Die Cloud-Thematik manifestiert sich zunehmend im Mittelstand“, heißt es in einer Pressemitteilung des Analystenhauses Techconsult. Gemeinsam mit dem IT-Anbieter HP untersucht Techconsult in seinem IT-Cloud-Index regelmäßig die Verbreitung von entsprechenden Konzepten im Mittelstand. Das Ergebnis der aktuellen Studie lautet: Im deutschen Mittelstand setzt jedes fünfte Unternehmen auf Cloud-Lösungen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Anteil im dritten Quartal 2012 fast verdoppelt. Das Nutzenpotential ist offenbar bei den Anwendern angekommen: Gerade für kleine und mittlere Firmen bietet Cloud Computing die Möglichkeit, IT-Leistung zu nutzen, zu der sie sonst keinen Zugang hätten.
Doch die IT-Wolke ist kein Selbstläufer und kein Allheilmittel. Hinter den Vorteilen, mit denen die Cloud-Provider werben, verstecken sich Herausforderungen und Stolperfallen. Das beginnt schon damit, dass nicht alles, was als Cloud verkauft wird, tatsächlich diese Bezeichnung verdient. „Unter den Cloud-Anbietern gibt es eine ganze Reihe schwarzer Schafe“, berichtet Techconsult-Analyst Heiko Henkes. Services, die nicht skalierbar sind oder die nicht auf einem flexiblen Preismodell basieren, seien keine Cloud-Dienste. „Bei solchen Angeboten handelt es sich tatsächlich eher um Outsourcing im klassischen Sinn und nicht um Cloud Computing“, so Henkes.
Andere Experten sehen das ähnlich. Für ihren Cloud Vendor Benchmark hat das Marktforschungshaus Experton Group die Angebote von 350 Dienstleistern unter die Lupe genommen. Gerade im Bereich Software as a Service (SaaS) kann man demnach nicht immer von tatsächlichem Cloud Computing sprechen. Laut Studie ist der Markt echter SaaS-Lösungen – also mit multimandantenfähiger Architektur auf einer Shared Infrastructure sowie einem zentralen Release- und Patchmanagement – deutlich kleiner als bisher angenommen. „Bei den meisten Angeboten handelt es sich lediglich um gehostete Instanzen von bestehenden On-premise-Versionen. Hier kann der Anwender mit Ausnahme der preislichen Flexibilisierung nicht von den zentralen Vorteilen eines Cloud-Modells profitieren“, erklärt Steve Janata, Senior Advisor bei der Experton Group.
Noch immer im Anfangsstadium
Cloud Computing befindet sich noch im Anfangsstadium. Das zeigt sich auch in der Anbieterlandschaft. Viele IT-Firmen möchten noch auf den Zug aufspringen und vom steigenden Interesse der Anwender profitieren. Somit befinden sich nun Provider im Cloud-Geschäft, die ursprünglich aus vielen unterschiedlichen Marktsegmenten kommen und bisher wenig mit Themen wie Outsourcing zu tun hatten. Anwenderunternehmen, die nach dem passenden Dienstleister suchen, sollten daher zunächst prüfen, wie groß dessen Erfahrung mit Cloud-Services tatsächlich ist. Dabei hilft u. a. ein Blick auf die Kundenreferenzen.
Daneben sollten sich Firmen auch die Wirtschaftskraft des Providers genauer anschauen. Schon jetzt ist abzusehen, dass bei der Menge an Marktteilnehmern im Cloud-Segment nicht alle Anbieter dem Konkurrenzdruck standhalten werden. „Es wird gerade bei den Cloud-Services langfristig pro Anwendungskategorie nur maximal fünf bis zehn profitable Anbieter geben“, glaubt Carlo Velten, ebenfalls Senior Advisor bei der Experton Group. Bei der Bewertung eines Cloud-Dienstleisters sollten daher dessen langfristige Innovationsstärke, finanzielle Stabilität sowie tragfähige Geschäfts- und Lizenzmodelle künftig eine große Rolle spielen.
Besser langfristig planen
Die Konsolidierung des Marktes kann neben anderen Motiven ein Grund sein, warum Anwender die Nutzung eines Cloud-Dienstes beenden oder zu einem anderen Provider gehen. Und auch in diesem Punkt sollten die Verantwortlichen langfristig planen. Bereits bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters sollte ein Unternehmen klären, ob ein Wechsel des Providers ohne große Schwierigkeiten möglich ist, rät Karsten Leclerque, Principal Consultant beim Beratungshaus PAC. Es geht dabei u. a. um die Frage, ob sich die Daten problemlos von der einen Wolke in die andere überführen lassen.
