Leif Goldhahn, Hochschule Mittweida

Energie sparen nach Plan

In dem Forschungsprojekt EnPlan der Hochschule Mittweida, Fakultät Maschinebau, geht es um die Integration von Verfahren zum Energiemanagement in ERP-Systeme. Für die IT-gestützte Planung in Unternehmen ist das noch Neuland. Der wissenschaftliche Leiter Prof. Leif Goldhahn erläutert im Interview die Ziele und ­Ergebnisse des Projekts.

Prof. Leif Goldhahn, wissenschaftlicher Leiter an der Hochschule Mittweida.

ITM: Herr Prof. Goldhahn, was ist das Ziel Ihres Forschungsprojektes?

Prof. Leif Goldhahn: Wir sind auf der Suche nach Algorithmen und Modellen, mit deren Hilfe Energiemanagement in Enterprise-Resource-Planning-Software (ERP) verwirklicht werden kann. Der Einsatz solcher Verfahren wird von der Politik gewünscht, um die Ziele der CO2-Initiative und anderer Klimainitiativen zu erreichen. Aus diesem Grund unterstützt auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unser Projekt.

ITM: Warum nutzen Sie gerade ERP-Systeme zur Energieeinsparung?

Goldhahn: Grundsätzlich gibt es zwei vielversprechende Ansatzpunkte für das Energiemanagement: zum einen die Haustechnik, zum anderen der Produktionsprozess. In der Haustechnik wird in den Unternehmen schon viel für die Senkung des Energieverbrauchs getan. Aber in ERP-Systemen zur Planung und Steuerung von Produktionsprozessen ist die Reduzierung des Energieverbrauchs noch Neuland. Für die Unternehmen wird das Thema aber immer dringender, da in den letzten Jahren die Energiepreise massiv gestiegen sind. Die IT-gestützte ­Planung mit ERP-Software richtet sich in erster Linie auf eine möglichst schnelle und effiziente Fertigung. Doch ERP-Systeme können außerdem durch eine energetisch günstige Planung einen wertvollen Beitrag zum Energiemanagement leisten.

ITM: Wie gehen Sie dabei vor? Muss eine Fabrik nicht umgebaut werden, um den Stromverbrauch zu messen?

Goldhahn: Nein, das ist nicht notwendig. Die Hersteller von Industriemaschinen haben ihre Anlagen nur ausnahmsweise für eine Messung des Stromverbrauchs vorbereitet und in Eigeninitiative wäre das eine extrem hohe Investition. Unsere Vorgehensweise basiert auf Modellen, die wir anhand von beispielhaften Messungen an Typen von Industriemaschinen bilden. Diese Modelle erlauben eine ziemlich präzise Schätzung des Stromverbrauchs. Dadurch kann in Zukunft Energiemanagement vorwiegend auf der Basis von Software umgesetzt werden. Alle zeitbezogenen Daten werden von den ERP-Systemen ohnehin erhoben.

ITM: Welche Vorteile haben Unternehmen von dieser Vorgehensweise?

Goldhahn: Sie können durch vergleichsweise geringe Investitionen und in erster Linie über Planung und Steuerung ihre Kosten senken. So wird es zum Beispiel den meisten Unternehmen durch bessere und gleichmäßigere Auslastung der Maschinen möglich sein, die sehr teure Spitzenlast zu verringern und den Gesamtenergieverbrauch zu senken. Bis vor wenigen Jahren war eine solche Form der Planung noch nicht im Blickfeld der Unternehmen und Softwarehersteller.

ITM: Aktuelle ERP-Systeme bieten also keine Verfahren zum Energiemanagement?

Goldhahn: Zum großen Teil leider noch nicht. Zur Zeit entsteht bei unseren Industriepartnern CIMPCS und Maschinen-Technik-Vogtland eine ERP-Pilotlösung, die unseren modellbasierten Ansatz verwirklicht. In der Folge des Projektes soll eine spezielle Anwendung entwickelt werden, die Schnittstellen zu marktgängigen ERP-Systemen anbietet. Dann können bestehende Systeme ohne allzu großen Aufwand nachgerüstet werden.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok