„Häufig werden die Altgeräte bei Neubeschaffungen an den Hersteller zurückgegeben“, sagt Christoph Heitjans, Director of IBM Global Financing, IMT DACH Germany, Austria, Switzerland.
ITM: Herr Heitjans, welche IT-Finanzierungsmodelle sind im Mittelstand derzeit besonders gefragt?
Christoph Heitjans: Nach wie vor ist das Leasing bei der Fremdfinanzierung von Investitionen die beliebteste Form der Außenfinanzierung. Es hat jedoch ein deutlicher Wandel vom reinen Hardware-Leasing hin zu individuelleren Projektfinanzierungen stattgefunden. Ein Beispiel dafür sind individualisierte Lösungen, die sich am Return on Investment und der Cash-Flow-Planung des Gesamtprojektes orientieren.
ITM: Inwiefern ist hier das Thema „Remarketing“ für Mittelstandsunternehmen interessant? Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der kleinen und mittelständischen Unternehmen an der Nutzung von gebrauchter, aber wiederaufbereiteter Hardware – und was sind die Hintergründe?
Heitjans: Der Mittelstand sucht im Allgemeinen nach kosteneffizienten, sicheren IT-Lösungen. Je nach Projekt, Einsatz der Hardware oder geplanter Nutzungsdauer sind zertifizierte, aufgearbeitete Technologien interessant. Das bestätigen auch unsere Marktanalysen: Ein großer Teil der Mittelstandskunden hat in den vergangenen zwei Jahren auch Gebrauchtsysteme gekauft.
ITM: Welche Einsparpotentiale können damit grundsätzlich erzielt werden?
Heitjans: Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn der Einsatz ist vielfältig. Das können Erweiterungen bestehender Infrastrukturen und Kapazitäten sein, Backup-Lösungen oder auch Ersatzbeschaffungen, die die zugrunde liegende technologische Infrastruktur nicht verändern. Die reinen Hardwarekosten sind, wie in anderen Gebrauchtmärkten auch, natürlich deutlich günstiger. Sie bilden jedoch jeweils nur einen Teil der Kosten eines IT-Projektes.
ITM: Ist eine höhere Leasing- oder Verkaufsquote von wiederaufbereiteter IT-Hardware zu verzeichnen? Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Heitjans: Eine deutliche Verschiebung hin zu Investitionen in wiederaufbereitete IT-Hardware, etwa aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, kann ich generell nicht bestätigen. Unternehmen sind gefordert, ihre Marktposition durch technologische Weiterentwicklung zu behaupten oder zu verbessern. Der ITK-Markt in Deutschland wächst laut dem Branchenverband Bitkom auch in 2013 wieder stärker als die Gesamtwirtschaft.
ITM: Welche Vorteile haben Mittelständler, wenn sie gebrauchte Hardware kaufen? Was sind wiederum die Nachteile?
Heitjans: Bei einer Entscheidung für Gebrauchtmaschinen von IBM kann der Kunde sich darauf verlassen, zertifiziertes wie auch individuell konfiguriertes Equipment zu erhalten. Außerdem bieten wir unseren Kunden eine umfassende Service-Unterstützung. Eine 90-tägige Zufriedenheitsgarantie gibt ihnen zusätzliche Sicherheit. Auch können diese Gebrauchtmaschinen in einen Wartungsvertrag eingebunden werden. Als Vorteil sehe ich für den Kunden eine wirtschaftliche Überbrückung oder Erweiterung der Infrastruktur bis zum nächsten Technologiesprung.
ITM: Wann sollten Unternehmen besser auf das Leasing von neuaufbereiteter IT-Hardware zurückgreifen? Welche Möglichkeiten bieten sich ihnen dadurch?
Heitjans: Zunächst immer dann, wenn durch flexible Vertragsbedingungen die Zahlungen ganz den Budgetanforderungen angepasst werden können und sich am erwartenden Nutzen orientieren. Auf der anderen Seite hängt es an dem Investitionshorizont, wie lange die Technologie genutzt werden soll. Hier müssen technologische und wirtschaftliche Anforderungen in Einklang gebracht werden.
ITM: Wie gestalten sich die Leasing-Verträge im Bereich „IT-Remarketing“? Welche Abrechnungsmodelle und Vertragslängen sind üblich?
Heitjans: Es gibt hier vergleichbare Modelle wie bei Neumaschinen. In der Regel wird aufgearbeitetes Gebrauchtequipment jedoch gekauft oder über Zahlungsplanmodelle finanziert.
ITM: Kaufen Unternehmen überhaupt noch neue Hardware selbst ein, um sie dann bis zum „End of Life“ zu nutzen, oder leasen bzw. mieten sie neue Geräte von vorneherein?
Heitjans: Das Leasing ist nach wie vor die beliebteste Form der Außenfinanzierung bei IT-Investitionen. Leasing-Modelle unterstützen die strategische IT-Ausrichtung des Unternehmens und bieten höhere Flexibilität. Es geht um den Nutzen, nicht um das Besitzen der Technologie.
ITM: Inwiefern nutzen Mittelstandsunternehmen die Option, ihre alte Hardware (Computer, Server, Notebooks, Tablets etc.), die sie einst selbst angeschafft haben, an IT-Remarketing-Firmen zu verkaufen, um daraus Gewinne zu erzielen?
Heitjans: Ich denke nicht, dass Mittelstandsunternehmen ihre Investitions- und Finanzierungsentscheidungen mit Gewinnerzielungsabsichten in der Verwertung beim „End of Life“ verknüpfen. Eine professionelle Entsorgung oder Zuführung in den Zweitmarkt verlangt fachgerechte und zertifizierte Datenlöschungen. Häufig werden daher die Altgeräte bei Neubeschaffungen an den Hersteller zurückgegeben.
ITM: Wie lässt sich denn generell ein bestmöglicher Gewinn mit alten Geräten erzielen?
Heitjans: Wie im Wirtschaftsleben üblich, geht es um Kompetenz, Kenntnis der Märkte, effiziente Abläufe und eine professionelle Aufarbeitung. Neben den bestehenden Aufarbeitungscentern in Europa und den USA haben wir für den stark wachsenden Markt in Asien auch ein komplett neues Center in Shanghai eröffnet.
ITM: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des IT-Remarketing-Bereichs ein?
Heitjans: Eine sogenannte Umweltetikette wird immer bedeutender, und daher gibt es eine weitere Professionalisierung in diesem Bereich. IBM stellt bereits heute weltweit 91 Prozent der aufbereiteten Geräte zur Wiederverwendung zur Verfügung. Lediglich 0,7 Prozent werden Deponien einschließlich Müllverbrennungsanlagen zugeführt, alles andere dem Rohstoffrecycling. Kunden sollten sich beim Kauf darauf verlassen, dass das Equipment mit Originalteilen aufbereitet wurde und aus einer zertifizierten Quelle stammt.