Wenn es darum geht, Infrastrukturservices einzukaufen, denken viele IT-Verantwortliche an Amazon und seine Amazon Web Services (AWS). De facto diktiert das amerikanische Onlinekaufhaus den Markt, gibt Preise und Konditionen vor.
Wenn es darum geht, Infrastrukturservices einzukaufen, denken viele IT-Verantwortliche an Amazon und seine Amazon Web Services (AWS). De facto diktiert das amerikanische Onlinekaufhaus den Markt, gibt Preise und Konditionen vor. So wollte sich beispielsweise Microsoft mit seiner Preissenkung im März nach eigenen Angaben an das Niveau von Amazon anpassen, um in diesem Markt endlich ein Wörtchen mitreden zu können. Doch abseits der großen Unternehmen wollen kleinere, spezialisierte Anbieter mit attraktiven Preis-Leistungs-Modellen punkten. Mit zunehmender Akzeptanz von Cloud-Computing-Technologien könnte aus dem ursprünglichen kleinen Bereich eine wichtige Einnahmequelle werden. Erst kürzlich nannte Jeff Bezos, Gründer und Geschäftsführer von Amazon, es eine Möglichkeit, dass AWS einmal zum größten Geschäft von Amazon würde. Andere Marktteilnehmer teilen diese Ansicht offenbar und orientieren sich an Amazon.
Nun senkte Amazon in schöner Regelmäßigkeit seine Preise für AWS, kaum einer zählte hier noch mit. Impulse für neuen Schwung im Markt wollte im Herbst der Berliner IaaS-Dienstleister Profitbricks setzen. Dessen Gründer und Geschäftsführer Andreas Gauger wollte ein deutliches Signal setzen und die Preise aufgrund der erreichten Unternehmensgröße straffer kalkulieren. Er senkte die Preise um gut 50 Prozent. Der Wettbewerb reagierte und zog nach. Ende Januar korrigierte Amazon die Preise für seine AWS-Instanzen, wenig später verkündete Google Preissenkungen für seine Cloud-Computing-Services. Amazon nutzte sein AWS-Summit-Event, um noch einmal nachzulegen und schließlich ließ auch Microsoft die Preise für MS Azure fallen.
Die Kunden freut’s. Doch Andreas Gauger meint: „Noch immer bieten Dienstleister wie Amazon ressourcentechnisch nur fest definierte Instanzen zur Miete an. Das führt fast immer zu unnötig hohen Kosten, da Ressourcen mitgekauft werden müssen, die nicht benötigt werden. Sinnvoller ist es, wenn sich die gemietete Infrastruktur frei und variabel angleichen lässt.“ Darüber hinaus hilft vertikale Skalierung dabei, Geld zu sparen. Dabei können zur Laufzeit Cores und RAM an die Last auf dem Server angepasst werden. Dies ermögliche es Unternehmen, schnell auf Bedarfsänderungen zu reagieren. Ebenso schnell, wie sich die Ressourcen zuschalten lassen, können sie auch stillgelegt werden.
Dies würde bedeuten, dass IaaS-Kunden zu viel bezahlen, weil sich die Dienstleistung aufgrund vorgefertigter Pakete nicht optimal an die echten Bedürfnisse ausrichten lässt. Preisvergleiche sind jedoch nicht einfach, da die Instanzen der Anbieter unterschiedlich ausgestattet sind und zum Teil völlig verschiedene Performancewerte aufweisen. Welche Performance die gemietete Infrastruktur aufweist, ist aber letztlich mitentscheidend dafür, wie viel Cloud-Dienstleistung eingekauft werden muss.
Bestandskunden schließlich profitieren von den Preissenkungen ihrer Dienstleister nur, wenn sich diese nicht nur auf neu eingeführte Produkte bezieht. Soll heißen: Amazon senkte beispielsweise zwar die Preise für seine neuen M3-Instanzen, den Nachfolgern der M1-Pakete. Kunden, die mit M1 arbeiten, nützt dies zunächst wenig. Sie müssten ihre Anwendung erst auf die neue Infrastruktur portieren, um von dem nun besseren Preis-/Leistungsverhältnis zu profitieren. Das aber ist nicht ganz einfach und erfordert einigen technischen Aufwand.
Flexible IaaS-Dienstleistungen bietet der Markt bereits: freie Anpassung der Ressourcen, vertikales Skalieren im laufenden Betrieb, Abschalten von Ressourcen innerhalb kürzester Zeit, Abrechnen im Minutentakt. Langfristige Verträge, die zu günstigeren Konditionen verhelfen, sollten doch eigentlich der Vergangenheit angehören. Performance-Tests können bei vielen Anbietern vor Vertragsabschluss durchgeführt werden. Einige IaaS-Anbieter garantieren ihren Kunden zudem dedizierte Ressourcen, so dass Performance-Einbußen durch den „bösen Nachbarn“, der hohe Last verursacht und damit die Performance anderer Nutzer dieser Ressourcen, kein Problem mehr sind.
Bleibt die Frage nach der Sicherheit. Die modernen Rechenzentren der IaaS-Provider sind softwarebasiert. Software-Controller übernehmen die Kommunikation zwischen den Ressourcen sowie weitere wichtige Steuerungsfunktionen und machen die Gestaltung des Netzwerkes hardwareunabhängig. So können innerhalb ein- und derselben Public Cloud verschiedene, voneinander getrennte Netzwerke eingerichtet werden.
Viele Kunden zahlen noch immer zu viel. Und das aus vielerlei Gründen: Überdimensionierung durch vordefinierte Pakete, unflexible Langzeitverträge, mehr Ressourcenbedarf durch ungenügende Performance und schließlich schwer miteinander vergleichbare Angebote. Doch der Markt ist in Bewegung. Sicher werden wir nicht die letzte Preisrunde erlebt haben.
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