Mittels eines IP-Cockpits können die Patienten auf unterschiedliche Multimedia-Angebote zugreifen.
Rund 46.000 Patienten werden jährlich in den auf Sportverletzungen und degenerative Gelenk-erkrankungen spezialisierten Arcus Kliniken in Pforzheim behandelt. Jeder Patient, ob gesetzlich oder privat versichert, erfährt dort eine individuelle und umfassende Betreuung. Ein Konzept, das ankommt, wie die wiederholt erzielten Spitzenwerte bei Zufriedenheitsumfragen belegen. Die Kliniken stellen hohe Ansprüche an die Qualität der Patientenversorgung und bieten eine lückenlose Betreuung von der Prävention über die Therapie bis zur Rehabilitation. Moderne, schonende Operationsverfahren sowie qualitätsgesicherte Behandlungsmethoden gehören dabei ebenso zum Konzept wie gehobener Hotelkomfort bei stationärem Aufenthalt. Um im stationären Bereich weiterhin Maßstäbe zu setzen, beschloss die Klinikleitung 2012 einen Umbau sowie die Modernisierung einzelner Klinikbereiche. Im Zuge der Baumaßnahmen sollte statt des bisherigen Fernsehers je Patientenzimmer zukünftig Telefonie, Internet und Fernsehen an jedem Patientenbett individuell möglich sein.
Die Kliniken suchten nach einer Entertainment-Lösung, mit der die einzelnen Dienste wie Telefon, Fernsehen und Internet zentral verwaltet und nutzergerecht angeboten werden konnten. Die Integration der bereits vorhandenen Kommunikationslösung Openscape 4000 sollte ebenfalls möglich sein. Außerdem war für den Schwesternruf ein IP-Lichtruf-system gefordert, das einen Patientenruf an der Türanzeige, im Stationszimmer sowie an Dect-Telefonen signalisieren kann. Oliver Kraut, der Projektverantwortliche in der IT-Abteilung von Arcus, erinnert sich: „Der Umbau war für uns eine willkommene Gelegenheit zur Neugestaltung wesentlicher Prozesse. So wollten wir u.a. die bisher getrennten Prozesse für Telefon und Fernsehen vereinheitlichen.“
Ein Besuch auf der Fachmesse Medica 2012 wurde von den Verantwortlichen genutzt, um den Markt zu sondieren. So informierte man sich auch am Stand von Unify (ehemals Siemens Enterprise Communications) über die dort gezeigte Himed-Lösung. Das Design der Cockpit-IP-Terminals und die Entertainment-, Informations- sowie Kommunikationsfunktionen konnten bereits überzeugen. Aber erst eine Präsentation der Lösung vor Ort in Pforzheim brachte die Entscheidung. „Die Präsentation bei unserer Klinikleitung gab den Ausschlag“, fasst Oliver Kraut den Projektzuschlag zusammen, und ergänzt: „Gemeinsam mit dem Anbieter haben wir dann mit der Feinplanung für eine auf unsere Anforderungen abgestimmte Lösung begonnen.“
Erst Steuerinstanz, dann IP-Cockpits
Bevor die ersten IP-Cockpits an den Patientenbetten angeschlossen werden konnten, musste das System als zentrale Steuerinstanz installiert werden. Über IP ist der Himed-Server mit allen relevanten Systemen verbunden, z.B. mit dem Kommunikationssystem Openscape 4000, dem Kassenautomaten für das Aufbuchen von Guthaben, dem IP-Lichtrufsystem und den IP-TV-Servern für den Fernsehempfang. „Komponenten, die wir bislang getrennt administriert hatten, lassen sich jetzt über das neue System zentral verwalten. Der Betrieb ist einfacher und kostengünstiger als vorher“, erläutert Oliver Kraut.
Ebenso bedeutend ist der Vorteil für die Patienten: Die intuitiv zu bedienenden Terminals, die inzwischen an jedem der über 130 Patientenbetten installiert sind, ersetzen Fernseher und Telefon und bringen das Internet direkt ans Patientenbett. Dabei bleibt es jedem selbst überlassen, ob und in welchem Umfang er das Entertainment-Angebot nutzt. Bezahlt wird mit Chipkarte, auf die am Kassenautomaten ein Guthaben aufgebucht werden kann. Das Basispaket umfasst Fernsehen und Telefon; die Abbuchung erfolgt nutzungsbezogen. Weitere Dienste, z.B. Pay-TV-Programme, können individuell dazu gebucht werden. Die Akzeptanz des Entertainment-Angebots bestätigt Kraut: „Wir sehen am System, dass fast immer über 50 Prozent der Cockpits gebucht sind. Eine beachtliche Größe, da bei uns die Nutzung von Mobiltelefonen erlaubt ist. Außerdem bieten wir“, so Kraut weiter, „unseren Patienten WLAN-Zugang, so dass eigene Notebooks und Tablets genutzt werden können.“
IP-basierte Raumsteuerung
Vor allem Patienten, die nach einem Eingriff strikte Bettruhe halten müssen, schätzen die neuen Cockpits. Denn neben dem Entertainment-Aspekt lassen sich damit auch Licht und Jalousien steuern. So genügt ein Tastendruck, um die Fenster bei allzu grellem Sonnenlicht zu verdunkeln. „Die Raumsteuerung der Lösung passt zu unserem Anspruch, den Patienten einen stationären Aufenthalt mit gehobenem Hotelkomfort zu bieten“, betont Kraut. Ebenfalls in das Cockpit integriert ist der IP-Lichtruf für Ärzte und Pflegedienst. Ein Schwesternruf, der auf der Station und an den Dect-Schnurlostelefonen des Pflegepersonals signalisiert wird, kann direkt beantwortet werden. Kürzere Reaktionszeiten sind die Folge: Das Stationspersonal kann sich auf den Lichtruf hin sofort telefonisch beim Patienten nach dessen Befinden erkundigen, um z.B. erforderliche Medikamente gleich mitzubringen.
Nicht zuletzt gibt es in der IT-Abteilung von Arcus bereits weitere Überlegungen, wie mithilfe der Entertainment-Lösung weitere Abläufe vereinfacht werden können. Als Beispiel nennt Kraut die Bestellung des Patientenessens. Was die Patienten heute noch schriftlich per Liste wählen, könnte er sich auch als App vorstellen. Die Bestellungen für die Küche würden dann vom Patienten über das Cockpit online aufgegeben. „Aber an der Qualität unseres Klinikessens würde das nichts ändern. Die lässt sich kaum noch verbessern“, schließt Kraut seinen Ausblick auf mögliche Weiterentwicklungen ab.
Die Arcus Kliniken
Bildquelle: © Unify