Untersuchungen von verschiedenen Marktforschungsunternehmen kamen zu dem Ergebnis, dass der Stromverbrauch von Serverräumen und Rechenzentren in Deutschland ca. zwei Prozent des Gesamtbedarfs an elektrischer Energie ausmacht. Zur Erzeugung dieser Strommenge sind etwa vier mittelgroße Kohlekraftwerke notwendig und die damit verbundenen Stromkosten für die Rechenzentrumsbetreiber belaufen sich auf ca. 1,2 Mrd. Euro. Darüber hinaus wird angenommen, dass ca. 40 bis 50 Prozent dieses Energiebedarfs durch verschiedenste Effizienzsteigerungsmaßnahmen – ohne Einschränkungen beim Komfort oder der Betriebssicherheit – eingespart werden könnten.
Aufgrund dieser Untersuchungen wurde im Juli 2012 die derzeit gültige Vergabegrundlage für den „Blauen Engel für energiebewussten Rechenzentrumsbetrieb“ verabschiedet. Die hierin beschriebenen Vergabekriterien lassen sich in organisatorische und technische Kriterien untergliedern und spiegeln damit einen ganzheitlichen Blick auf die Energieeffizienzsteigerung im Rechenzentrum wider. Der Geltungsbereich des Umweltzeichens reicht von kleinen Serverräumen bis hin zu großen Rechenzentren. Damit bietet das Umweltzeichen auch für kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeit, einen energieeffizienten zentralen IT-Betrieb durch ein renommiertes Umweltzeichen offiziell bestätigen zu lassen.
Vorteile der Zertifizierung
Das vorrangige Ziel des „Blauen Engels“ für Rechenzentren ist die Implementierung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses im Hinblick auf den Energiebedarf. Dieser muss einmal jährlich durch Vorlage eines Energieeffizienzberichtes bei der Vergabestelle des Umweltzeichens nachgewiesen werden. Ein Zeichennehmer zieht dabei in verschiedener Hinsicht Nutzen und Vorteile aus dem „Blauen Engel für energiebewussten Rechenzentrumsbetrieb“. Durch die Zertifizierung wird er zur Umsetzung von Maßnahmen zur Energieeffizienzsteigerung angehalten. Darüber hinaus bekommt das Unternehmen Anregungen und Empfehlungen zur weiteren Optimierung des Energieeinsatzes im Rechenzentrum.
Durch die Steigerung der Energieeffizienz und den damit niedrigeren Verbrauch resultieren Kosten- und Wettbewerbsvorteile. Ferner kann hierdurch dem Erreichen von Ausbaugrenzen des Rechenzentrums in Bezug auf Fläche, Energieversorgung und Kälte entgegengewirkt werden. Durch den „Blauen Engel“ zeigt ein Unternehmen zudem Verantwortungsbewusstsein, welches durch die Zertifizierung mit einem Umweltzeichen mit hoher Reputation bekräftigt wird.
Wie fliegt der Engel ins RZ?
Um ein Rechenzentrum bzw. einen Serverraum mit dem Blauen Engel zu zertifizieren, steht am Anfang des Prozesses eine genaue Erhebung des Ist-Zustandes inklusive der Ermittlung der Kennzahlen Energy Usage Effectiveness (EUE) und der Jahresarbeitszahl des Klima- und Kältesystems. Darüber hinaus muss sich der Rechenzentrumsbetreiber dazu verpflichten, den Strombedarf durch die Einführung eines bereichsübergreifenden Energiemanagements künftig kontinuierlich zu optimieren. Hierzu gehören etwa die Definition von Effizienzsteigerungszielen, die Benennung eines Energiemanagers und die Verpflichtung zu energiebewusster Beschaffung. Ferner müssen die Energieverbräuche wesentlicher Komponenten mittels Energie-Monitoring kontinuierlich ermittelt sowie ein IT-Last Monitoring betrieben werden.
Auf technischer Ebene verpflichtet sich der Zeichennehmer zukünftig zur Beschaffung von energieeffizienten Netzteilen und Servern. Darüber hinaus muss Servervirtualisierung zu einem gewissen Grad eingeführt sein und Anforderungen an den Wirkungsgrad der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) und an das Kältemittel der Kälteanlage erfüllt werden. Die Effizienz des Klima- und Kältesystems wird durch die Erreichung einer Jahresarbeitszahl von mindestens 3,5 oder besser nachgewiesen. Diese ist durch den Einsatz effizienter Technologien, wie z. B. Freier Kühlung und durch Optimierung der Luftführung sowie der Temperaturen im Serverraum erreichbar.
Zusammengefasst bietet das Zeichen eine Kombination aus Vorteilen in den Bereichen Ökonomie, Ökologie sowie Marketing bzw. positivem Image, die durch den weit gefassten Geltungsbereich auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen genutzt werden können. Auch die umsatzabhängige Entgeltregelung für die Nutzung des „Blauen Engels“ kommt KMU entgegen.
Der Blaue Engel
Das Ziel des bereits im Jahr 1978 eingeführten Umweltzeichens ist die Bildung von Problembewusstsein in verschiedenen Umweltthemen, die Information von Verbrauchern sowie eine entsprechende Marktlenkung. Besitzer des Zeichens ist das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. An der Erarbeitung der jeweiligen Vergabekriterien und der Vergabe des Zeichens sind darüber hinaus das Umweltbundesamt und die RAL GmbH beteiligt. Derzeit sind ca. 12.000 Produkte und Dienstleistungen mit dem Blauen Engel ausgezeichnet. Das Spektrum der 120 verschiedenen Kategorien reicht von „A“ wie Abdeckfolien und Angelgewichte bis hin zu „Z“ wie Zeitungsdruckpapier.
Quelle: Prior1 GmbH
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