21.10.2015 Transparente Produktionszahlen und schlanke Prozesse

ERP-Daten effektiv nutzen

Von: Anna Seel, Holger Rau

Die Jean Müller GmbH mit Sitz in Eltville am Rhein ist ein mittelständisches Familienunternehmen mit über 115 Jahren Erfahrung in der Elektrotechnikbranche. Kürzeren Lieferzeiten bei gleichzeitig hoher Qualität und Wirtschaftlichkeit der Produkte erreicht das Unternehmen u.a. über die umfassende Nutzung und Anzeige von Daten aus dem ERP-System auf Monitoren in den Produktionshallen sowie den Einsatz mobiler Scannerlösungen.

Nutzung und Anzeige von Daten aus dem ERP-System auf Monitoren in den Produktionshallen helfen dem Mittelständler.

Die weltweit über 600 Mitarbeiter der Jean Müller GmbH entwickeln und produzieren sicherungsbehaftete Schaltgeräte, Schaltgerätekombinationen, Stromverteilungs- und elektrische Systemkomponenten sowie elektronische Überwachungs- und Energiemanagementsysteme – sowohl in Serie als auch im Rahmen der Kundenauftragsfertigung. Wie häufig im Mittelstand, standen auch die Hessen zunehmend vor der Problemstellung, bei immer kürzeren Lieferzeiten die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Produkte hochzuhalten. Dies erreichte man über die umfassende Nutzung und Anzeige von Daten aus dem ERP-System auf Monitoren in den Produktionshallen sowie den Einsatz mobiler Scannerlösungen.

Beides sorgt für höhere Transparenz und einen schnellen Informationsfluss. Der hohe Stellenwert der Produktion für das Unternehmen wird allein anhand des jährlichen Produktionsauftragsvolumens sichtbar. So wickelte Jean Müller beispielsweise im Jahr 2014 fast 70.000 Fertigungsaufträge ab. Dabei ist ein eigener Werkzeugbau ein wichtiger Bestandteil der internen Fertigung – dieser sichert die Produktivität durch die Bereitstellung spezifischer Werkzeuge.

Als die bestehende IT-Landschaft die Anforderungen des Unternehmens nicht mehr erfüllte, löste Jean Müller mit der Software Canias ERP der Industrial Application Software GmbH mehrere Insellösungen ab. Seit der Implementierung wird das ERP-System unternehmensweit genutzt, auch im Produktionsprozess selbst

Mehr Überblick in der Produktion

In der Produktionshalle aufgehängte Monitore machen aktuelle Daten aus dem ERP-System sichtbar, so dass jeder Werker über Materialanforderungen informiert ist und die weiteren Fertigungsschritte besser planen und vorbereiten kann. Die automatische Kanban-Bestellung beschleunigt die Bestellabläufe in der Produktion und trägt zur Bestandssicherung bei: Stellt ein Werker fest, dass ein bestimmter Artikel nachbestellt werden soll, muss er lediglich das am Regal angebrachte Artikelschild einscannen. Damit wird aus der Fertigung heraus – ohne weitere Angaben – eine interne Materialanforderung an das Lagerverwaltungssystem ausgelöst und der Artikel geliefert.

Der eingerichtete Etikettendruck sichert eine schnelle und fehlerfreie Weiterverarbeitung: Bei der Rückmeldung eines Fertigungsauftrages werden automatisch erstellte Barcode-Etiketten an die Kisten mit den Fertigerzeugnissen geklebt und können in Folgeprozessen eingescannt werden. Zeitnahe Rückmeldungen an IT-Terminals sorgen für eine realitätsgetreue Abbildung des Produktionsprozesses und der zugehörigen Warenbuchungen im ERP-System: Damit entfällt die zeitliche Ungenauigkeit aufgrund zeitversetzter Rückmeldungen durch die Produktionssteuerung.

Das von Jean Müller selbstprogrammierte Fertigungscockpit bündelt alle dispositions- und fertigungsrelevanten Daten an einer zentralen Stelle: So stehen Informationen über Bestell- und Fertigungsvorschläge, Fertigungsaufträge, Störzeiten und Schichtpläne sowohl der Arbeitsvorbereitung als auch der Produktion unmittelbar zur Verfügung.

Mobile Barcodescanner ermöglichen ein flexibles und schnelles Ein- und Auslesen von Daten: Sie werden zur automatischen Erfassung von Materialanforderungen sowie Durchführung von Inventuren eingesetzt und sind ein wesentliches Element der Produktion bei Jean Müller. Außerdem haben die Werker schnellen Zugriff auf Konstruktionszeichnungen: Durch die konsequente Verknüpfung der Zeichnungen (sowie weiterer beliebiger Abbildungen) aus dem externen Dokumentenmanagementsystem mit dem Artikelstamm in Canias ERP sind diese jederzeit über eine Intranetanwendung aufrufbar.

Vordefinierte Analysenberichte

In einer unternehmensspezifisch entwickelten Störzeitenverwaltung können Störzeiten erfasst und ausgewertet werden. Dabei lassen sich die ERP-Daten durch zusätzliche Informationen aus der Zeiterfassungssoftware anreichern, indem diese über eine Schnittstelle in das ERP-System eingelesen werden. Dies trägt dazu bei, rechtzeitig Rückschlüsse auf die Anzahl und Art der Störungen zu ziehen und Steuerungsmaßnahmen einzuleiten.

Dynamische Auswertungen von Rückmeldedaten direkt im ERP-System gestatten den dafür berechtigten Benutzern, auf vordefinierte Analysenberichte zurückzugreifen oder sich ohne größeren Aufwand eigene Reports zusammenzustellen. Diese Funktionalität wird u.a. im hauseigenen Werkzeugbau in Form von Plan-Ist-Nachkalkulationen genutzt. Darüber hinaus ermöglicht die laufende Aktualisierung von Arbeitsplanzeiten eine genauere zeitliche Planung für die zukünftige Fertigung eines Artikels.

Jean Müller
Standort: Eltville
Gründung: 1897

Mitarbeiter: weltweit 600
Branche: Elektrotechnik, über 23.000 Artikel, 70.000 Fertigungsaufträge 2014

Internet: www.jeanmueller.de

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