Dipl.Ing. Marc Wilkens, Senior Consultant RZ-Products GmbH
ITM: Welche Komponenten stellen neben der Klimatisierung eines Rechenzentrums die größten Energiefresser dar?
Marc Wilkens: Nicht-modulare überdimensionierte USV-Anlagen und alte ungenutzte Server, die nicht abgeschaltet werden, sind neben der Klimatisierung die wesentlichen Energiefresser im RZ-Betrieb.
ITM: Welchen Anteil (auch finanziell) nehmen diese im laufenden Betrieb ein?
Wilkens: Bei alten monolithischen USV-Anlagen können die Stromverluste bei schlechter Auslastung der USV bis zu 10 Prozent des gesamten RZ-Strombedarfes ausmachen. Die Investition in eine moderne USV-Anlage amortisiert sich dann oft schon nach 3 Jahren.
ITM: Inwieweit sind mittelständische Unternehmen von diesem Energiebedarf betroffen?
Wilkens: KMUs sind besonders betroffen, weil mittelständische Unternehmen i.d.R. keine besonderen Mengenrabatte bei Stromeinkauf oder großzügige Ausnahmen von der EEG-Umlage in Anspruch nehmen können. Der Anteil der Stromkosten bei den Betriebskosten für das RZ ist hier besonders groß.
ITM: Welche Möglichkeiten gibt es, die Energiebilanz zu verbessern? Vor allem in Bezug auf Switches und die Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV)?
Wilkens: Wenn es große Unsicherheit bei der Prognose des zukünftigen IT-Wachstums für das RZ gibt, sollte immer die Alternative einer modularen USV-Anlage geprüft werden. Hier sind die sogenannten Total Costs of Ownership (TCO) entscheidend – Betriebskosten vs. Investitionskosten
ITM: Welche Modernisierungsmaßnahmen können Sie empfehlen?
An welchem Energieverbrauch lässt sich (leider) nicht rütteln?
Wilkens: Wir empfehlen eine abgestimmte integrierte Planung der RZ-Infrastruktur – beginnend mit der IT-Konsolidierung und Einführung eines Kapazitätsmanagements, anschließend die Planung eines neuen USV-Konzeptes; mit diesen Maßnahmen sollte sich die „Wärmelast“ im RZ reduzieren. Um die eigentlichen bzw. größten Einsparpotentiale zu realisieren, müssen dann auch das Airmanagement in den Serverräumen und die Parameter im Kühlsystem angepasst werden. Nur mit einer durchgängigen Planung der Effizienzmaßnahmen können Einsparungen von bis zu 30 Prozent beim RZ-Gesamtstrombedarf erzielt werden. Bei der Umsetzung einzelner isolierter Maßnahmen ohne Berücksichtigung des Gesamtsystems RZ sind die Einsparung meist nur minimal – im schlimmsten Fall erhöht sich der Strombedarf sogar.
ITM: Wie lässt sich in diesem Zusammenhang ein „Green-IT-Konzept“ integrieren?
Wilkens: Über ein Green-IT-Monitoring ist es möglich die „Erfolge“ tatsächlich zu messen. Bei jeder Effizienzmaßnahme sollte ein Vorher-Nachher-Vergleich anhand von ausgewählten Kennzahlen durchgeführt werden.
ITM: Wie schätzen Sie Software als „unsichtbaren Energiefresser“ ein? Wo gibt es an dieser Stelle Optimierungsbedarf?
Wilkens: Für den Energiebedarf optimierte Algorithmen in der Softwareprogrammierung könnten ein erhebliches Einsparpotential haben. In der Forschung wurde diesem Thema auch im Rahmen von Green IT nur wenig Beachtung geschenkt. Die notwendigen Änderungen der bestehenden Programmierstandards in Richtung energieeffiziente Software erfordern allerdings einen breiten Konsens, der wahrscheinlich nur mit erheblichem Aufwand hergestellt werden kann.
ITM: Bitte geben Sie drei Tipps für ein sinnvolles Energiemanagement speziell für Mittelständler.
Wilkens: