Jörg Liebe, CIO bei Lufthansa Systems: „Ob Unternehmensdaten in einer Public Cloud verarbeitet werden können, muss eine sogenannte Schutzbedarfsanalyse klären.“
ITM: Herr Liebe, für welche Zwecke können Mittelständler Ihr neues Angebot „Cloudlounge“ nutzen?
Jörg Liebe: Es handelt sich um ein „Infrastructure as a Service“-Angebot (IaaS), mit dem sich Unternehmen komplette Rechenzentrumsinfrastrukturen aufbauen können. Wir haben dieses Public-Cloud-Angebot als Reaktion auf die Anforderungen unserer Bestandskunden aufgebaut: Wollten Kunden kurzfristig Test- und Integrationssysteme nutzen, so war das bisher in unseren auf Hochverfügbarkeit und Sicherheit ausgerichteten Betriebsstrukturen nur bedingt möglich.
Im Rahmen des neuen Public-Cloud-Angebots erfolgen die Infrastrukturbereitstellung, Datenvorhaltung und Verarbeitung in unserem ISO-27001-zertifizierten Rechenzentrum in Deutschland. Hier konnten in einem Anwendungsfall unterschiedliche Systemupgrades in einer Testumgebung nachgestellt sowie getestet werden und nach Festlegung der notwendigen Schritte die Umstellung im produktiven System umgesetzt werden.
ITM: Welche Daten können in Ihre Public Cloud migriert werden bzw. welche Standardschnittstellen sind vorhanden?
Liebe: Ob Unternehmensdaten in einer Public Cloud verarbeitet werden können, muss zunächst eine sogenannte Schutzbedarfsanalyse klären. Diese zeigt auf, wie geschäftskritisch die Daten sind und welche Prozesse zur Bearbeitung – etwa hinsichtlich der Erfüllung gesetzlicher Vorgaben oder der Absicherung des Wettbewerbsvorteils – zu beachten sind. Dabei können Methoden wie „Tokenization“ – d.h. die Maskierung der realen Daten durch sogenannte Token, die keine Rückschlüsse auf die Originaldaten zulassen – dabei helfen, trotz enger Regularien Public-Cloud-Angebote nutzbar zu machen.
Darüber hinaus müssen die Geschäftsanwendungen auf ihre Cloud-Fähigkeit untersucht und gegebenenfalls angepasst werden. Im Rahmen unseres Angebots stellen wir sogenannte „Restful APIs“ zum Betrieb der virtualisierten RZ-Infrastrukturen bereit. Neben der Systemadministration über ein Webportal kann über diese APIs der gesamte Betrieb der jeweiligen Kundeninfrastruktur erfolgen, einschließlich der Bereitstellung zusätzlicher oder der Freigabe nicht mehr genutzter Instanzen.
Die Übertragung von Unternehmensdaten über entsprechende Verfahren und APIs im aufgebauten virtuellen Kundenrechenzentrum liegt in der Verantwortung des Cloudlounge-Kunden. Abhängig von der Zielsetzung der Infrastruktur und den notwendigen Schutzmechanismen können Kunden nahezu alle denkbaren Schnittstellen aufbauen.
ITM: Wie teuer sind Ihre Cloud-Services?
Liebe: Unsere Lösung bietet die Möglichkeit, den Speicherplatz, die Rechenleistung sowie die Zahl der IP-Adressen individuell zu konfigurieren. Die Kosten ergeben sich damit aus den jeweiligen Anforderungen.
Der Zugang erfolgt über ein Portal unter cloud.lhsystems.com. Auf der Oberfläche kann der Kunde die Ressourcen über Schieberegler selbst einstellen und bekommt direkt den Preis für seine individuelle Konfiguration angezeigt. Die Abrechnung erfolgt über Kreditkarte. Nachdem sich der Kunde im Portal registriert hat, startet ein automatisierter Workflow, um die gebuchten Ressourcen in wenigen Minuten bereitzustellen.
ITM: Wie flexibel sind die Vertragslaufzeiten?
Liebe: Die Verrechnung erfolgt auf monatlicher Basis. Dabei wird die im zurückliegenden Monat maximal genutzte Infrastrukturnutzung zugrundegelegt und verrechnet. Über den jeweiligen Monat hinaus besteht keine weitere vertragliche Verpflichtung zur Abnahme von Leistungen. Werden keine weiteren Infrastrukturen genutzt, erfolgt auch keine Verrechnung.
ITM: Läuft ein Vertrag aus – was machen Sie mit den bislang vorgehaltenen Kundendaten?
Liebe: Der Vertragsablauf bedingt, dass keine Infrastruktur mehr genutzt wird. Dies geht einher mit der Löschung aller vorher genutzten Instanzen einschließlich der darin vorgehaltenen Kundendaten.