Der Faktor Mensch spielt auch weiterhin eine wichtige Rolle in der Produktion, die Digitaliserung macht spezielle Weiterbildungsmaßnahmen notwendig.
Der Faktor Mensch wird mit zur entscheidenden Größe bei der erfolgreichen Umsetzung von Industrie 4.0. Dies unterstreicht u.a. der Umsetzungsbericht Industrie 4.0 der Industrieplattform oder auch die Studie des BMWi „Erschließen der Potentiale der Anwendung von 'Industrie 4.0' im Mittelstand“.
Und das betrifft mehrere Dimensionen, die weit über ausschließlich fachliche Qualifikationen hinausgehen.
In der Berufsausbildung wird es erforderlich sein, die klassischen Berufsbilder in der Produktion um typisches Industrie 4.-Know-how zu erweitert, dazu zählen in der Regel IT oder auch IT-Sicherheitskenntnisse. Bei der Ausbildung von Experten, die Industrie 4.0-Anlagen planen und errichten, besteht ebenfalls erheblicher Anpassungsbedarf. Ingenieure müssen neben fachlichem Know-how auch verstärkt IT-, und IT-Sicherheitskenntnisse sowie Soft Skills wie Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit erwerben. Der Bundesverband IT-Sicherheit, TeleTrusT, fordert dann auch eine Neugestaltung der Ingenieursausbildung angesichts der Anforderungen von Industrie 4.0.
Insbesondere um den kurzfristigen Qualifizierungsbedarf zu decken sind Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich, die sowohl Maßnahmen im Bereich der technischen Qualifizierung, der Vermittlung von Soft Skills, der Personal- und Organisationsentwicklung sowie Unternehmensführung einschließen.
Wie die neuen Qualifikationen im Detail aussehen werden, ist noch ungewiss und zurzeit Gegenstand eingehender Untersuchungen. So hat der VDMA eigens eine Studie beauftragt, um detailliert den künftigen Qualifizierungsbedarf zu erheben; die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende des Jahres vorliegen.
Einen Erfahrungsaustausch mit Unternehmen der deutschen Großindustrie hat der Schulungs- und Trainingsanbieter qSkills gemeinsam mit dem Industrial IT-Spezialisten Koramis GmbH durchgeführt. „Deutlich wurde, dass ein großer Qualifizierungsbedarf vorhanden ist und dass insbesondere die Großunternehmen derzeit die entscheidenden Impulse setzen. Beim Mittelstand ist das Thema in Verbindung mit Industrie 4.0 noch nicht angekommen, “ so Christian Jacobs, bei qSkills verantwortlich für Business Development. „Einheitliche und standardisierte Schulungen werden dadurch erschwert, dass Mitarbeiter ein sehr unterschiedliches Ausgangsniveau und sehr heterogene Vorkenntnisse haben. Es geht darum, Mitarbeiter unterschiedlichster Berufsgruppen und auch Quereinsteiger zu integrieren. Darüber hinaus gibt es sehr vielfältige Zielgruppen, wie etwa Management, Experten oder Produktionsmitarbeiter. Erforderlich ist ein modularer Schulungsansatz von der Online- bis hin zur Präsenzschulung, der sich am individuellen Bedarf der einzelnen Unternehmen orientiert.“
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