„Software von Drittanbietern wird heute noch häufiger angegriffen als die eigentlichen Betriebssysteme“, bemerkt Alexander Bünning, Regional Director DACH bei Fireeye.
ITM: Herr Bünning, warum und auf welche Weise greifen Cyberkriminelle gern kleine und mittelständische Unternehmen an?
Alexander Bünning: Mittelständische Unternehmen verfügen genau wie Großunternehmen über Patente oder spezielles Know-how, welche für externe Dritte von hohem Interesse sind. Auch Informationen über Preise des Wettbewerbs können für den Angreifer interessant sein. Darüber hinaus sind Mittelständler oft Zulieferer für größere Unternehmen und über IT-Systeme miteinander verknüpft. Da ist der Zulieferer oft ein optimaler Einstiegspunkt für den Angreifer. Mittelständler sind häufig einfach unzureichend geschützt, da auf IT-Security kein Fokus gelegt wird und demzufolge Budgets und Fachkräfte in diesem Bereich nicht oder nur unzureichend zur Verfügung stehen.
ITM: Inwiefern schert sich der Mittelstand aktuell um das Thema „IT-Sicherheit“?
Bünning: Mittelständler interessieren sich durchaus für IT-Sicherheit. Aber ihre Aufmerksamkeit widmen sie zu gleichen Teilen auch wichtigen Punkten wie der Kundenakquise, dem Kundenerhalt und der Produktherstellung. In der Regel möchten sie daher IT-Sicherheit auslagern und als Service einkaufen, damit sie z.B. keine hoch bezahlten Mitarbeiter dafür einstellen müssen.
ITM: Wie kann eine Sicherheitslösung vor Bedrohungen schützen, die bisher gänzlich unbekannt sind?
Bünning: Tatsache ist, keine Lösung kann davor schützen. Aber wir können Kontrollsysteme einsetzen, die in der Lage sind, einen großen Anteil der Bedrohungen zu erkennen und Risiken zu minimieren. Viele Unternehmen verschließen immer noch die Augen vor den neuen Risiken und vertrauen ihren herkömmlichen Sicherheitslösungen. Aus diesem Grund lesen wir jede Woche Überschriften in den Zeitungen darüber, dass Unternehmen erfolgreich angegriffen werden, egal wie groß sie sind oder in welcher Branche sie tätig sind.
ITM: Wie kann hier Ihre Lösung Oculus für KMU Abhilfe verschaffen?
Bünning: Seit der Übernahme von Mandiant heißt Oculus jetzt Managed Defence. Es ist ein Service, der es unseren Kunden erlaubt, je nach Bedarf alle oder nur ausgewählte Maßnahmen zur Abwehr von fortschrittlichen gezielten Angriffen an uns auszulagern. Managed Defence ist ein cloud-basierter Service.
ITM: Mit welchem Aufwand ist die Installation verbunden?
Bünning: Die Installation dauert bei den meisten Kunden weniger als zwei Stunden. Die Kosten variieren, sind aber in jedem Fall geringer als der Schaden, welcher einem Mittelständler durch einen erfolgreichen Angriff entsteht.
ITM: Wie kann sich ein Mittelständler neben dem Einsatz von IT-Sicherheitslösungen darüber hinaus vor Cyberangriffen schützen?
Bünning: Alle Systeme sollten regelmäßig gepatcht werden. Software von Drittanbietern wird heute noch häufiger angegriffen als die eigentlichen Betriebssysteme, so wie etwa Anwendungen von Adobe oder der Internet Explorer von Microsoft. Zudem helfen Schulungen, die den Mitarbeitern einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet lehren, so dass sie zweimal darüber nachdenken, bevor sie E-Mails und deren Inhalte öffnen.
ITM: Was sollte ein Unternehmen tun, wenn ein Cyberangriff letztlich doch erfolgreich war?
Bünning: In solchen Fällen dürfen die Unternehmen nicht in Panik geraten, diesen Fakt aber auch nicht ignorieren. Die Verantwortlichen sollten sich dringend an Experten wenden, die wissen, wie man mit fortschrittlichen Angriffen umgeht und welche Gegenmaßnahmen einzuleiten sind. Für einen zukunftssicheren IT-Sicherheitsplan mag es für Unternehmen wichtig sein zu verstehen, wer angegriffen hat, wie und wann der Angriff durchgeführt wurde und vor allem, was das Ziel des Angriffs bzw. was genau das Interesse des Angreifers war.