26.01.2017 Ein Arbeitsbuch und kein Lesebuch

Innovation im Unternehmen fördern

Von: Robert Schindler

Das "Digital Innovation Playbook" soll helfen, Innovation in Unternehmen zu fördern. Wir sprachen mit Patrick Steller von der Innovationsagentur Dark Horse darüber, ob und wie dies auch im Mittelstand funktionieren kann.

  • Digital Innovation Playbook: "Wissen wird immer noch am besten in gedruckter Form rezipiert."

  • Patrick Steller von der Innovationsagentur Dark Horse

    Patrick Steller von der Innovationsagentur Dark Horse

  • Dark Horse Innnovation

    Dark Horse Innnovation sind 30 junge, gleichberechtigte Gründer, die sich mit Innovationsberatung selbstständig gemacht haben. Ihr Buch ist das „Digital Innovation Playbook“

ITM: Das Digital Innovation Playbook  soll ein "Arbeitsbuch für Macher und Manager" sein, ein "Handbuch, um Innovation zu betreiben" - Wie kann man das im Print abbilden? Was muss ich mir da konkret als Leser vorstellen?
Patrick Steller: Die meisten Menschen denken bei Innovationen an ausgefallene digitale Produkte, verrückte Services oder Zukunfstechnologien. Und das ist auch richtig, nur um eine Innovation von dauerhaftem Wert zu schaffen, muss ich lernen, versteckte und bisher unbefriedigte Bedürfnisse bei Nutzern offen zu legen. Das ist der wichtigste Aspekt unserer Arbeit. Und das Wissen und die Befähigung dazu kann sowohl analog als großes, gelbes Buch oder beispielsweise digital als Online-Videokurs gelehrt werden.

Wir haben uns für erstere Variante entschieden, da wir glauben, dass Wissen immer noch am besten in gedruckter Form rezipiert wird. Außerdem ist das Playbook als Arbeitsbuch und nicht als reines Lesebuch konzipiert, da man es nicht jedes Mal von vorne bis hinten durchackern muss, um Antworten auf aktuelle Probleme, die zu unterschiedlichen Zeiten in der Innovationsarbeit und in unterschiedlichen Projekten auftauchen können, zu erhalten. Es wird auch Zeiten geben, in denen es einfach im Regal steht und wie ein Sonne mit einem Einband für Stofffetischisten leuchtet. Das finden wir auch ganz gut so.

"Das Buch ist als Arbeitsbuch und nicht als reines Lesebuch konzipiert, das man es nicht jedes Mal von vorne bis hinten durchackern muss."

ITM: Die Methoden und Tipps entstammen dem Design-Thinking-Ansatz?
Steller:
Ja, aber nicht nur. Wir würden es eher ein weiterentwickeltes Design Thinking 2.0 nennen, denn wir brechen das Prozesshafte des Ansatzes auf und plädieren für ein radikales Herumexperimentieren mit den einzelnen Bestandteilen. Heißt, wenn ich für ein Unternehmen Innovationsarbeit machen möchte, dass schon vielversprechende Ideen in der Schublade hat, dann macht es doch mehr Sinn, mit der Test-Phase zu starten, statt mit einer Recherche-Phase, wie es ursprünglich beim Design Thinking vorgesehen ist.

Außerdem gibt es im Playbook Methoden, die aus den artverwandten Bereichen Service Design, Jobs to be done, Rapid Prototyping, Lean Stratup und Business Model Canvas kommen. Wir haben das Beste aller Ansätze zu einem eigenen Remix zusammengefasst.
 
ITM: Inwiefern kann das Buch in der IT-Branche weiterhelfen?
Steller: Wie erwähnt, steht im Zentrum einer erfolgreichen Innovation immer der Nutzer, dessen Probleme ENDLICH von unserem innovationen Produkt oder Service gelöst werden. Das funktioniert branchenübergreifend. Seit unserer Gründung im Jahr 2009 haben wir als Innovationsagentur Dark Horse, Unternehmen aus den Branchen Automobil, Medizin, IT, Finanz, Gesundheit, Transport usw. fit für das digitale Zeitalter gemacht. Egal, in welchen Branchen diese Unternehmen operierten, im Kern gab und gibt es immer dieselben Mechanismen, die gelernt und angewendet werden müssen.

