Manuel Mair , Senior Solution Architect Datacenter EMEA bei Schneider Electric
ITM: Herr Mair, welche Komponenten stellen neben der Klimatisierung eines Rechenzentrums die größten Energiefresser dar? Und welchen Anteil (auch finanziell) nehmen diese im laufenden Betrieb ein?
Manuel Mair: Das kommt auf die Altersstruktur der IT an: Bei vielen älteren Datacentern ist der Energieverbrauch der Infrastruktur größer als der Verbrauch der IT selber. Moderne Datacenter sind wesentlich effizienter. Bei einem durchschnittlichen Datacenter mit hoher Auslastung und einem Alter von circa 5 Jahren entfallen etwa 25 Prozent der insgesamt aufgewendeten Energie auf die Kühlung. Weitere acht Prozent der Energie werden für die Luftumwälzung, fünf für die unterbrechungsfreie Stromversorgung, vier für die Energieverteilung sowie etwa weitere vier Prozent für die notwendigen Nebengewerke wie z.B. Beleuchtung, Überwachungssysteme, Brandschutz etc. benötigt. Somit steht über die Hälfte der Gesamtenergie (54 Prozent) der IT zur Verfügung. Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz senken gleichermaßen die Verbräuche von IT und Infrastruktur. Gleichzeitig verringert sich der Anteil des Energieaufwands für die Infrastruktur stetig.
ITM: Welche Modernisierungsmaßnahmen können Sie empfehlen? An welchem Energieverbrauch lässt sich (leider) nicht rütteln?
Mair: Grundsätzlich bin ich der Meinung das man überall, wenn man gewillt ist, auch Optimierungspotential finden kann. Aber das Einsparpotential ist in erster Linie immer vom Startpunkt abhängig. Ein altes, bislang nicht optimiertes Datacenter mit idealem Standort, bietet das größte Einsparpotential. Wir setzen bei Schneider Electric auf modulare Systeme. Sie erlauben die genaue Anpassung der Gerätetechnik an den Bedarf des IT-Betriebs. Überdimensionierung wird vermieden und Einsparungen von bis zu 15 Prozent sind realisierbar. Weiteres Einsparpotential besteht in der Nutzung alternativer Kühlquellen. Hierbei wird die mechanische Kühlung beispielsweise durch freie Kühlung ersetzt. Einsparungen in der Größenordnung von 50 Prozent und mehr sind erzielbar, aber wie schon oben erwähnt, muss hierbei immer die Frage gestellt werden „Wo komme ich denn her und wie weit will ich gehen“? Stichwort CAPEX,OPEX & SLA-Bedingungen.
Hierbei sind neuartige Gerätetechnik mit optimierten Wärmetauschern, Ventilatoren und drehzahlgeregelten Antrieben sowie intelligente Regel- und Steuersysteme hilfreich.
Man darf auch den Kaskadeneffekt bei den IT-Komponenten nicht außer Acht lassen, d.h. bei einer Einsparung von nur 1 Watt auf der IT-Seite lässt sich durchaus eine Gesamteinsparung von ca. 2,8 Watt realisieren.
ITM: Wie lässt sich in diesem Zusammenhang ein „Green-IT-Konzept“ integrieren?
Mair: Das „Green-IT-Konzept“ ist meiner Meinung nach nur ein anderes Wort für Kosteneinsparung. Natürlich reduziere ich als Firma meinen sogenannten C02-Footprint wenn ich Energie einspare, aber das ist ja nur ein schöner Nebeneffekt. Egal wie es auch genannt wird, wichtig ist hierbei der ganzheitliche Ansatz und wie kann ich meine Ziele sowie meine Maßnahmen auch nachhaltig gestalten.
ITM: Wie schätzen Sie Software als „unsichtbaren Energiefresser“ ein? Wo gibt es an dieser Stelle Optimierungsbedarf?
Mair: Big Data stellt im Hinblick auf Sicherheit und Energieeffizienz hohe Ansprüche an die IT. Eine Alternative ist nach wie vor auch die Verlagerung in virtuelle Systeme. Hier kann eine DCIM Software helfen, die Energieeffizienz zu verbessern, indem sie den Stromverbrauch genau misst und die Auslastungen aller Geräte prüft, um sie näher an ihren Bestwerten zu halten. Somit wird der Strombedarf verringert. Unsere Lösung kann beispielsweise über Plug-Ins mit virtuellen Umgebungen wie VMware oder Hyper-V kommunizieren und so vitale Daten der Geräte abfragen.
ITM: Bitte geben Sie drei Tipps für ein sinnvolles Energiemanagement speziell für Mittelständler
Mair: Ich denke, es gibt keine dedizierten Tipps für den Mittelstand oder die sogenannten Großen. Der grundsätzliche Ansatz für ein sinnvolles Energiemanagement, das dann auch die Möglichkeit zur Steigerung der Effizienz und damit die Reduzierung der Kosten ermöglicht, muss ein ganzheitlicher Prozess sein. Nur wer weiß wo er wirklich steht, kann Verbesserungen nachvollziehbar gestalten. Schritt für Schritt und auch die vermeintlichen „Krümel“ mitnehmen, denn das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.