Lohnt sich Feinplanung?

Fein geplant

Feinplanung soll als Methode des modernen Produktionsmanagements helfen, Kosten zu reduzieren oder den Lagerbestand zu minimieren. Dabei muss die Lösung bezahlbar sein.

Zunächst ist es elementar, die genauen Ziele zu definieren, die ein Unternehmen mit Hilfe von Feinplanungssystemen verfolgen will. So ist dem einen die Einhaltung von Kundenterminen wichtiger, dem anderen kurze Durchlaufzeiten, während der Dritte vor allem eine Optimierung der Lagerhaltung – also niedrige Bestände – anstrebt.

Umfangreiche Advanced Planning Systeme (APS) bieten sehr viele Möglichkeiten, die Planung filigran anzupassen. Jedoch decken in ERP-Systeme integrierte Feinplanungsmodule meist bereits mehr als 80 Prozent dieser Anforderungen ab – und dies zu einem wesentlich geringeren Preis. Wer also auf die fehlenden 20 Prozent mit individuell zugeschnitten Planungsmodellen verzichten kann, kann mit den integrierten Modulen seine Kernaufgaben erfüllen. Die Grundfunktionen einer Feinplanung ersparen dem Planer oder Arbeitsvorbereiter viel Aufwand und helfen bei der Fehlervermeidung. So kann etwa ein Auftrag nicht zu einem Zeitpunkt eingeplant werden, an dem das benötigte Material noch gar nicht zur Verfügung steht. Das automatisch ermittelte Ergebnis sorgt für eine möglichst optimale Auslastung der Maschinen, Termintreue und kurze Durchlaufzeiten. Anschließend wird die Planung veröffentlicht, das heißt: in das ERP-System übertragen.

Funktionen: Weniger ist mehr

Eine automatische Planung mit begrenzten Kapazitäten wirkt in mittelständischen Betrieben ebenso produktivitätssteigernd wie in Großunternehmen. Bereits im Falle nur weniger parallel laufender Aufträge in unterschiedlichen Bearbeitungsstadien kann es zu Stauungen in einem Produktionsabschnitt kommen, während Mitarbeiter in anderen Bereichen Stillstände durch ein Fehlen von Werkstücken zur Weiterverarbeitung beklagen. Deshalb sind zuverlässige Aussagen darüber nötig, wann ein Auftrag – ermittelt aus Dispositionen oder Wiederbeschaffungszeiten – in Angriff genommen werden kann, sobald das dafür benötigte Material zur Verfügung steht.

Im Normalfall benötigen Betriebe jedoch im Feinplanungssystem keine Disposition und keine Beschaffungsfunktionen, da diese Aufgaben im ERP-System selbst abgewickelt werden. Ähnlich verhält es sich mit Rüstzeiten und Betriebsmitteln. Kleinere Mittelständler benötigen im Normalfall auch keine ausgefeilte Rüstzeitmatrix unter Berücksichtigung mehrerer Betriebsmittel und Werkzeuge, da dies eine unverhältnismäßig intensive Datenpflege mit entsprechendem Personalaufwand verursachen würde. Mit dem Hinzufügen einer durchschnittlichen Rüstzeit pro Arbeitsgang ist es meist getan. Auch ergibt es wenig Sinn, Betriebsmittel als knappe Ressourcen zu betrachten, da dieser Faktor in Betrieben überschaubarer Größe übersichtlich bleibt und eine automatische Steuerung übertrieben wäre.

Große Systeme sind in der Lage, wahlweise vorwärts oder rückwärts zu terminieren und vielfältige Planungskriterien nach Wunsch zu gewichten. Moderne Feinplanungsmodule terminieren hingegen häufig vorwärts, um gegenwärtige oder in naher Zukunft liegende Lücken in den Maschinenbelegungen zu vermeiden. Aufgaben, die bereits für die Vergangenheit geplant waren, aber nicht erledigt wurden, bleiben aber dennoch nicht liegen, sondern werden in die Zukunft verschoben. Sollte dies wegen zu langer Arbeitsgangdauer, überlasteter Kapazitäten oder fehlender Rohmaterialien nicht möglich sein, werden alle verspäteten Werkstattaufträge optisch hervorgehoben. Manuelle Eingriffe in das automatisch ermittelte Planungsergebnis sind möglich. Arbeitsgänge können verschoben oder auf andere Ressourcen verlegt, Maschinen – etwa bei plötzlichen Ausfällen – gesperrt oder ausnahmsweise für einen bestimmten, außerhalb des normalen Dienstplanes liegenden Zeitraum freigegeben werden.