Ohnehin können inkompatible Datenformate und Schnittstellen dafür sorgen, dass sich Firmen mit den Cloud-Services eine Menge zusätzlicher Kosten ins Haus holen. Wenn die firmeninternen IT-Systeme mit denen des Cloud-Anbieters nicht harmonieren, können die Anpassungsarbeiten aufwendig und teuer werden. Hier lauert für viele Cloud-Projekte eine ernstzunehmende Falle.
Doch selbst wenn die technische Anbindung reibungslos funktioniert, heißt das noch nicht, dass die Cloud auch den erwarteten Nutzen bringt. Wer in Betracht zieht, IT-Leistung aus der Wolke zu beziehen, sollte gut darüber nachdenken, welcher Service überhaupt Sinn ergibt. Denn die Cloud ist kein Selbstzweck. Die in Anspruch genommene Dienstleistung muss zum Geschäftsmodell des Anwenderunternehmens passen. Und häufig zahlen Unternehmen für Cloud-Services, die sie dann nicht effizient nutzen.
Vielleicht braucht ein Unternehmen aber auch gar kein Cloud Computing. In den meisten mittelständischen Unternehmen laufe der IT-Betrieb gut, meint nämlich Velten. „Häufig gibt es gar keine Notwendigkeit, ein neues Modell auszuprobieren“, so der Experte. Er fügt aber hinzu: „Langfristig bringt Cloud Computing aber auf jeden Fall Wettbewerbsvorteile, weil die Firmen schneller agieren und Kosten sparen können.“
Mit kleinen Schritten in die Cloud
Wer sich trotzdem für Services aus der Wolke entscheidet, sollte dabei mit der nötigen Ruhe vorgehen. „Unternehmen sollten grundsätzlich in kleinen Schritten in die Cloud starten, um sich mit dem Thema vertraut zu machen“, empfiehlt Henkes. Je nachdem wie sicher und performant das Unternehmen hinsichtlich der eigenen IT aufgestellt ist, könne eine sukzessive Cloud-Annäherung über unkritische oder auch kritische Unternehmensdaten stattfinden. Auch sollten die Cloud-Dienste nicht gleich für alle Mitarbeiter bereitgestellt werden, fügt Velten hinzu. „Das kann sonst teuer werden“, weiß der Experton-Group-Mann. Die Entscheidung darüber, ob und mit welchem Service das Unternehmen beginnt, ist laut Henkes von vielen und vor allem stets individuellen Faktoren abhängig. „Eine Generalisierung ist genauso falsch wie der Irrglaube, die unternehmenskritischen Daten stets selbst verwalten zu müssen“, so der Techconsult-Analyst. Häufig seien wichtige Firmendaten in einer speziell dafür geschaffenen Umgebung sicherer als in dem eigenen Serverraum, der auch von Unbefugten ohne große Schwierigkeiten betreten werden kann.
Unabhängig davon, wann und wie schnell das einzelne Unternehmen ins Cloud Computing einsteigt – die Experten sind sich einig, dass das flexible IT-Modell in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Firmen sollten daher die Auswirkungen der Cloud auf ihre IT in die künftige Strategie einbeziehen – selbst wenn sie zurzeit noch keine Dienste aus der Wolke beziehen. Das betreffe etwa die Planungen für das Firmennetzwerk und die IT-Architektur, meint Velten. „Außerdem müssen Firmen intern Cloud-Skills aufbauen“, so der Marktbeobachter. „Sie brauchen junge Entwickler, die sich mit dem Thema beschäftigen.“
Laut Cloud-Index von Techconsult fehlen aber gerade in den kleineren Unternehmen aufgrund des operativen Alltagsgeschäfts häufig die Ressourcen, um sich über neue Technologien zu informieren und mit diesen auseinanderzusetzen. Zudem sind auch die technischen Voraussetzungen oft noch nicht geschaffen. Das Thema Virtualisierung spiele nach wie vor noch eine weniger stark ausgeprägte Rolle bei kleineren Firmen. Immerhin: „Der Mittelstand ist deutlich informierter als noch vor einem Jahr“, berichtet Uli Seibold, Geschäftsbereichsleiter Vertriebspartnerorganisation bei HP. Die IT-Verantwortlichen gingen die Auswahl der Bereitstellungsform – also Private, Public oder Hybrid-Cloud – offener an und überlegten bewusst, welche Bezugsstrategie zu den angedachten Lösungen bzw. Services passt.
Tipps für die Cloud-Praxis
Vier Maßnahmen von Unternehmen, um Cloud-Systeme effizient zu nutzen:
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