Ingo Gütelhöfer von der Feinkost-Fleischerei Gütelhöfer. Die Online-Bestellung landet digital im Geschäft, ein Lokaso-Fahrer bringt die Waren zu den Kunden. Dabei setzt das Internet-Kaufhaus auf „Same Day Delivery“.

Bei Lokaso kommt also das Kaufhaus zum Kunden, doch viele Inhaber sind daran interessiert, ihr Ladengeschäft (wieder) zu beleben. Auch hier gibt es inzwischen interessante digitale Lösungen, beispielsweise vom Heidelberger Startup Ameria. Es hat eine neue Verbindung des stationären Fachhandels mit online entwickelt. Der „Virtual Promoter“ ist ein interaktiver Bildschirm, der in Schaufenstern und Ladenflächen aufgebaut wird.

Eine virtuelle Person in Lebensgröße reagiert auf Passanten und verwickelt sie in eine Interaktion mit einfachen Gesten. Er kann dadurch auf Sonderangebote oder Aktionsware aufmerksam machen. Seit Ende 2016 steht die Instore-Variante in den ersten Geschäften und ist im Probebetrieb. Die Lösung soll Aufmerksamkeit erregen und die Kundenreaktionen analysieren. Zumindest bei den Investoren auf Companisto hat die Lösung erfolgt: In Rekordzeit kamen 1,4 Millionen Euro zusammen.

Bildquelle: Ameria

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