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ITM: Wie kann das Buch einem klassischen Mittelständler bei einem Digitalisierungsprojekt helfen?
Steller: Der klassische Mittelständler weiß nicht, wie er auf die Digitalisierung reagieren soll. Er hat Angst, dass er ins Hintertreffen gerät und seine Produkte oder Dienstleistungen bald nicht mehr gefragt sind. Das Playbook kann in diesem Fall Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Es hilft dem Mittelständler zu identifizieren, welche Wertversprechen er mit seinen aktuellen Produkten oder Dienstleistungen erfüllt, um herauszufinden, welche zusätzlichen Geschäftsfelder und Nutzergruppen erschlossen werden können.

Denn ein Mittelständler, der sein Geld mit der Produktion von Kunststoffen verdient, muss sicherlich nicht an einer neuen Dating-App werkeln, um für die Digitalisierung gerüstet zu sein. Außerdem gibt es im "Management-Teil" des Buches, Anleitungen und Frameworks, um kleine "Innovations Think Tanks" im Unternehmen aufzuziehen, die parallel zum Tagesgeschäft schon an der Zukunft arbeiten können.

"Ein Mittelständler, der sein Geld mit der Produktion von Kunststoffen verdient, muss nicht an einer neuen Dating-App werkeln, um für die Digitalisierung gerüstet zu sein."

ITM: Wie beurteilen sie die Innovationskraft deutscher Unternehmen aktuell - auch im internationalen Vergleich?
Steller: Der deutsche Mittelstand ist eine anerkannte Marke, gerade im Ausland. Die Innovationskraft ist zweifellos vorhanden. Nur wird sie im stressigen Tagesgeschäft weitesgehend hinten angestellt, da ein Investment in die Zukunft immer Risiken birgt und keine schnellen Profite abwirft. Das sind jetzt Allgemeinplätze, aber sie sind wahr.
 
ITM: Wie können Unternehmen Rahmenbedingungen schaffen, die Innovationen und Ideen der Mitarbeiter fördern?
Steller: Ein Methoden-Set wie das Design Thinking und Arbeitsräume, die so eingerichtet sind, dass Ideen schnell entwickelt, in Prototypen geformt und mit echten Nutzern getestet werden können, sind sicherlich lohnende Investitionen, um die Innovationskraft der Mitarbeiter im Unternehmen zu fördern.

Doch steht und fällt alles mit der Notwendigkeit eines Kulturwandels - sonst ist es oft bloßer Aktionismus. Wer seinen Mitarbeitern erlaubt, lächerlich und "dumm" zu sein, Fehler zu machen und ihnen das Vertrauen schenkt, einfach auch mal für eine bestimmte Zeit ohne Kontrolle durch den Chef "zu machen", der ist schon auf einem guten Weg. Wie bei einer anderen Frage bereits angedeutet, das große Playbook-Kapitel für Manager hat viele nützliche Tipps und Tricks, um als Vorgesetzter die notwendigen Rahmenbedingen für innovative Mitarbeiter zu schaffen.

"Es steht und fällt alles mit der Notwendigkeit eines Kulturwandels - sonst ist es oft bloßer Aktionismus." 

ITM: Können Sie ein konkretes Projekt nennen, das mithilfe des Playbook erfolgreich war/ist?
Steller: Nein, konkret lässt sich das schwer sagen. Seit wir das Playbook veröffentlicht haben und auch schon in Testphasen davor arbeiten wir und unsere Kunden mit dem Playbook und seinen einzelnen Frameworks und Methoden. Es wird sogar vereinzelt im Rahmen der universitären Lehre eingesetzt. Deshalb sind wir guter Hoffnung, dass wir bald behaupten können, ohne unser Playbook hätte es Produkt X oder Service Y oder Unternehmen Z nicht gegeben.

>> Hier gibt es einen Blick ins Buch <<

Bildquelle: Dark Horse

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