18.08.2017 Wenn sich Mittelständler vergrößern

Internationaler Rollout von Software-Lösungen

Von: Lea Sommerhäuser

„Wenn man vergisst, die Menschen mit in die Planungsphase mit einzubeziehen und ihnen ein Projekt einfach ‚überstülpt’“, so Jürgen Biffar, Geschäftsführer der Docuware GmbH, dann seien Internationalisierungsprojekte zum Scheitern verurteilt.

Jürgen Biffar von Docuware

„Die Planung im Vorfeld, in die die User mit einbezogen werden, ist das A und O eines erfolgreichen Rollouts“, betont Jürgen Biffar von Docuware.

ITM: Herr Biffar, ist „Internationalisierung“ ein Thema, das nur die „Großen“ betrifft?
Jürgen Biffar:
Nein, denn gerade der deutsche Mittelstand ist extrem exportorientiert. Viele mittelständische Unternehmen haben weltweit verteilte Büros.

ITM: Welche Faktoren treiben die Internationalisierung im deutschen Mittelstand voran?
Biffar:
In Deutschland hergestellte Güter werden mit guter Qualität verbunden (Made in Germany). Der Export sichert Arbeitsplätze und steigert den Umsatz. Dank eines starken Auslandsengagements lassen sich Konjunkturflauten besser überbrücken.

ITM: Mit welchem Aufwand ist die Expansion ins Ausland verbunden?
Biffar:
Wir haben von Anfang an das internationale Geschäft forciert und die Produkte beispielsweise immer so designt, dass sie auch für den internationalen Markt geeignet waren. Bereits in 2001 wurde mit der Docuware Corporation eine eigene US-Tochtergesellschaft gegründet.

ITM: Wie gestaltet sich der internationale Rollout von im Einsatz befindlichen Systemen wie ERP, DMS, CRM und Co.?
Biffar:
Die Lösungen sollten zentral – vom Hauptsitz aus – koordiniert werden, ein lokaler Verantwortlicher ist erforderlich, um die technische Unterstützung vor Ort zu gewährleisten. Ein weiterer Grund für den Ansprechpartner vor Ort ist, dass die User jemanden haben, der ihre Sprache spricht. Bei Cloud-Anwendungen entfällt der technische Aufwand vor Ort.

ITM: Inwieweit sind die entsprechenden Lösungen für den Einsatz in Tochtergesellschaften bzw. ausländischen Niederlassungen gerüstet? (Stichwort: z.B. Sprachbarrieren)
Biffar:
Voraussetzung ist eine englische Version der Software, weitere Sprachen sind von Vorteil. Wir bieten unsere Lösungen z.B. in 16 Sprachen an: Arabisch, Brasilianisch/Portugiesisch, Bulgarisch, Chinesisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Griechisch, Holländisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Polnisch, Russisch, Schwedisch und Spanisch.

ITM: In jedem Land herrschen andere gesetzliche Bestimmungen z.B. hinsichtlich Finanzbuchhaltung, Lieferkette, Produktionssicherheit, Datenschutz etc. Inwieweit kann dies von den entsprechenden Lösungen berücksichtigt werden?
Biffar:
Die gesetzlichen Bestimmungen müssen berücksichtigt werden, entweder voreingestellt oder durch geeignete Konfigurationen.

ITM: Was sind neben den technischen und rechtlichen Problemen weitere häufige Stolpersteine bei Internationalisierungsprojekten – etwa hinsichtlich dem Faktor Mensch/Mitarbeiter?
Biffar:
Am Wichtigsten ist es, die Menschen vor Ort, also auch in den Niederlassungen, schon in die Planungsphase mit einzubeziehen, rechtzeitig auf die länderspezifischen Gegebenheiten einzugehen und Sprachbarrieren zu berücksichtigen.

ITM: Wie ist es um die Sicherheit der Daten bestellt, die plötzlich Deutschland „verlassen“ bzw. auf die aus dem Ausland zugegriffen wird?
Biffar:
Technische Vorkehrungen sind natürlich Voraussetzung, damit kein Unbefugter Zugriff auf die Daten hat.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei die Cloud?
Biffar:
Gerade cloud-basierte Lösungen ermöglichen es, die Internationalisierung effizient zu gestalten. Die zentrale Administration gewährleistet höchste Sicherheit.

ITM: Wie kann ein möglichst problemloser Rollout gewährleistet werden? Inwieweit greifen Sie als Anbieter/Berater Ihren Kunden, die ins Ausland expandieren (wollen), unter die Arme?
Biffar:
Die Planung im Vorfeld, in die die User mit einbezogen werden, ist das A und O eines erfolgreichen Rollouts. Wir verfügen weltweit über ein Netzwerk von über 500 autorisierten Partnern mit ca. 4.700 geschulten Experten.

ITM: Wann sind Internationalisierungsprojekte zum Scheitern verurteilt?
Biffar:
...wenn man vergisst, die Menschen mit in die Planungsphase mit einzubeziehen und ihnen ein Projekt einfach „überstülpt“.

Bildquelle: Docuware

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