Immer nach vorne schauen

Um das Potential einer Software in vollem Umfang auszuschöpfen, muss sie hinsichtlich Ergonomie und Bedienkomfort durchdacht sein. Dies ist ein wesentliches Kriterium für die Akzeptanz beim Anwender. Durch die Verwendung leicht verständlicher optisch-grafischer Darstellungen, verschiedener Filterfunktionen und dem automatisierten Ablauf von Folgeschritten wie Disposition oder der Erzeugung von Bestellvorschlägen innerhalb des ERP-Systems wird dem Anwender der Umgang so effizient wie möglich gestaltet.

Für die Standardimplementierung des Feinplanungsmoduls veranschlagen einige Hersteller oder Dienstleisters etwa zehn Personentage Aufwand für Installation, Datenanalyse und -bereinigung sowie Prozessberatung. Erfolgt die Produktionsplanung bereits mit Hilfe des ERP-Systems, so sind die wichtigsten Fakten wie Maschinendaten, Betriebskalender, Arbeits- und Dienstpläne oder Stücklisten in der Regel bereits ausreichend gepflegt. In diesem Fall sind Analyse und „Feintuning“ dieser Daten schon in den veranschlagten Tagen enthalten. Bei Feinplanungssystemen, die in das ERP-System bereits herstellerseitig voll integriert sind, müssen außerdem keine Schnittstellen konfiguriert werden. 


Lohnt sich Feinplanung?

Bisherige Hindernisse: Hohe Investitionskosten
Heutiger Stand: Lizenzen für Feinplanungsmodule erheblich preisgünstiger als die eines großen APS. Einführungszeitraum kürzer und Projektkosten in der Folge wesentlich geringer. Schneller Return on Investment bei geringeren Gesamtbetriebskosten

Bisherige Hindernisse: Hoher zeitlicher Aufwand für Installation, Datenanalyse und -bereinigung sowie Prozessberatung
Heutiger Stand: Mit einem technologisch geeigneten Feinplanungsmodul und dem entsprechenden Know-how ist eine Implementierung in etwa zehn Personentagen realisierbar.

Bisherige Hindernisse: Lange Projektlaufzeiten durch langwieriges Erstellen individueller Planungsmodelle und Modifikation der Schnittstelle
Heutiger Stand: Sofern ein lediglich leicht modifizierbares Standardplanungsmodell vorgegeben ist, entfallen derartige Unwägbarkeiten.

Bisherige Hindernisse: Langwierige und instabile Schnittstellenprozesse (nächtliche Datenübertragungen, Performance-Einbußen bei Datenübernahmen im Produktivbetrieb)
Heutiger Stand: Der Einsatz von Webservices ermöglicht einen permanenten Datenaustausch.

Bisherige Hindernisse: Intensive Einarbeitungs- und Schulungsphase für einen wichtigen
Teil der Belegschaft
Heutiger Stand: Außer dem Planer selbst muss sich niemand an ein neues Softwaresystem gewöhnen, da in allen übrigen Unternehmensbereichen inklusive der Produktion wie gewohnt mit der unternehmenseigenen ERP-Lösung gearbeitet werden kann.

Bisherige Hindernisse: Limitierte Planungsfunktionen
Heutiger Stand: Die Planung enthält bei modernen Modulen nicht nur die Werkstattaufträge, die bei der letzten Datenübertragung schon angelegt waren, sondern bleibt stets aktuell, da jeder neu erfasste Auftrag sofort über den Webservice in die Feinplanung übertragen wird.

Quelle: Asseco Germany AG

Bildquelle: © iStockphoto.com/TommL

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